taz.de -- Engagierter Fußball: Geld interessiert ihn nicht

Über die Unterstützung von Obdachlosen bei Kälte und die Rivalität von Fußballfans, die selbst vor diesem Thema nicht haltmacht.

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Der Mann ist viel zu dünn angezogen für diese Minusgrade. Seine Füße stecken ohne Socken in Gummischlappen. Langsam durchschreitet er den U-Bahn-Waggon. Ab und zu bleibt er an einer Haltestange stehen, ohne jemanden anzusehen oder anzusprechen. Ein Fahrgast beobachtet ihn und erzählt dann seiner Tochter, was nach Weihnachten in Berlin passiert ist – er kann sich immer noch aufregen. Ein Kältebus wurde angezündet, ein Bus, der nachts Obdachlose aufsammelt, wenn sie im Freien kampieren und hilflos wirken.

Der Wagen ist ausgebrannt, ein zweiter wurde demoliert. Tage später ein dritter. „Und wer hat geholfen“ – wendet der Mann sich wieder an die Tochter, die gerade mit ihrem Baby beschäftigt ist. „Weiß-Blau.“ Und als sie nicht reagiert, schiebt er voller Enthusiasmus nach: „Unsere Hertha. Die haben gleich einen neuen Bus hingestellt.“

Das stimmt zwar nicht, aber immerhin, Hertha BSC hat zu Spenden aufgerufen, wie überhaupt die sofortige Spendenbereitschaft das erschütterte Team der Kältebusse aufgerichtet hat. „Das hätte dein feiner HSV nicht gebracht“, provoziert der Hertha-Fan seine Tochter. Damit hat er sie aus der Reserve gelockt. „Klar hätte der HSV geholfen. Die arbeiten schon seit Jahren mit Plan.“

Von Plan hat der Vater noch nichts gehört. „HSV und Plan, das wüsste ich aber. Besonders in der 2. Liga.“ Die Tochter rollt mit den Augen und erklärt ihm, dass die Organisation Plan Mädchen auf der ganzen Welt unterstützt. „Nicht beim Fußballspielen, sondern beim Schulbesuch, den ihre Eltern nicht bezahlen könnten.“

In der Zwischenzeit bewegt sich eine ältere Frau zur Tür und will dem Obdachlosen ein 2-Euro-Stück in die Hand geben. Er lehnt ab, sein Mund zuckt verächtlich. Abwesend guckt er in den nächsten Waggon und lächelt plötzlich, als entdecke er dort drüben einen Lichtblick.

5 Feb 2026

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Claudia Ingenhoven

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Alltag

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