taz.de -- Feuerzeugflug in der Bundesliga: Allerlei Gebrauchtes

Mainz schlägt die Bayern mit Toren. Ein Fan Union Berlin trifft den Bochumer Torwart am Kopf. Ein gebrauchter Spieltag in der Fußball-Bundesliga.

Bild: Der vom Feuerzeug Getroffene: Bochums Torwart Patrick Drewes

In einer gerechten Fußballwelt wäre [1][Jae-sung Lee] der Star des Spieltags, der offensive Mainzer Mittelfeldspieler also, der mit seinen beiden Toren den Bayern das bescherte, was Kommentatoren gern als „gebrauchten Nachmittag“ bezeichnen.

Ist sie aber nicht, die Fußballwelt, also gerecht, und deswegen gehörten die Schlagzeilen einem nicht sehr ansehnlichen weißen Feuerzeug mit leidlich farbenfrohem Aufdruck. Das, am Samstagnachmittag geworfen von einem offenkundigen Trottel mit bedauerlich gutem Zielvermögen, den Bochumer Torwart Patrick Drewes während der Nachspielzeit des Spiels bei Union Berlin am Kopf traf.

Nach vielen Minuten [2][voller Regeldiskussionen] – der VfL konnte nicht mehr auswechseln – wurde schließlich wieder angepfiffen, aber nicht mehr gespielt. Die beiden Vereine Union Berlin und VfL Bochum hatten sich zuvor darauf geeinigt, keine ernsthaften Versuche zu unternehmen, doch noch zu gewinnen, was allen Ernstes als Bundesligapremiere gefeiert wurde.

Unangenehm, deprimierend, unschön

Womit wir zu den gebrauchten Nachmittagen kommen, die immer dann beklagt werden, wenn ein Verein nicht das tut, was von ihm erwartet wird, nämlich gewinnen. Das wirft gleich mehrere Fragen auf. Warum das Wort „gebraucht“ in Fußballkreisen ohne Weiteres als Synonym für unangenehm, deprimierend, unschön akzeptiert wird, zum Beispiel.

Gut, kann natürlich sein, dass man in diesen Kreisen niemals freiwillig einen Second-Hand-Laden betreten würde, aber, aaaber: Warum gibt es dann keine gebrauchten Abende? Vereine verlieren streng genommen nämlich nicht nur nachmittags überraschend, sondern schaffen das erfahrungsgemäß rund um die Uhr mit Leichtigkeit. Und außerdem werden weder Nachmittage noch Abende recycelt, sondern immer wieder neu ausgeliefert. Nur nicht in der Welt des Fußballs, wo sowohl bei Bayern als auch bei Union unerschütterlich gebrauchte Nachmittage diagnostiziert wurden.

Für die Berliner könnte das noch nicht alles gewesen sein, denn Bochum erklärte bereits, Einspruch einlegen zu wollen. Ob dem VfL am Ende die Punkte zugesprochen werden, ist allerdings unklar. Vielleicht muss Union bloß eine Geldstrafe bezahlen oder bei einem der nächsten Spiele auf Zuschauer verzichten.

Soweit die gebrauchten Nachmittage – Jae-sung Lee hatte dagegen einen ausgesprochen schönen. „Ja, wir können gewinnen“, hatte der 32-Jährige vor dem Match gegen die Bayern gesagt, das [3][in einer Zeitung übrigens vorab] als wahrscheinliche „Partie des Horrors“ für die Mainzer bezeichnet worden war.

15 Dec 2024

[1] https://www.transfermarkt.com/jae-sung-lee/profil/spieler/314398

[2] https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/news/1-fc-union-berlin-vfl-bochum-patrick-drewes-feuerzeug-protest-30089

[3] https://www.fr.de/sport/fussball/bayern-koennen-kommen-mainz-05-die-93467596.html

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Elke Wittich

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