taz.de -- Pressekonferenz der Berlinale: Auf in die Schlacht

Die 76. Berlinale zeigt Filme aus 80 Ländern. Internationaler Glanz strahlt jedoch in diesem Jahr nur vereinzelt.

Bild: Bei der 76. Berlinale kann man sich allemal auf den Goldenen Ehrenbären für die Schauspielerin Michelle Yeoh freuen

Wenn die Intendantin eines Filmfestivals dieser Tage wiederholt das Wort „Schlacht“ verwendet, dann kann man das als Reflex auf die veränderte Lage in der Welt verstehen. Krieg erscheint mehr und mehr als Gefahr auch für Regionen, die davon für Jahrzehnte verschont geblieben worden sind. Was auch im Kulturbetrieb nicht unbemerkt bleibt.

[1][Dass Tricia Tuttle, Intendantin der Internationalen Filmfestspiele von Berlin], in der Pressekonferenz für die 76. Berlinale am Dienstag in der Berliner Akademie der Künste so häufig von einer „battle“ sprach, hatte aber vor allem mit den von ihr erwähnten Schwierigkeiten des Filmbetriebs zu tun. Der muss verstärkt darum kämpfen, Filme überhaupt ins Kino und an ihr Publikum zu bringen, um so das Kino als Kunstform zu erhalten.

Vielleicht meinte Tuttle jedoch auch ihre eigene Erfahrung bei der Zusammenstellung des Programms mit seinen insgesamt 276 Filmen aus 80 Ländern. Darunter gibt es 22 Wettbewerbsfilme mit 20 Weltpremieren, die am Dienstag vorgestellt wurden. Die Auswahl kommt dabei ohne „große“ Namen aus, zumindest ohne Namen, auf deren Bekanntheit bei einem größeren Publikum man einigermaßen vertrauen könnte.

Hatte 2025 immerhin noch der verdiente amerikanische Independent-Regisseur Richard Linklater seinen nostalgischen Film „Blue Moon“ mit Ethan Hawke im Wettbewerb vorgestellt, fehlt derlei Regieprominenz dieses Jahr. Zu den international renommiertesten Filmemachern, die um den Goldenen Bären konkurrieren, zählen der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz, in dessen Beitrag „Rosebush Pruning“ neben Elle Fanning auch Pamela Anderson mitspielt, und der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó, der seinen Film „At the Sea“ mit der Schauspielerin Amy Adams in der Hauptrolle beisteuert.

Jurypräsident Wim Wenders

Neugierig machen allemal die Filme aus Deutschland im Wettbewerb. So stellt der Regisseur [2][Ilker Çatak, der insbesondere mit „Das Lehrerzimmer“ (2023)] international erfolgreich war, seinen neuen Spielfilm „Gelbe Briefe“ vor. Er ist damit zum ersten Mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten, ebenso wie Eva Trobisch, die mit der Ost-West-Familiengeschichte „Etwas ganz Besonderes“ antritt. Ein „regelmäßiger“ Gast im Berlinale-Wettbewerb ist dagegen Angela Schanelec, die ihren jüngsten Film „Meine Frau weint“ präsentiert. Aus Deutschland stammt ebenfalls der Jury-präsident Wim Wenders.

Das klingt alles okay, auch der Goldene Ehrenbär, den dieses Jahr die Schauspielerin [3][Michelle Yeoh („Everything Everywhere All at Once“)] erhält. Ein wenig schwingt bei diesen Ankündigungen allerdings die Sorge mit, ob diejenigen Stimmen, die einen stetigen Bedeutungsverlust der Berlinale im Vergleich mit den anderen führenden Filmfestivals, Cannes und Venedig, beklagen, nicht doch recht haben könnten. Man wird sehen.

20 Jan 2026

[1] /Neue-Berlinale-Intendantin-Tricia-Tuttle/!5979079

[2] /Film-Das-Lehrerzimmer-ueber-Schulalltag/!5913891

[3] /Klimawandel-und-das-Multiversum/!5850530

AUTOREN

Tim Caspar Boehme

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