taz.de -- Energiewende: Erneuerbare decken 57 Prozent des Stromverbrauchs
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien deckt wieder mehr als die Hälfte des Bedarfs. Nun legen Branchenverbände neue Zahlen vor.
Bild: Hier wird viel Strom produziert: Windanlagen in Brandenburg
Berlindpa | Erneuerbare Energien vor allem aus Wind und Sonne decken inzwischen fast 57 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Dieser Anteil in den ersten drei Quartalen liegt nach Angaben von Branchenverbänden auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum. Die Erzeugung von Solarstrom stieg demnach um knapp ein Viertel.
Die Stromerzeugung von Windrädern an Land sank um zwölf Prozent. Grund sei ein windschwaches erstes Quartal gewesen, wie vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des [1][Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)] zeigen.
Die sogenannte Bruttostromerzeugung lag demnach um 0,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Daran hatten Braun- und Steinkohlekraftwerke einen Anteil von zusammen etwas mehr als 20 Prozent, Gaskraftwerke kamen auf einen Anteil von rund 16 Prozent.
Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) strebt einen [2][Kurswechsel in der Energiewende] an. Sie rechnet mit einem [3][weniger starken Anstieg des Stromverbrauchs] in den kommenden Jahren. Das könnte Folgen für den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie des Stromnetzes haben. Um Kosten zu senken, plant Reiche außerdem, zum Beispiel die staatliche Förderung für neue, kleine Solaranlagen auf dem Dach zu streichen.
Das ist allerdings in der Koalition noch keine beschlossene Sache. Am Ziel, den Anteil des Ökostroms bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern, hält Reiche fest. Um die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen, plant die Regierung im Zuge des schrittweisen Kohleausstiegs eine staatliche Förderung für den Bau neuer Gaskraftwerke.
30 Sep 2025
LINKS
[1] https://www.bdew.de/presse/transformation-ist-jedoch-nicht-zum-nulltarif-zu-haben/
[2] /Studie-von-Oekonomin-Claudia-Kemfert/!6111543
[3] /Abwuergen-der-Energiewende/!6114763
Schwerpunkt Klimawandel
Erneuerbare Energien
Windkraft
ARTIKEL ZUM THEMA
Erneuerbare Energien: Engpässe im Stromnetz nicht mehr ganz so teuer
Ein Grund war das schwache Windjahr 2025. Zugleich müssen immer mehr Photovoltaikanlagen zeitweise abgeschaltet werden.
Gebremstes Wachstum bei Erneuerbaren: Trotzdem nicht aufzuhalten
Die Erneuerbaren sind nicht aufzuhalten. Aber Katherina Reiche sollte jetzt besonders auf die Finger geschaut werden.
Studie von Ökonomin Claudia Kemfert: Klimaschutz zahlt sich richtig aus
Jeder Euro, der in Schritte gegen die Klimakrise fließt, bringt der Volkswirtschaft zwischen 1,8 und 4,8 Euro. Das zeigt eine Studie des DIW Berlin.
Grüner über Energiepolitik: „Die Ministerin ist das Problem“
Die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche könnten die Energiewende abwürgen, warnt der ehemalige Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner.
Vulnerable Stromnetze: „Wir müssen Resilienz von Anfang an mitdenken“
Der tagelange Blackout war für ihn ein Fingerzeig: Die Stromnetze sollten „inselfähig“ werden, fordert Philipp Blechinger vom Reiner Lemoine Institut.