taz.de -- Nach Widerstand gegen Handelsabkommen: EU meldet Kompromiss bei Mercosur-Agrarimporten
Bei einem Teil des Mercosur-Abkommens gibt es eine Einigung in der EU. Damit soll der Widerstand von Ländern wie Frankreich abgebaut werden.
Bild: Proteste gegen das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den lateinamerikanischen Ländern des Mercosur
rtr | Die EU hat im Streit über das [1][Mercosur]-Handelsabkommen einen Kompromiss bei den Kontrollen von Agrarimporten erzielt. Die Einigung der Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten sieht vor, dass eine Untersuchung eingeleitet wird, wenn die Einfuhrmengen um mehr als acht Prozent pro Jahr steigen, wie die dänische EU-Ratspräsidentschaft am Mittwochabend mitteilte.
Damit liegt der Wert zwischen der Forderung des Parlaments von fünf Prozent und dem Vorschlag der EU-Kommission von zehn Prozent. Zudem verständigten sie sich auf eine Erklärung, die EU-Maßnahmen zur Kontrolle auch in den Mercosur-Ländern, zur Unterstützung der Landwirte und zur Einhaltung von Produktionsstandards bei Pestiziden und Tiergesundheit festlegt.
Mit dem Kompromiss soll der [2][Widerstand von Ländern wie Frankreich] und Italien gegen das geplante Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund abgebaut werden. Beide Länder hatten Bedenken geäußert und fordern zusätzliche Maßnahmen zum Schutz ihrer Landwirte. Die EU und Mercosur hatten die Verhandlungen über das Abkommen nach rund 25 Jahren im vergangenen Dezember abgeschlossen.
Zuvor am Mittwoch hatte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva den Druck erhöht und damit gedroht, das Abkommen während seiner Amtszeit nicht mehr zu unterzeichnen, sollte es jetzt scheitern. Am Donnerstag kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Gipfel in Brüssel zusammen.
18 Dec 2025
LINKS
[1] /Mercosur/!t5295520
[2] /EU-Handelsabkommen-mit-Mercosur/!6138227
Mercosur
Welthandel
Agrarpolitik
ARTIKEL ZUM THEMA
Wirtschaftsbeziehungen mit Südamerika: Mercosur-Abkommen geplatzt
Das Handelsabkommen sollte am Samstag unterzeichnet werden. Daraus wird nun nichts. Von der Leyen peilt den nächsten Versuch für Januar an.
Mercosur-Abkommen mit Südamerika: Übertriebene Kritik
Der Vertrag würde EU-Bauern kaum schaden, Umweltschäden wären überschaubar. Aber er würde der Industrie nutzen – und den Beziehungen mit Südamerika.
EU-Handelsabkommen mit Mercosur: Frankreich schießt quer
Am Samstag will die EU das Freihandelsabkommen mit südamerikanischen Staaten nach 26 Jahren Verhandlungen abschließen. Doch es gibt weiter Kritik.
Mercosur-Deal: Aus der Zeit gefallen
Das Abkommen fokussiert sich zu sehr auf den Freihandel und zu wenig auf Klima- und Umweltschutz. Für einen Neustart ist es noch nicht zu spät.
EU-Mercosur-Abkommen: Klimaschutz ausgehebelt
Ein Klagerecht im Freihandelsabkommen höhle den Green Deal aus, warnen NGOs in einer aktuellen Studie. Die EU-Kommission bereitet Ratifizierung vor.