taz.de -- Israels Krieg im Gazastreifen: Netanjahu ordnet „intensive Angriffe“ an

Ist die Waffenruhe schon wieder Geschichte? Nach Bericht über ein Feuergefecht ordnet Israels Premier neue Angriffe im zerstörten Küstenstreifen an.

Bild: Totengebet für die Leichen nicht identifizierter Palästinenser, die Israel in den Gazastreifen zurückgeschickt hat

dpa | Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Armee angewiesen, sofort „intensive Angriffe“ im Gazastreifen auszuführen. Dies teilte das Büro Netanjahus am frühen Dienstagabend nach einer Sicherheitsberatung des Regierungschefs mit.

Im südlichen Gazastreifen war es zuvor nach einem Medienbericht [1][ungeachtet der Waffenruhe] zu einem Feuergefecht gekommen. Der israelische Armeesender meldete, bewaffnete [2][Mitglieder der Hamas] hätten auf israelische Soldaten geschossen. Nach Angaben palästinensischer Augenzeugen kam es anschließend zu Artilleriebeschuss mehrerer Gebiete im Bereich von Rafah. Alle Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Trotz "Waffenruhe" mehr als 90 Palästinenser getötet

Seit Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas am 10. Oktober [3][im Rahmen des "Friedensplans" von US-Präsident Donald Trump] gab es immer wieder tödliche Zwischenfälle. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bereits mehr als 90 Palästinenser getötet. Vor gut einer Woche wurden zwei israelische Soldaten getötet – nach israelischen Angaben durch einen Angriff mit einer Panzerfaust.

Nach der Übergabe sterblicher Überreste einer bereits beigesetzten Geisel kündigte die Hamas an, eine weitere Leiche auszuhändigen. Diese solle um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MEZ) übergeben werden, hieß es in einer Mitteilung des militärischen Arms der Hamas, der Kassam-Brigaden, auf Telegram. Die Leiche sei in einem Tunnel gefunden worden. Die Übergabe der sterblichen Überreste von Geiseln erfolgte bisher stets über Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Am Montagabend hatte die Hamas erneut sterbliche Überreste übergeben. Forensische Untersuchungen in Israel brachten jedoch ans Licht, dass diese zu einem Israeli gehörten, dessen Leiche die Armee bereits im Herbst 2023 nach Israel gebracht hatte. Dies löste in Israel großen Zorn und Empörung aus. Das war der Anlass für die Sicherheitsberatung Netanjahus, bei der über das weitere Vorgehen beraten werden sollte.

Verzögerung bei Übergabe von Leichen

Im Rahmen des "Friedensplans" von US-Präsident Donald Trump hätte die Hamas bereits vor mehr als zwei Wochen insgesamt 28 Leichen von Geiseln übergeben müssen. 13 Leichen stehen bis jetzt noch aus. Die Hamas erklärt dies mit den schwierigen Bedingungen vor Ort. Nach Medienberichten erwägt Israel nun als Gegenreaktion auf die Verzögerung unter anderem die Ausweitung des Gebiets, das es in dem Küstenstreifen noch kontrolliert.

28 Oct 2025

[1] /Nach-neuer-Gewalt-in-Gaza/!6121889

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