taz.de -- Darts-Doppelweltmeister Luke Littler: Der Künstler als junger Pfeilewerfer

Der Kneipensport Darts boomt, und er ist der Beste: Luke Littler ist Weltmeister, Millionär ist er schon längst. Wer ist das „Wunderkind“?

Bild: Trifft gut: Luke Littler nach dem Finalsieg in London am 4. Januar

Gut, Millionär war er vorher schon, sogar bereits vor seinem 18. Geburtstag. Um die drei Millionen Pfund hat er eingespielt; seit Samstagabend ist der jetzt zweifache Darts-Weltmeister Luke Littler um noch eine Million reicher. Richtig gelesen, eine Million Britische Pfund, das allein war das Preisgeld für den Gewinner der Darts-WM 2026. Gian van Veen, 23, unterlegener Zweiter im Finale, bekam immerhin auch noch 400.000 Pfund.

Im Finale hatte der aufstrebende Herausforderer aus den Niederlanden gegen Luke Littler keine Chance. Dabei hatte Gian van Veen im gesamten Turnier den höchsten Average gespielt (108) und dreimal die 170 „gecheckt“, also den höchstmöglichen Endwurf geschafft, öfter als alle anderen. Luke Littler aber spielte im Finale unerbittlich; als Genie gilt der immer noch 18-Jährige schon länger, gar als Wunderkind. Die 180er-Würfe (dreimal ins dreifach-20er-Feld) purzelten noch und nöcher. Den 9-Darter, das perfekte Spiel, schaffte aber niemand während der WM, auch Littler nicht.

Seit November 2025 ist Littler die Nummer 1 der Welt, seit Januar 2025 der jüngste Weltmeister. Seit Gary Anderson 2016 ist er der Erste, der seinen Titel verteidigen konnte. Am 21. Januar wird er, Kampfname „The Nuke“ – „The Duke“ wäre ob seines herrschaftlichen Auftretens aber ebenso passend – endlich 19.

Natürlich kam Littler nicht aus dem Nichts. Angeblich hat er schon im Alter von 18 Monaten die ersten Pfeile geworfen; in den internationalen Profi-Wettbewerb stieg er auch schon früh ein. Mit 16 Jahren war er nach dem 8:5-Finalerfolg über Michael van Gerwen der jüngste Sieger eines TV-Turniers, außerdem gelang ihm als jüngster Spieler ein 9-Darter vor laufenden TV-Kameras. Bei seiner ersten WM startete er gleich bis ins Finale durch, wo er erst von Luke Humphries gebremst wurde. Bei seiner zweiten WM 2025 holte er sich den Titel. Für die WM 2026, die am 11. Dezember 2025 startete, kann man durchaus das Wort „unangefochten“ für ihn gebrauchen. Einzig Ex-Champ Rob Cross konnte ihm im Achtelfinale das Wasser reichen.

Missgunst und Buhrufe

Über das Privatleben des jungen Millionärs und Sportstars ist wenig bekannt. Was man weiß, ist, dass Littler privat eher das Spießige sucht, heißt, enge familiäre Bindungen und eine feste Freundin. Die heißt Faith Millar, eine 19 Jahre [1][alte Kosmetikerin aus Wigan], was nur wenige Kilometer von Littlers Heimat Warrington entfernt liegt. Mit dem Erfolg kommt allerdings auch die Missgunst: Seit Littler Titel gewinnt, muss er sich auch zunehmend mit Anfeindungen auf Social Media auseinandersetzen, nicht alle gönnen ihm die Siege. Und bei der WM hagelte es naturgemäß Buhrufe von den Fans der anderen Kandidat*innen.

Von Zusatzspektakeln wie der jetzt im Anschluss stattfindenden „Promi-WM“, wo Profis mit Prominenten ein Team bilden, hält sich Littler lieber fern. Kohle fließt auch so reichlich für Littler, er muss nicht einmal Werbung für entlegene Spezialistenunternehmen wie maschinenbau.de machen, wie es noch Ex-Weltmeister van Gerwen machen musste. Luke Littlers Bestimmung ist das Pfeilewerfen. Das wird er beim nicht nachlassenden Boom dieses ehemaligen Kneipensports auch noch lange machen können.

4 Jan 2026

[1] https://www.sportsillustrated.de/mehr-sport/darts/luke-littler-und-faith-millar-diese-liebe-trotzt-allen-hass-kommentaren

AUTOREN

René Hamann

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