taz.de -- Mögliches Treffen Selenskyj und Putin: Ein Waffenstillstand wäre schon viel

Putin hat sich mit der Idee eines Istanbul-Treffens selbst eine Falle gestellt. Es ist gut, dass die Ukraine zu einem Gespräch bereit ist.

Bild: Hat das Treffen mit Wolodymyr Selenskyj in Istanbul vorgeschlagen: Der russische Präsident Wladimir Putin

Das hat sich Putin sicherlich anders vorgestellt. Nur wenige Stunden nach seinem Angebot zu direkten russisch-ukrainischen Gesprächen am Donnerstag in Istanbul [3][hat Selenskyj Putin beim Wort genommen und postwendend seine Reise nach Istanbul angekündigt]. Liebend gerne hätte Putin dem ukrainischen Präsidenten den schwarzen Peter für gescheiterte Gespräche zugeschoben.

Es ist kaum anzunehmen, dass Putin dieses Treffen in Istanbul wirklich will. Zu viel kann er dabei verlieren. Er, der Selenskyj immer wieder als eine vom Westen gesteuerte Marionette ohne Legitimation dargestellt hat, muss Selenskyj nun auf Augenhöhe begegnen. Und er wird sich einer internationalen Presse stellen müssen, die nicht so wohlwollende Fragen stellen wird wie die einheimischen Medienvertreter in Moskau.

In Istanbul wird Putin Öffentlichkeit und Presse nicht im Griff haben. Doch nun muss er wohl oder übel den von ihm selbst vorgeschlagenen Termin wahrnehmen. Seine Bündnispartner in Asien und anderen Kontinenten würden für eine Absage an das von ihm angeregte Treffen in Istanbul keinerlei Verständnis aufbringen.

Es ist gut, dass die ukrainische Führung zu diesem Gespräch in Istanbul bereit ist; sie ist damit in mehrerlei Hinsicht über ihren eigenen Schatten gesprungen. Nun gibt es russische Forderungen, auf die die Ukraine nicht eingehen kann: Sie kann nicht, wie von Russland gefordert, einfach Städte wie beispielsweise Saporischschja den Russen schenken.

Die Forderung Russlands hingegen, die Diskriminierung der russischen Sprache in der Ukraine zu beenden, verdient durchaus Beachtung. Es kann nicht sein, dass, wie im April in Kyjiw geschehen, Teenager zum Inlandsgeheimdienst SBU vorgeladen werden, nur weil sie auf der Straße russischsprachige Musik gehört haben.

Viel wird [4][in Istanbul nicht herauskommen]. Aber wenn das „nur“ ein Waffenstillstand ist, ist das viel. Mehr wird es nicht geben. Aber Istanbul sollte der Beginn eines Prozesses werden. Wenn es aber zu diesem Treffen nicht kommen wird, wird der Krieg in eine noch heißere Phase treten.

12 May 2025

[3] /-Nachrichten-im-Ukraine-Krieg-/!6087527

[4] /Putins-Verhandlungsangebot-an-Ukraine/!6087459

AUTOREN

Bernhard Clasen

TAGS

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Wolodymyr Selenskyj

Wladimir Putin

ARTIKEL ZUM THEMA

Verhandlungen über Ukraine-Krieg: Verwirrung in Istanbul

Platzt das Treffen zwischen Russland und der Ukraine? Unklare Signale von Putin und Selenskyj.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Selenskyj nimmt nicht an Gesprächen mit Russland in Istanbul teil

Nach dem Treffen mit Erdogan schickt Selenskyj Verteidigungsminister Umjerow zu den Verhandlungen nach Istanbul. Trump schließt Teilnahme am Freitag nicht aus.

+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Selenskyj will Putin in Istanbul treffen

Der ukrainische Präsident Selenskyj will zu Gesprächen mit Russland in die Türkei reisen und beharrt auf eine Waffenruhe. Putin reagiert bisher nicht.

Krieg in der Ukraine: Putin schlägt Kyjiw direkte Gespräche in kommender Woche vor

Kyjiw fordert von Moskau eine 30-tägige Waffenruhe ab Montag. Doch Putin macht einen Gegenvorschlag. Am 15. Mai soll es ein Treffen in Istanbul geben.

Vereinbarung mit den USA: Ukraine stimmt für Rohstoffdeal

Das ukrainische Parlament hat das Abkommen einstimmig angenommen. Damit erhält ein gemeinsamer Fonds umfangreiche Rechte zum Abbau von Bodenschätzen.

Proxied content from gemini://taz.de/%216084508 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216084508
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.