taz.de -- Nachruf auf Khaleda Zia: Bangladeschs erste Regierungchefin ist tot

Khaleda Zia galt als Ikone des Widerstands, wurde aber auch selbst wegen Korruption verurteilt. Mit ihrem Tod endet eine politische Ära in Bangladesch.

Bild: Bangladeschs erste Premierministerin, Khaleda Zia, ist nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren verstorben

Khaleda Zia schrieb Geschichte, als sie die erste Regierungschefin Bangladeschs wurde. Doch sie sollte auch Zeit ihres politisch aktiven Lebens Rivalin von Sheikh Hasina sein. Jener Frau, die nach ihr die zweite Premierministerin des Landes wurde und [1][heute im indischen Exil lebt]. Die beiden Machtfrauen und ihre Fehde dominierten mehr als drei Jahrzehnte lang die Politik des südasiatischen Landes – bis zu Zias Tod am 30. Dezember in Dhaka.

Ihr Duell, bekannt als „Battle of the Begums“, war geprägt von Zias konservativer Bangladesh Nationalist Party (BNP) und Hasinas säkularer Awami Liga. Wie ihre Gegenspielerin trat Zia stets im traditionellen Sari, meist in hellen Farben, auf und bedeckte damit leicht ihren Kopf. Trotz langjähriger gesundheitlicher Probleme löste ihre Nachricht vom Tod am Dienstag eine Welle von Beileidsbekundungen – und vergleichsweise wenig Kritik – über die Landesgrenzen hinaus aus. Vor dem Krankenhaus versammelten sich Trauernde, die ihr Respekt zollten.

„Aufgrund ihrer kompromisslosen Haltung wurde Zia über Parteigrenzen hinweg bewundert“, sagt die Politikwissenschaftlerin Dil Rowshan Jinnat Ara Nazneen gegenüber der bangladeschischen Zeitung [2][Prothom Alo]. Sie genoss Ansehen, da sie sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen wusste. Führende Politiker:innen aus Indien, wie auch die geflüchtete Hasina, ließen zudem ihr Mitgefühl bekunden.

Zia war nicht nur Politikerin, sondern ein Symbol des Widerstands gegen autoritäre Herrschaft. Nach der Ermordung ihres Mannes, Präsident Ziaur Rahman, 1981 übernahm sie den Vorsitz der von ihm gegründeten BNP und baute sie zur stärksten Oppositionskraft aus. Die Partei unterschied sich klar [3][von der Awami Liga] – nicht nur politisch, sondern auch ideologisch. Rahman war zuvor Armeekommandant.

Ein Symbol des Widerstands – aber selbst korrupt

Ihr Weg an die Macht sollte ein Jahrzehnt dauern, nachdem sie die BNP übernommen hatte. Nach dem Sturz des Militärherrschers Hussain Muhammad Ershad 1990 gewann sie die Wahlen 1991 und regierte bis 1996, ehe sie von 2001 bis 2006 erneut Premierministerin war. Doch schloss die BNP zur Machtsicherung eine Allianz mit radikal-islamischen Kräften nicht aus – jene, die derzeit wieder erstarken.

Der Erfolg kam jedoch nicht ohne weitere Entbehrungen: Zia war mehrfach inhaftiert und politisch umstritten. 2018 wurde sie wegen Korruption verurteilt und verbrachte Jahre in Hausarrest. Im Zuge der politischen Umwälzungen wurde sie unter der Übergangsregierung freigelassen. Bis zu ihrem Lebensende war sie ein Symbol des Widerstands gegen die zunehmend autokratische Herrschaft von Hasina.

Die für den 12. Februar angesetzten Parlamentswahlen, bei denen sie kandidieren wollte und welche die ersten freien seit langer Zeit in Bangladesch sein könnten, wird sie nicht mehr erleben. Doch ihr Erbe wirkt fort. Ihr Sohn und langjähriger politischer Stellvertreter, Tarique Rahman (60), kehrte kurz vor ihrem Tod mit seiner Tochter Zaima aus dem Exil in [4][Großbritannien] zurück.

Rahman verabschiedete sich von seiner Mutter als „Führerin der Nation, kompromisslose Politikerin, Mutter der Demokratie und Mutter Bangladeschs“. „Obwohl ihr Leben von Entbehrungen und Kämpfen geprägt war, war sie zu Hause unsere treueste Beschützerin“, [5][schrieb er auf X]. Rahman könnte die BNP erneut an die Regierungsspitze führen. Gerade da es im Land derzeit wenige Alternativen gibt, stehen die Chancen für ihn gut.

30 Dec 2025

[1] /Bangladeschs-Ex-Regierungschefin/!6130366

[2] https://en.prothomalo.com/bangladesh/politics/b28vyl8o7j

[3] /Unruhen-in-Bangladesch/!6140476

[4] /Wie-New-Wave-in-Sheffield-begann/!6136912

[5] https://x.com/search?q=Khaleda%20Zia%20&src=typed_query

AUTOREN

Natalie Mayroth

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