taz.de -- Tod des Modeschöpfers Valentino: Der letzte Kaiser

Der Modedesigner Valentino ist tot. Die Doku „Valentino: The Last Emperor“ offenbart, wie er lebte: prunkvoll, provokant und doch manchmal zärtlich.

Bild: Der italienische Modedesigner Valentino Garavani bei der Premiere des Films „Valentino: The Last Emperor“ 2008 in Venedig

Es ist ein kurzer Moment nach Valentinos Haute-Couture-Jubiläumsshow 2007 in Rom. Karl Lagerfeld gratuliert dem italienischen Designer backstage, umarmt ihn und flüstert in sein Ohr: „Im Vergleich zu uns machen die anderen Lumpen.“

Valentino entwarf Jackie Kennedy Onassis’ Hochzeitskleid, schuf das berühmte Valentino-Rot und trug stets einen lederbraunen Teint. Er war einer der großen Couturiers des 20. Jahrhunderts. Am 19. Januar verstarb der Italiener im Alter von 93 Jahren in Rom, wie seine Stiftung bekannt gab.

Der letzte Kaiser wird Valentino Garavani in der Dokumentation genannt, in der auch die obige Szene mit Lagerfeld zu sehen ist. „Valentino: The Last Emperor“ begleitet den damals noch 72-Jährigen in der Vorbereitung für die [1][opulente dreitägige Extravaganza in Rom, die 45 Jahre seines Schaffens mit seiner gleichnamigen Marke zelebrieren soll].

Sand auf der Bühne? No! Dünen? No! Voluminöse guyboudaineske Frisuren? No! No! No! Er brauche Chignons! Und große Models, bloß keine Zwerginnen. Valentino, oder Mr. Valentino, seltenst Valentino Garavani, weiß genau, was er will, und kämpft dafür, manchmal auch skrupellos.

Valentino braucht Pailletten! 5 Millionen Pailletten!

Gerade gegenüber seinem ehemaligen Liebes- und ewigen Lebenspartner Giancarlo Giammetti wird er auch vor laufenden Kameras fies, etwa wenn ihre kreativen Ideen nicht zueinanderpassen. Er entschuldigt sich dann aber auch, nicht mit Worten, sondern einem mit Diamanten besetzten Armband und einem verschmitzten Lächeln.

Valentino könne seine Dankbarkeit ihm gegenüber nicht richtig ausdrücken, sagt Giammetti. Er ist die stabilisierende Kraft hinter Valentinos kreativem Prozess. Die beiden lernen sich 1960 kennen, gemeinsam gründen sie das Modehaus Valentino, bis 1972 sind sie ein Liebespaar.

„The Last Emperor“ zeigt nicht nur ihre Beziehung und die mühsame Entstehung der Jubiläumsshow, sondern auch den Prunk seiner Mode und seines Lebens. Valentino reist stets mit seinen fünf Möpsen, deren Zähne geputzt und Ohrringe an ihre Ohren geclippt werden. Valentino trägt immer Anzug, besitzt Villen in Frankreich und Italien, eine Yacht und braucht Pailletten! 5 Millionen Pailletten, von Hand auf das Kleid gestickt!

Seine Couture ist romantisch und hyperfeminin. Luftige, transparente Stoffe, oft plissiert, mit fließenden Linien. Er spricht von Filmikonen, die er als Kind sah und verstand: Auch er wolle Frauen schön anziehen. Denn schön sein, das sei, was Frauen wollen. Und, so sagt er es im Film, er liebe schöne Frauen, schöne Hunde und schöne Möbel.

„Meine tiefste Dankbarkeit aber gilt Giancarlo Giammetti“

Die Filmikonen, die er als Kind anhimmelt, wird er später selbst einkleiden. Julia Roberts etwa trägt das berühmte schwarz-weiße Valentino-Kleid, als sie [2][2001 ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin für „Erin Brockovich“] gewinnt.

Auch Uma Thurman, Liz Hurley oder Gwyneth Paltrow lieben Valentino – sie alle erscheinen bei der Jubiläumsfeier in Rom, die das Ende seiner Karriere einläuten wird. Ein Jahr später verkauft er das Modehaus und gibt seinen Posten als Creative Director auf.

Als er in Paris 2006 die Ehrenlegion verliehen bekommt, fängt die Doku einen Moment der Zartheit hinter der pompösen Fassade ein. Valentinos Stimme bricht, nachdem er diversen Menschen für ihre Unterstützung über die Jahre dankt. „Meine tiefste Dankbarkeit aber gilt Giancarlo Giammetti“, sagt er mit Tränen in den Augen „Mein Partner von Anfang an, der über all die Jahre an meiner Seite blieb.“ Auch Giammetti weint. „Ihm danke ich von ganzem Herzen.“ Valentinos Gesicht ist wie schmerzverzerrt. Den Blick rüber zu Giammetti wagt er nicht.

20 Jan 2026

[1] https://www.nytimes.com/2007/07/08/world/europe/08valentino.html

[2] https://www.theguardian.com/film/2025/mar/06/erin-brockovich-review-julia-roberts-steven-soderbergh

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Valérie Catil

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