taz.de -- Gewalt im besetzten Westjordanland: Mehr als 1700 Übergriffe in zwei Jahren

Die israelische Armee verzeichnet laut Medienbericht einen starken Anstieg der Siedlergewalt im Westjordanland. Das liegt auch an illegalen Farmen.

Bild: Herren der Hügel: Jüdische Siedler in den Bergen des Westjordanlands

dpa | Im vergangenen Jahr ist die Zahl von [1][Angriffen radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland] einem Bericht zufolge um 25 Prozent gestiegen. Das berichtete die israelische Zeitung Ha'aretz unter Berufung auf Zahlen der israelischen Militärverwaltung.

Israels Armee teilte dazu auf Anfrage mit: „Im Laufe des letzten Jahres hat sowohl der Umfang als auch die Schwere der Gewalt durch Siedler zugenommen.“ Eigene Zahlen wollte das Militär nicht öffentlich machen.

Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 sei es zu mehr als 1.700 Angriffen gekommen, meldete die israelische Tageszeitung Ha'aretz. Allein im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge bei 845 Zwischenfällen mehr als 200 Menschen verletzt und vier getötet. Im Jahr 2024 seien bei 675 Angriffen 149 Palästinenser verletzt und sechs getötet worden.

Gründe für den Anstieg der Siedlergewalt

Der Anstieg sei nicht allein auf mehr Einzeltaten zurückzuführen, sondern auf [2][größere, organisierte Gruppen], die Unterstützung von Politikern und bekannten rechtsextremen Aktivisten erhalten, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Armeeangaben. Dabei wurde auch auf die Ausbreitung sogenannter Farmen verwiesen. Deren Gesamtzahl sei von etwa 30 vor dem Gaza-Krieg auf derzeit mehr als 120 gestiegen.

Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'tselem handelt es sich dabei um [3][landwirtschaftliche Flächen im Westjordanland]. Dort übernehmen die Siedler demnach – anders als etwa bei Siedlungen – die Kontrolle ohne offizielle israelische Genehmigung. Ha'aretz verweist darauf, dass die auf diese Farmen lebenden Siedler oftmals Angriffe auf Palästinenser anführten.

„Wer die Gründung von fast 100 neuen Farmen seit Kriegsbeginn ignoriert, sollte sich nicht über den Anstieg nationalistischer Auseinandersetzungen und Straftaten wundern“, zitierte die Zeitung einen hochrangigen Verteidigungsbeamten.

13 Jan 2026

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