taz.de -- Wirtschaftlicher Lichtblick: Mehr zu tun für die Industrie

Die Industrie konnte im November einen überraschend starken Zuwachs an Aufträgen verzeichnen. Grund sind vor allem staatliche Großaufträge.

Bild: Bergauf könnte es auch bald mit der Konjunktur gehen – Joggen vor den Werftanlagen von Blohm & Voss in Hamburg

Es ist ein erstes Zeichen, dass es in der Konjunktur bald wieder bergauf gehen könnte: Vergangenen November erfreute sich die [1][kriselnde Industrie] über ein sattes Auftragsplus von 5,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Verantwortlich seien vor allem Großaufträge. Ohne diese hätte das Plus immerhin 0,7 Prozent betragen.

Insbesondere bei der Herstellung von Metallerzeugnissen und dem sonstigen Fahrzeugbau, zu dem unter anderem der Flugzeugbau, die Schifffahrt und Militärfahrzeuge gehören, dürfte es in nächster Zeit wieder mehr zu tun geben. In diesen Bereichen legten die Aufträge im Vergleich zum Vormonat um 25,3 beziehungsweise 12,3 Prozent zu.

„Das Plus bei den Auftragseingängen ist ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden“, kommentierte Sebastian Dullien vom [2][Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)] der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die Zahlen. Da die Auftragseingänge im Oktober bereits recht robust waren, dürfe sich für das Jahresabschlussquartal insgesamt nun ein spürbares Plus ergeben.

Bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist man zwar skeptischer. So ist laut DIHK-Experte Jupp Zenzen der Aufschwung in der Industrie „kein Selbstläufer“. Zumindest die Talsohle scheint ihm zufolge aber erreicht zu sein.

Ausgaben für Infrastruktur beleben Konjunktur

Währenddessen dürften Dullien zufolge steigende Militärausgaben auch in den kommenden Monaten zu mehr Aufträgen für die Industrie führen. „Der Bundestag hatte im Dezember Rüstungsbeschaffungen im Umfang von rund 50 Milliarden Euro beschlossen, die nun nach und nach umgesetzt werden“, so der Ökonom. Mehr Investitionen in die öffentliche Infrastruktur dürften ebenfalls mehr Aufträgen für die Industrie zur Folge haben.

Allerdings ist fraglich, ob die Militärausgaben zu einem nachhaltigen Aufschwung führen. [3][Das IMK warnte jüngst] vor dauerhaften Ausnahmen für Verteidigungsausgaben in der Schuldenbremse. Diese droht zu einer Gefahr für die öffentlichen Haushalte zu werden, während ihr Beitrag zur Belebung der Konjunktur geringer ist als jener von Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

9 Jan 2026

[1] /Wirtschaft-in-der-Krise/!6126009

[2] /Wirtschaftliche-Erholung-gefaehrdet/!6143373

[3] /Reform-der-Schuldenbremse/!6142936

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Simon Poelchau

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