taz.de -- US-Notenbankchef Jerome Powell: Zinssenkungen sind in Aussicht

Um die Inflation zu beschränken, hält die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins oben. Bald soll er aber wieder fallen, so Fed-Chef Jerome Powell.

Bild: Händ­le­r:in­nen lauschen US-Notenbankchef Jerome Powell, der den Leitzins auf hohem Niveau belässt (20. 03. 2024, New York)

Washingtondpa | Die [1][US-Notenbank Fed] stellt weiterhin Zinssenkungen in diesem Jahr in Aussicht – hält sich aber beim Zeitplan alle Optionen offen. Die Notenbank beließ ihren Leitzins am Mittwoch auf hohem Niveau in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen. Der Leitzins bleibt damit so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Angesichts der hartnäckigen Inflation legte sich Fed-Chef Jerome Powell in seiner Pressekonferenz nicht darauf fest, wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um an der Zinsschraube zu drehen.

„Die Inflation ist deutlich zurückgegangen, während der Arbeitsmarkt stark geblieben ist, und das sind sehr gute Nachrichten“, sagte Powell. Die wirtschaftlichen Aussichten seien jedoch ungewiss. Er machte gleichzeitig deutlich, dass der Leitzins aktuell wohl seinen Höchststand erreicht habe. Die Entscheider der Fed rechnen für dieses Jahr im Mittel wie bei ihrer letzten Schätzung im Dezember mit einem Leitzins von 4,6 Prozent. Das deutet auf drei Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten in diesem Jahr hin.

Powell ließ offen, wann die Fed damit beginnen wird, die Zinsen zu senken. „Wir treffen unsere Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung“, sagte er. Die neuen Wirtschaftsdaten der Notenbank der größten Volkswirtschaft der Welt dürften den Druck auf die Fed mindern, die Zinsen schnell deutlich zu senken. Denn die Fed sagt nun für dieses Jahr ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum für die USA voraus als noch vor drei Monaten angenommen. Das [2][Bruttoinlandsprodukt (BIP)] wird demnach 2024 um 2,1 Prozent (Dezember: 1,4) wachsen.

Für die Fed ist der Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise ein Balanceakt. Sie dreht dabei an der Zinsschraube, um die Nachfrage auszubremsen. Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr für Kredite ausgeben – oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben – und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Bei zu hohen Zinsen besteht die Gefahr einer Rezession.

Seit März 2022 hat die Fed ihren Leitzins in den Anstrengungen gegen [3][die Inflation] im rekordverdächtigen Tempo um mehr als fünf Prozentpunkte angehoben – in den vergangenen Monaten die Zinsen aber auf hohem Niveau belassen. Die Inflationsrate ist deutlich zurückgegangen, die Preise steigen nun deutlich langsamer an. Die Rate war im Sommer 2022 mit mehr als 9 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Der Preisauftrieb in den USA hatte sich zuletzt unerwartet wieder etwas beschleunigt, die Teuerungsrate lag im Februar bei 3,2 Prozent – die Inflation erweist sich als hartnäckig. Die Fed strebt 2 Prozent an.

Inflations-Zielmarke von 2 Prozent noch fern

Die neuen Schätzungen der Fed zur Inflation zeigen, dass diese Zielmarke nicht allzu bald erreicht sein dürfte. Die US-Notenbank rechnet in diesem Jahr wie bereits im Dezember mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 2,4 Prozent. Für das Jahr 2025 geht die Fed von einer Inflationsrate von 2,2 Prozent aus, erst für 2026 prognostiziert sie 2 Prozent.

Die [4][Kerninflation], also ohne Berücksichtigung von Lebensmittel- und Energiepreisen, soll dieses Jahr aber bei 2,6 Prozent (Dezember: 2,4) liegen. Die Notenbanker schauen in ihrer Analyse besonders auf diesen Wert. Er gibt den allgemeinen Preistrend nach Meinung von Fachleuten besser wieder als die Gesamtrate, da schwankungsanfällige Komponenten herausgerechnet werden.

Die nächste Sitzung der Fed steht in sechs Wochen an. Analysten gehen nicht davon aus, dass dann bereits eine Zinssenkung anstehen wird. Juni erscheine nun als frühestmöglicher Termin für eine Zinswende realistisch, schrieb Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. „Falls die Teuerung sich fortlaufend hartnäckiger zeigen sollte als erhofft, kann sich die Wende aber auch weiter in den Sommer hinein verschieben.“ Es handle sich um eine „gemischte Botschaft aus Washington“. Als Reaktion auf die Entscheidungen der Fed erklommen der Dow Jones Industrial und der S&P 500 weitere Bestmarken, der Kurs des Euro legte merklich zu.

21 Mar 2024

[1] /Federal-Reserve/!t5016879

[2] /Bruttoinlandsprodukt/!t5009979

[3] /Inflation/!t5009102

[4] /Inflation-2023/!5983686

TAGS

Zinspolitik

Finanzmarkt

Finanzen

Federal Reserve

US-Notenbank

ARTIKEL ZUM THEMA

US-Notenbank senkt Leitzins: Biden feiert, Trump ist sauer

Erstmals seit 2020 senkt die US-Notenbank den Leitzins. Dadurch werden Kredite günstiger, Hauskäufer müssen weniger für Schulden bezahlen.

Insolventer Tesla-Herausforderer: Fisker ist pleite

Der US-amerikanische Elektroautohersteller bekommt die schwächelnde Nachfrage zu spüren. Nun sucht der einstige Tesla-Herausforderer Schutz vor den Gläubigern.

Inflation in Japan: Erste Zinsanhebung seit 17 Jahren

Nach langer Zeit hebt Japans Notenbank wieder die Zinsen an. Sie bleiben aber relativ niedrig, weil niemand hohe Zinsen mag.

Entscheidung über digitalen Euro: Die Neuerfindung der Währung

In dieser Woche will die Europäische Zentralbank über den digitalen Euro entscheiden. Deutsche Banken sehen Risiken.

Inflation in der Eurozone: EZB hebt Leitzins noch mal an

Die europäische Zentralbank erhöht die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Die Inflationsprognose für 2023 setzt der EZB-Rat herauf.

Proxied content from gemini://taz.de/%215999590 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215999590
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.