taz.de -- Handelsstreit zwischen USA und Brasilien: Trump verhängt Zölle von 50 Prozent

Der US-Präsident will mit einem ungewöhnlich hohen Zoll gegen Brasilien den linken Regierungschef Lula treffen. Der droht mit Gegenmaßnahmen.

Bild: Der brasilianische Präsident Lula will mit Gegenmaßnahmen auf Trumps Zollattacke reagieren

Washington/Brasiliartr | Der US-amerikanische [1][Präsident Donald Trump] wendet sich mit seiner Politik der Strafzölle auch gegen Südamerikas größte Volkswirtschaft Brasilien und bringt beide Länder an den Rand eines Handelskriegs. Trump kündigte am Mittwochabend einen selbst für seine Verhältnisse ungewöhnlich hohen Strafzoll von 50 Prozent auf Importe aus Brasilien ab 1. August an und verband dies mit einer persönlichen Fehde gegen dessen [2][Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva]. Dieser hatte Trump bereits vorgeworfen, sich als „Imperator“ aufzuführen und drohte nun mit Vergeltungsschritten.

Die brasilianische Währung Real fiel daraufhin um mehr als zwei Prozent gegenüber dem Dollar. Die Aktienkurse des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer und des Ölkonzerns Petrobras gaben nach.

Für Brasilien sind die USA der zweitgrößte Handelspartner nach China. Für die USA steht Brasilien zwar erst an 15. Stelle, ist aber ein wichtiger Lieferant etwa von Kaffee und Orangensaft. Zu den wichtigen Gütern aus Brasilien zählen Rohöl und Eisenerzprodukte. Die USA erzielten nach Angaben ihres Statistikamtes 2024 einen Handelsüberschuss von 7,4 Milliarden Dollar mit Brasilien. Das gesamte Handelsvolumen belief sich auf 92 Milliarden Dollar.

Trump äußerte sich erneut lobend über den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, den Rivalen des linksgerichteten Lula. Bolsonaro steht in Brasilien wegen des Vorwurfs eines versuchten Staatsstreichs vor Gericht. Trump erklärte in einem Schreiben, der Zoll sei eine Vergeltung für „heimtückische Angriffe Brasiliens auf freie Wahlen“.

Lula droht mit Gegenmaßnahmen

Dem vorausgegangen war ein Streit am Sonntag, [3][als Trump den Gipfel der BRICS-Gruppe aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in Rio de Janeiro kritisierte]. Lula sagte dann am Montag, als er zu Trumps Zolldrohungen gefragt wurde: „Die Welt hat sich verändert. Wir wollen keinen Imperator.“ Die Nationen seien souverän. „Wenn er glaubt, dass er Zölle erheben kann, haben andere Länder das Recht, ebenfalls Zölle zu erheben.“

Bolsonaro war von 2019 bis 2022 im Amt, ehe er in einer Stichwahl knapp gegen Lula unterlag. Der Bundespolizei zufolge soll Bolsonaro versucht haben, das Militär nach seiner Wahlniederlage 2022 zu einem Putsch anzustiften. Bolsonaro soll auch für den Plan eines Staatsstreichs verantwortlich sein, mit dem Lula an der Übernahme des Amtes gehindert werden sollte.

Lula drohte Trump am Mittwochabend mit Gegenmaßnahmen. Jede einseitige Anhebung von Zöllen werde nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit beantwortet. „Souveränität, Respekt und die unerschütterliche Verteidigung der Interessen des brasilianischen Volkes sind die Werte, die unsere Beziehung zur Welt leiten“, schrieb Lula in einem Social-Media-Post nach einer Krisensitzung mit Regierungsmitgliedern.

Erhebliche Auswirkungen auf Verbraucher

Die brasilianische Lebensmittelindustrie erwartet für US-Verbraucher erhebliche Auswirkungen des Strafzolls. Der Kaffee-Exporteurverband Cecafé erklärte, die Last würden US-Konsumenten tragen. Der Verband der Exporteure von Zitrusfrüchten, CitrusBR, erklärte, die Maßnahme treffe auch die US-Saftindustrie. Der Rindfleischverband Abiec sprach von einem Hindernis für den internationalen Handel. Brasilien ist der weltgrößte Kaffeeproduzent und liefert rund ein Drittel des in den USA konsumierten Kaffees. Zudem stammt mehr als die Hälfte des in den USA verkauften Orangensafts aus dem südamerikanischen Land.

Der von Trump angekündigte Strafzoll von 50 Prozent auf alle Kupferimporte soll am 1. August in Kraft treten. Das teilt Trump in einem Social-Media-Post mit. Trump hatte den Zoll am Dienstag angekündigt. Daraufhin war der Preis für Kupfer in den USA stark gestiegen. Er lag zuletzt rund ein Viertel über dem an der für den Weltmarkt wichtigen Londoner Börse.

10 Jul 2025

[1] /Trumps-Zoll-Psychospiele/!6096034

[2] /Luiz-Inacio-Lula-da-Silva/!t5030106

[3] /Trumps-Drohung-gegen-Brics-Staaten/!6098555

TAGS

Donald Trump

Schwerpunkt USA unter Trump

Brasilien

Luiz Inácio Lula da Silva

Zölle

ARTIKEL ZUM THEMA

Verhältnis zwischen USA und Brasilien: Von Lula lernen

Der Konflikt zwischen den USA und Brasilien geht über die Handelspolitik hinaus. Doch Präsident Lula da Silva zeigt sich trotzdem gesprächsbereit.

Fairtrade steigert Umsatz: Kaffee weiter vorne

Trotz globaler Herausforderungen vermeldet der faire Handel wachsende Umsätze. Den Herstellern drohen allerdings weitere Wettbewerbsnachteile.

Oberstes Gericht in Brasilien: Ex-Präsident Bolsonaro muss Fußfesseln tragen

Jair Bolsonaro, derzeit wegen eines Putschversuchs angeklagt, steht nun zudem unter nächtlichem Hausarrest. Richter Alexandre de Moraes begründet dies mit Fluchtgefahr und wird prompt sein US-Visum los.

Weniger US-Diplomaten: Außenministerium entlässt mehr als 1.300 Mitarbeiter

Die Entlassungen sind Teil einer weitreichenden Umstrukturierung von Präsident Donald Trump. Der Personalabbau sei „umsichtig“ gestaltet worden.

Trumps Zoll-Psychospiele: Der ewige Schulrüpel

Noch bleibt Europa von Trumps Zollvorhaben verschont. Die EU sollte sich nicht in die Defensive jagen lassen. Denn auch für die USA könnte es teuer werden.

Erhöhung des US-Einfuhrzolls: Japan und Südkorea reagieren gelassen auf Trumps Drohungen

Trotz markiger Drohungen erhalten Japan und Südkorea drei Wochen mehr Zeit, ein neues Zollabkommen mit den USA auszuhandeln.

US-Präsident verschickt Zoll-Briefe: Trump verlängert Frist für die Europäische Union

US-Präsident Donald Trump gibt der EU im Zollstreit Zeit bis zum 1. August für einen Deal. Für 14 Länder verkündet er hohe Aufschläge auf Importe.

Proxied content from gemini://taz.de/%216100281 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216100281
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.