taz.de -- Parteitag der US-Demokraten: „Zwischen Demokratie und Tyrannei“

Kamala Harris nimmt die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin an. Bei ihrer Rede warnt sie vor Trump und sichert der Ukraine Unterstützung zu.

Bild: Hat derzeit gut lachen: Die demokratische Kandidatin für die Präsidentschaftswahl, Kamala Harris

Chicagortr | Kamala Harris hat zum Abschluss des Parteitags der US-Demokraten ihre Nominierung als Präsidentschaftskandidatin angenommen. Sie wolle eine Präsidentin für alle sein, sagte sie am Donnerstag vor der Menge im United Center in Chicago. „Ihr könnt mir immer vertrauen, dass ich das Wohl des Landes über die Interessen der Partei und mich selbst stellen werde.“

Die 23.500 Delegierten feierten die möglicherweise [1][erste schwarze und südasiatische Frau an der Spitze der größten Volkswirtschaft der Welt], ihre Rede wurde immer wieder von Sprechchören und Applaus unterbrochen. Harris dankte US-Präsident Joe Biden, der erst vor wenigen Wochen mit seinem Verzicht auf eine zweite Amtszeit den Weg für seine Vizepräsidentin frei gemacht hatte.

Harris versprach einen neuen Weg nach vorn. Sie warnte vor Konsequenzen, sollte Konkurrent Donald Trump von den Republikanern gewinnen. „Im Kampf zwischen Demokratie und Tyrannei weiß ich, wo ich stehe und ich weiß, wohin die Vereinigten Staaten gehören.“

[2][Trump warf sie vor, sich Diktatoren zu beugen.] Die Konsequenzen, sollte er erneut in das Weiße Haus einziehen, seien ernst. Sie hingegen wolle sich für die Mittelschicht einsetzen und Steuersenkungen durchsetzen, davon sollen 100 Millionen Amerikaner profitieren. Die Stärkung der Mittelschicht sei ein entscheidendes Ziel ihrer Präsidentschaft.

Unterstützung für Ukraine und Nato

Harris gab sich kämpferisch. Allerdings sind Details ihres Wahlprogramms immer noch offen. Die Wahl selbst wird am 5. November stattfinden. Harris wolle sich für Frieden im Gazastreifen einsetzen, Israel habe das Recht auf Selbstverteidigung. Was in den letzten zehn Monaten seit Beginn des Gazakrieges Anfang Oktober 2023 jedoch passiert sei, sei erschütternd.

„Präsident Biden und ich arbeiteten daran, diesen Krieg zu beenden, für die Sicherheit Israels, die Freilassung der Geiseln, das Ende des Leids im Gazastreifen und das Recht des palästinensischen Volkes auf Würde, Sicherheit, Freiheit und Selbstbestimmung.“ Der Ukraine und der Nato sagte sie ihre Unterstützung zu.

Harris tritt mit [3][Tim Walz als Kandidaten für das Vizeamt] an. Der bis vor zwei Wochen über seinen Bundesstaat hinaus wenig bekannte Gouverneur von Minnesota hatte seine Nominierung am Mittwoch angenommen. Der 60-Jährige sprach von der Ehre seines Lebens.

Die 59-jährige Harris hat dem Wahlkampf der Demokraten seit dem Rückzug des 81-jährigen Biden neuen Schwung verliehen. Sie sammelte gut 500 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden ein. In Umfragen holte sie gegenüber Trump auf oder schob sich sogar an ihm vorbei. Landesweit liegt sie Erhebungen von FiveThirtyEight mit 46,6 Prozent vor Trump, der auf 43,8 Prozent käme. Mit dem Abschluss des Parteitages und ihrer Rede läutet Harris die heiße Wahlkampf-Schlussphase bis zum Wahltag ein.

23 Aug 2024

[1] /US-Praesidentschaftskandidatur-von-Harris/!6028481

[2] /Der-Rechtsruck-und-die-Arbeiterklasse/!6028403

[3] /Parteitag-der-US-Demokraten/!6031822

TAGS

Tim Walz

US-Wahl 2024

Kamala Harris

US-Demokraten

Chicago

ARTIKEL ZUM THEMA

US-Demokraten: Aus Hoffnung kann Zauber werden

Niemand kann vorhersagen, ob es wirklich klappt mit Kamala Harris als erster US-Präsidentin. Doch der Verzicht von Joe Biden hat Energien freigesetzt.

Parteitag der US-Demokraten: Eine, die für alle da sein will

Mit einer Rede von Kamala Harris endet der Nominierungsparteitag der Demokraten. Sie warnt vor Trump und gibt sich siegesgewiss.

Antisemitismus bei US-Gaza-Protesten: Welt ohne Israel gewünscht

Auf Palästina-Demos beim demokratischen Parteitag wird ein Ende der US-Unterstützung gefordert. Klarer kann man sich ein wehrloses Israel nicht wünschen.

US-Präsidentschaftskandidatur von Harris: Die Zeit ist reif

Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris gewinnt gerade die Gunst der Frauen. Sie soll einen alten Traum wahr machen: eine Frau im Weißen Haus.

Gaza-Proteste bei Demokraten-Parteitag: Willkommene Konsensstörung

Die US-Demokraten wollen das Thema Nahost auf ihrem Parteitag totschweigen. Doch der propalästinensische Protest in Chicago baut wichtigen Druck auf.

Proxied content from gemini://taz.de/%216031958 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%216031958
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.