taz.de -- Supreme Court verschiebt Entscheidung: Fed-Gouverneurin Lisa Cook darf vorerst im Amt bleiben

Trump hatte die Gouverneurin der Fed, Lisa Cook, im August wegen angeblich krummer Geschäfte gefeuert. Der Supreme Court lässt sie vorerst im Amt.

Bild: Lisa Cook, Mitglied des Gouverneursrats der US-Notenbank, im Juni 2025

Washingtontaz | Der amerikanische Supreme Court soll entscheiden, ob US-Präsident Donald Trump die Autorität besitzt, ein Mitglied des Zentralbank-Führungsgremiums mit sofortiger Wirkung zu entlassen. Diese Entscheidung wurde nun auf das kommende Jahr vertagt. Dies verkündete der Oberste Gerichtshof am Mittwoch. Die Richter würden den Fall erst im Januar anhören. Eine Entscheidung soll dann gegen Ende Juni fallen.

Der Fall um die Gouverneurin der Federal Reserve (Fed), Lisa Cook, hat in den vergangenen Wochen für viel Aufsehen gesorgt. [1][Trump feuerte Cook,] die von Ex-Präsident Joe Biden ins Amt berufen wurde, Ende August. Grund für die Entlassung waren laut der Trump-Regierung angeblich krumme Immobiliengeschäfte, in die Cook verwickelt gewesen sein soll. Der von Trump ernannte Direktor der Bundesagentur für Immobilienfinanzen, Bill Pulte, warf Cook vor, vorsätzlich falsche Angaben gemacht zu haben, um bessere Darlehenskonditionen zu erschleichen.

„Einfach ausgedrückt: Der Präsident kann vernünftigerweise entscheiden, dass die Zinssätze, die das amerikanische Volk zahlt, nicht von einer Gouverneurin festgelegt werden sollte, die offenbar gelogen hat“, erklärte Generalstaatsanwalt D. John Sauer in einem Schreiben an den Supreme Court.

Die 61-jährige Ökonomin bestreitet die Vorwürfe und klagte gegen ihre Entlassung. Eine erste Instanz gab Cook Recht. Die jetzige Entscheidung des Supreme Courts bedeutet, dass Cook zumindest bis Jahresende ihre Position als Gouverneurin im siebenköpfigen Führungsgremium der Federal Reserve beibehalten wird.

Supreme Court entscheidet selten gegen Trump

„Präsident Trump hat Lisa Cook rechtmäßig und aus gutem Grund aus dem Gouverneursrat der Federal Reserve entlassen. Wir freuen uns auf den endgültigen Sieg, nachdem wir im Januar unsere mündlichen Argumente vor dem Obersten Gerichtshof vorgetragen haben“, sagte Kush Desai, ein Pressesprecher des Weißen Hauses, in einer Stellungnahme.

Laut Gesetz ist es dem US-Präsidenten untersagt, Fed-Gouverneure zu entlassen, außer es gibt dafür einen triftigen Grund. Was darunter genau zu verstehen ist, ist nicht genau definiert.

Trump selbst hat sich bisher nicht öffentlich geäußert. Cooks Anwälte begrüßten die Entscheidung der Supreme-Court-Richter, die es ihrer Mandantin erlauben würde, „zu Recht ihre Rolle im Federal Reserve Board fortzusetzen“.

Es ist einer der wenigen Fälle bisher, in denen der mehrheitlich konservative Supreme Court eine Entscheidung zuungunsten des US-Präsidenten getroffen hat.

Trump hat seit seinem Amtsantritt im Januar die US-Zentralbank und deren Vorsitzenden, Jerome Powell, immer wieder stark kritisiert. Laut dem Präsidenten würde die Federal Reserve nicht schnell genug handeln und damit der US-Wirtschaft und der Bevölkerung schaden.

Angriffe auf Unabhängigkeit von Behörden

Die Entlassung von Cook wurde von Kritikern deshalb als Versuch gewertet, das Führungsgremium der Zentralbank nach den Vorstellungen des Präsidenten umzugestalten und mit loyalen Personen zu besetzen. Im vergangenen Monat stimmte das Führungsgremium der Zentralbank dafür, [2][den Leitzins um 0,25 Prozent zu senken]. Auch Cook stimmte dafür.

Präsident Trump und seine Regierung haben in den vergangenen Monaten die Unabhängigkeit von mehreren Behörden innerhalb des amerikanischen Regierungsapparates angegriffen und auch Personalentscheidungen getroffen.

[3][Den Vorwurf des Immobilienbetrugs] erhebt die Regierung auch gegen Trump-Gegner wie die Justizministerin des Bundesstaates New York, Letitia James, oder den kalifornischen Senator Adam Schiff.

2 Oct 2025

[1] /Machtkampf-zwischen-Praesident-und-Fed/!6106416

[2] /Oekonomin-Leah-Downey/!6111256

[3] /Vorgeschobener-Konflikt/!6103660

AUTOREN

Hansjürgen Mai

TAGS

Federal Reserve

Schwerpunkt USA unter Trump

Supreme Court

Donald Trump

GNS

ARTIKEL ZUM THEMA

US-Justiz geht gegen Fed vor: Die Unabhängigkeit der US-Notenbank steht auf dem Spiel

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und der Fed eskaliert. Das Justizministerium lädt die Behörde vor. Das kritisieren auch Republikaner.

Druck auf Federal Reserve: Trump-Regierung droht Notenbank-Chef Powell mit Anklage

US-Präsident Donald Trump greift die Fed seit Monaten an. Jetzt geht die Justiz gegen den Chef der unabhängigen Notenbank vor.

Trumps Niederlage in der Zinspolitik: Sieg gegen Rumpelstilzchen

Die Mini-Zinssenkung zeigt: Trump hat noch nicht die totale Macht, denn der wollte weiter runter. Das gibt Anlass für Hoffnung.

Geldpolitik in den USA: Fed senkt den Leitzins um Minispanne

Die US-Notenbank reagiert auf die Arbeitsmarktprobleme und signalisiert den Beginn einer möglichen Wende. Politischer Druck verschärft das Dilemma.

Nach Entlassung durch Trump: Ökonomen stellen sich hinter Fed-Gouverneurin Cook

US-Präsident Trump will die Ökonomin feuern. Nobelpreisträger wie Claudia Goldin, Joseph Stiglitz und Paul Romer betonen die Unabhängigkeit der Fed.

Proxied content from gemini://taz.de/%216117398 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216117398
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.