taz.de -- Treibhausgas-Zertifikate: Rekordeinnahmen im Emissionshandel

2025 brachte der Verkauf von CO₂-Ausstoßrechten mehr Geld als je zuvor für den Klima- und Transformationsfonds. Das ist nicht nur eine gute Meldung.

Bild: Deutschland hat auch 2025 Spitzeneinnahmen im Emissionshandel erzielt: Rauchwolken aus dem Braunkohlekraftwerk Niederaußem

dpa | Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Einnahmerekord beim Verkauf von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten erzielt. Aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel kamen 2025 mehr als 21,4 Milliarden Euro zusammen, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Berlin mitteilte. 2024 lag der Wert bei 18,5 Milliarden. Die DEHSt gehört zum Umweltbundesamt (UBA).

Das Geld fließt vollständig in den [1][Klima- und Transformationsfonds], aus dem Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen finanziert werden. Mit dem Geld wird etwa die energetische Gebäudesanierung gefördert, der Umbau der Industrie Richtung Klimaneutralität, die Wasserstoffwirtschaft oder der Ausbau des [2][Ladesäulennetzes für Elektroautos]. Emissionsberechtigungen werden seit 2008 verkauft. Die seitdem erzielten Gesamterlöse überschritten den Angaben zufolge im Dezember die 100-Milliarden-Euro-Marke.

„Der Emissionshandel hat sich zum zentralen sektorübergreifenden Klimaschutzinstrument entwickelt“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner laut Mitteilung. Zusammen mit anderen Maßnahmen setze die CO₂-Bepreisung entscheidende Impulse für den klimaschonenden Umbau der Gesellschaft.

Die Bepreisung von Treibhausgasen soll Wirtschaft und Verbrauchern einen Anreiz geben, weniger fossile Brennstoffe zu verwenden. Es gibt ein europäisches und ein nationales Handelssystem. Kraftwerke, große Industrieanlagen, der innereuropäische Luftverkehr sowie der Seeverkehr benötigen die europäischen Berechtigungen. Pro Tonne ausgestoßenem CO₂ müssen sie ein Zertifikat bei der Emissionshandelsstelle abgeben.

73,86 Euro pro Tonne CO₂

Erwerben können sie diese Verschmutzungsrechte unter anderem bei Versteigerungen an der [3][Energiebörse in Leipzig]. Im europäischen Emissionshandel wird die Menge der zugeteilten Berechtigungen jährlich gesenkt, um die Emissionen schrittweise immer stärker zu begrenzen. Die europäischen Zertifikate kosteten 2025 im Schnitt 73,86 Euro (2024: 65 Euro)

Im nationalen Emissionshandelssystem geht es darum, den klimaschädlichen CO₂-Ausstoß in den Bereichen Wärme und Verkehr zu senken. Erfasst werden die Brennstoffe Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssig- und Erdgas sowie Kohle. Seit 2024 wird die Abgabe auch auf die Verbrennung von Abfällen erhoben.

Die CO₂-Abgaben werden etwa bei den Gaslieferanten oder Unternehmen der Mineralölindustrie erhoben, die diese dann an die Verbraucher:innen weiterreichen. Im Unterschied zu den europäischen Zertifikaten werden die nationalen bislang nicht verknappt. Außerdem waren die Preise für die Berechtigungen bislang festgelegt.

2026 Versteigerungen an der EEX

Im europäischen Handel beliefen sich die Auktionserlöse 2025 auf 5,4 Milliarden Euro (2024: 5,5 Milliarden Euro). Im nationalen Handel wurden 16 Milliarden Euro eingenommen, rund drei Milliarden Euro mehr als 2024.

Hauptgrund für den Anstieg war der höhere Preis der nationalen Berechtigungen: Kosteten die Zertifikate je Tonne CO₂-Verschmutzung 2024 noch 45 Euro, waren es ein Jahr später 55 Euro. Im neuen Jahr werden erstmals auch die nationalen Berechtigungen versteigert. Sie sollen mindestens 55 Euro und höchstens 65 Euro kosten. Die Versteigerungen an der Leipziger Energiebörse EEX sollen laut DEHSt im Juli beginnen.

Der nationale Emissionshandel soll ab 2028 durch einen [4][europäischen Emissionshandel für Brennstoffe] größtenteils abgelöst werden. Die Einführung war ursprünglich schon für 2027 vorgesehen. Sie wurde aber verschoben, um große Preissprünge für Verbraucher beim Tanken und Heizen vorerst zu vermeiden.

Zu viel Ausstoß bei Gebäude und Verkehr

Verkauft wurden 2025 insgesamt 294 Millionen (2024: 295 Millionen) nationale Berechtigungen. „Die umfangreichen Verkaufsmengen spiegeln das mit Blick auf die Klimaziele deutlich zu hohe Emissionsniveau im Gebäude- und Verkehrsbereich wider“, sagte der kommissarische Leiter des UBA-Fachbereichs Klimaschutz, Energie, Deutsche Emissionshandelsstelle, Christoph Kühleis. „Der klimapolitische Handlungsdruck ist in diesen Sektoren enorm.“

Der Experte äußerte sich in diesem Zusammenhang kritisch zur Verschiebung des europäischen Emissionshandels für Brennstoffe um ein Jahr. Sie verlangsame den Modernisierungsprozess und erschwere damit das Erreichen der [5][deutschen und europäischen Klimaschutzziele].

7 Jan 2026

[1] /Klima--und-Transformationsfonds/!6138828

[2] /Zukunft-der-Mobilitaet/!6131333

[3] https://www.eex.com/de/

[4] /Abgeschwaechter-Kompromiss/!6136910

[5] /Abgeschwaechte-EU-Vorgaben/!6138917

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