taz.de -- Anschlag auf das Berliner Stromnetz: Letzte Warnung

Ohne besseren Schutz und mehr Vorbereitung könnte auch ein ganzes Bundesland lahmgelegt sein.

Bild: Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal im Südwesten Berlins löste den Stromausfall aus

Gruselig, so ein Blackout. Aber im Roman [1][„Blackout“ von Marc Elsberg] ist er glücklicherweise nach 799 spannenden Seiten vorbei. In echt würde das ja wohl gar nicht erst passieren, dafür gäbe es doch bestimmt zig Schutz- und Backup-Systeme, oder? Eben nicht. Mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit lässt einen zumindest als Betroffener der Anschlag auf das Berliner Stromnetz zurück. Der wird im Südwesten der Stadt vorausichtlich noch bis Donnerstag Zehntausende ohne Strom und Heizung zurücklassen.

Wenn es daran überhaupt etwas Positives gibt, dann das: Es sind „nur“ 45.000 der über 2 Millionen Berliner Haushalte betroffen. Und noch ist zwar nicht klar, wie die Bilanz aussehen wird, wenn der Strom wieder überall fließt und ob nicht doch Tote zu beklagen sein werden. Aber es könnte das bleiben, was bei der Marine „Schuss vor den Bug“ heißt – eine letzte Warnung vor dem Volltreffer.

Schon im [2][September 2025 nach einem ersten Anschlag auf das Berliner Stromnetz] regte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) an, was jetzt auch die Gewerkschaft der Polizei fordert: darüber nachzudenken, mehr (Video-)Überwachung sensibler Anlagen im öffentlichen Raum zuzulassen. Und ob es in der Güterabwägung nicht sinnvoll wäre, den Datenschutz etwas weiter hintanzustellen und darin nicht gleich den orwellschen Überwachungsstaat zu sehen.

Es geht darum, geschützter vor gezielten Anschlägen zu sein. Denn was ist, wenn eine einzige Gruppe nicht nur 45.000 Haushalten Strom und Heizung raubt, sondern zehn oder zwanzig Gruppen gleichzeitig handeln? Dann gibt es da nicht eine überschaubare Blackout-Zone, sondern eine komplett lahmgelegte 4-Millionen-Stadt.

Zur Vorbeugung gehört aber auch, selbst mehr als nur eine Suppendose im Schrank zu haben. Sich vorzubereiten – sich zu „preppen“ – darf nicht bloß eine Sache skurriler Gruppen sein. [3][Was dazu nötig ist, steht auf den Internetseiten der zuständigen Behörden.] Die Zugriffszahlen darauf dürften bisher überschaubar gewesen sein. Das wird sich nun hoffentlich ändern.

4 Jan 2026

[1] /Thriller-Serie-auf-Joyn-Plus/!5804091

[2] /Stromausfall-in-Berlin/!6105502

[3] https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/Ratgeber-Checkliste/ratgeber-checkliste_node.html

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Stefan Alberti

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