taz.de -- Lage im Gazastreifen: Israel plant Lizenzentzug für Hilfsorganisationen
Israel will mehreren Hilfsorganisationen zu Jahresbeginn die Zulassung entziehen. Ärzte ohne Grenzen warnt vor schlimmen Folgen, auch die EU übt Kritik.
Bild: Zerstörung in Gaza-Stadt. Israel wirft Ärzte ohne Grenzen vor, zwei Palästinenser mit Verbindungen zu militanten Gruppen zu beschäftigen
afp | Die Europäische Union hat Israel aufgerufen, Hilfsorganisationen weiterhin den Zugang zum [1][Gazastreifen] zu ermöglichen. Das internationale humanitäre Recht sei eindeutig: „Hilfe muss die Bedürftigen erreichen“, erklärte die EU-Kommissarin für Katastrophenschutz und humanitäre Fragen, Hadja Lahbib, am Mittwoch im Onlinedienst X. Sie reagierte damit auf eine Drohung Israels, bestimmten Gruppen die Lizenz zur Arbeit im Gazastreifen zu entziehen. Betroffen sein könnte etwa die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
Das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten hatte am Dienstag erklärt, „Hilfsorganisationen, welche die Anforderungen für Sicherheit und Transparenz nicht erfüllen“, werde die Zulassung für die Arbeit in dem Palästinensergebiet entzogen. Dabei geht es um neue Vorschriften zur Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in den Palästinensergebieten.
Organisationen, die „nicht kooperiert und sich geweigert haben, eine Liste ihrer palästinensischen Mitarbeiter vorzulegen, um jegliche Verbindungen zum Terrorismus auszuschließen“, hätten eine Mitteilung erhalten, wonach ihre Lizenzen zum 1. Januar widerrufen würden, erklärte das Ministerium. Die Organisationen müssten ihre Aktivitäten bis zum 1. März einstellen.
Israel wirft etwa der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) vor, zwei Palästinenser beschäftigt zu haben, die Verbindungen zu militanten palästinensischen Gruppen haben sollen. Trotz wiederholter Aufforderungen habe MSF „keine vollständigen Angaben zur Identität und Rolle dieser Personen gemacht“, erklärte das Ministerium.
Noch immer erreichen viel zu wenige Hilfsgüter den Gazastreifen
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte auf Anfrage von AFP, sie würde „niemals wissentlich Personen beschäftigen, die militärische Aktivitäten ausüben“, da dies „eine Gefahr für unsere Mitarbeiter und unsere Patienten darstellen“ würde.
Das Ministerium versicherte, die Maßnahme werde die Lieferung von Hilfsgütern in den vom Krieg zerstörten Gazastreifen nicht beeinflussen. Weniger als 15 Prozent der Hilfsorganisationen hätten nachweislich gegen die Vorschriften verstoßen.
Die Menge der [2][Hilfsgüter], die in den Gazastreifen gelangen, reicht nach wie vor nicht aus. Während das Waffenruheabkommen vom 10. Oktober die Einfahrt von 600 Lastwagen pro Tag vorsieht, gelangen nach Angaben von NGOs und der UNO tatsächlich täglich nur 100 bis 300 Lastwagen mit Hilfsgütern in das Palästinensergebiet.
31 Dec 2025
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