taz.de -- Eierspeisen: Das gute alte Vegas
Schon seit 1979 gibt es das Omelet House in Downtown Las Vegas. Zwischen Pancakes und Brownies zeigt sich die Kasinostadt von einer anderen Seite.
Bild: Im Omelet House ist (fast) alles beim Alten geblieben
Las Vegas hat ja auch [1][eine ganz normale Bevölkerung]. Das kann leicht vergessen, wer sich nur auf dem Strip bewegt, dem Las Vegas Boulevard mit seinen Turmhotels, Kasinoschlössern und Shoppingmalls, den kitschigsten Wasserfontänen der Welt und den To-go-Alkoholstationen. Sofort einleuchten wird dieser Umstand aber, wenn man an die zahllosen Bediensteten denkt, die [2][diesen Vergnügungsbetrieb] am Laufen halten.
Man ahnt es auch, wenn man die alte, ursprüngliche Amüsiermeile der Stadt besucht, die Fremont Street. Hier sind heute einige der günstigeren Hotels untergebracht, mit eher lokalen als internationalen Touristinnen und Touristen, rundum liegen Wohn- und Geschäftshäuser.
Etwa zwischen beiden Sphären, mit Tendenz zum alten Downtown, steht seit 1979 das Omelet House. Es ist eines dieser ganztägigen US-amerikanischen Frühstückslokale, wie es irgendwie sehr gut in dieses ältere Vegas passt. Eine gewisse Berühmtheit über die lokale Bevölkerung hinaus erlangte es durch eine 2017 hier gedrehte Folge von Jerry Seinfelds Interview-Serie „Comedians in Cars getting Coffee“ – mit Jerry Lewis, der seinen jüngeren Kollegen [3][in das Stammlokal seiner Heimatstadt ausführte].
Einige Jahre später sind wir nun dort, und es sieht exakt so aus wie im Fernsehen, wo es vermutlich auch schon ausschaute wie vor vierzig Jahren. Das Konzept des Frühstückslokals als Beständigkeitsanker ist schon eine gute Ironie für Europäer, die gerne behaupten, alles drüben sei immerzu neu oder lächerlich rasant.
An unserem Besuchstag verirren sich kaum Touristen in den schmucklos braunen Flachdachbungalow am Charleston Boulevard; gut besucht ist er trotzdem. Draußen verkaufen Pfadfinder Popcornpackungen. Drinnen fällt das Licht schummrig durch farbenfrohes Tiffany-Glas. Über den Holzpaneelen ein Wandpanorama, das [4][Bob Ross zu Ehren] gereichen würde, mit See, Bergen und Nadelbäumen am Ufer, Adler überm Wasser, die Sonne scheint pink und gelb durch die Wolken.
Das Essen ist gut, beinahe zu reichlich
Das so lässig wie produktiv im Schaukelstuhl ein Ei legende Huhn aus dem Restaurantlogo setzt die Stimmung: Anheimelnd schaut es hier aus, der Takt ist amerikanisch und der Service im besten Sinne auch. Rasch werden Speisekarten verteilt, das berühmte gechlorte Gratis-Trinkwasser eingeschenkt und Kaffeetassen nachgefüllt. Das Essen ist sehr gut, natürlich beinahe zu reichlich.
Wie in vielen klassischen Frühstück-Diners dominieren britische und mexikanische Einflüsse, neben Pancakes gibt es zentimeterdick bestrichene Thunfisch-Sandwiches mit Sellerie, Bacon & Eggs oder Huevos Rancheros mit grüner Chilisauce, dazu gesalzene Chips, gestapelt bis über den Tellerrand.
Ein Wahnsinniger an unserem Tisch bestellt präventiv noch den hausgebackenen Brownie, schon ahnend, dass dafür kaum Platz bleiben wird. Die titelgebenden Omeletts sind in allen Variationen zu haben, neben dem extravaganten „Flatlander Special“ mit Leber, Erdnussbutter, Bio-Jelly Beans, Grunion-Fisch und Minz-Eis für 69 US-Dollar (Zielgruppe: wohl ahnungslose Food-Influencer von auswärts) auch in ernst gemeinten Kombinationen mit Spinat, Hummer, Avocado, Cheddar oder Speck für bezahlbarere 17 bis 20 Dollar.
Nach dem Essen lässt sich noch gut die Umgebung erkunden. Nicht weit entfernt vom Omelet House befinden sich einige bemerkenswerte Museen, darunter eines mit ausrangierten Neon-Schildern, eines über die Mafiageschichte der Stadt und eines, das sich den einstigen [5][Atomwaffentests in der Wüste von Nevada] widmet. Noch so eine Sache, die wohl eher wenige Reisende von Las Vegas erwarten.
4 Jan 2026
LINKS
[1] /Wie-in-Las-Vegas-erfolgreich-der-Wassermangel-bekaempft-wird/!6127391
[2] /Siegfried-und-Joy-ueber-Magie/!5941531
[3] https://www.youtube.com/watch?v=0vUka_0RGQQ
[4] /Die-Wahrheit/!6074853
[5] /Friedensforscher-zu-Atomwaffentests/!6125654
AUTOREN
Katharina J. Cichosch
Las Vegas
Restaurantkritik
Restaurant
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