taz.de -- ZDF-Doku „Die Spur“: Christliche Nächstenliebe? Von wegen

Die ZDF-Serie „Die Spur“ rekonstruiert das internationale Netzwerk von Abtreibungsgegnern. Auch AfD-Politiker sind Teil der Gruppe.

Bild: Beatrix von Storch beim Marsch für das Leben 2019 in Berlin

Bis dato hatte man militante Abtreibungsgegner:innen vor allem [1][in den USA] und [2][Polen] gewähnt. Doch sind sie [3][auch hierzulande] nicht auf ein paar harmlose ältere Damen und Herren beschränkt, die aus der Bibel zitieren und vom „Recht auf Leben“ faseln. Vielerorts belagern Demonstrant:innen Beratungsstellen und Praxen. Vor dieser „Gehsteigbelästigung“ sollen schwangere Frauen künftig geschützt werden. [4][Das hat das Bundeskabinett vor rund einem Monat beschlossen.]

Wer unterstützt die Anti-Abtreibungs-Bewegung? Dieser Frage gehen Sarah Ulrich und Ciara Cesaro-Tadic in einer brisanten neuen Folge der ZDF-Serie „Die Spur“ nach. Ihre Recherche beginnt beim [5][„Marsch für das Leben“] in Berlin, dem deutschlandweit größten Treffen der Bewegung.

Es laufen mit: AfD-Bundesvorstand Maximilian Krah vom völkischen Flügel, Joachim Kuhs von den „Christen in der AfD“ und Martin Kohler, Berliner Landesvorsitzender der rechtsextremen Jungen Alternative.

Außerdem: die brasilianische Organisation TFP, die von Soziolog:innen als rechtsextreme Sekte eingestuft wird und zwischen 2009 und 2018 über 113 Millionen Euro Unterstützung erhielt.

Nach und nach zeichnen die Journalistinnen das Bild einer internationalen Allianz aus christlichen Fundamentalist:innen, rechten Politiker:innen und einflussreichen Geldgeber:innen, deren Ziel die Durchsetzung einer reaktionären Ideologie ist.

„Die Spur“ deckt Erschütterndes auf: Über den Veranstalter des Marsches, den Bundesverband Lebensrecht, gelangt das Team innerhalb weniger Stunden an [6][Progesteron] – ein verschreibungspflichtiges Medikament, das angeblich Schwangerschaftsabbrüche rückgängig macht. Es ist weder dafür zugelassen, noch konnte seine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Stattdessen drohen lebensgefährliche Blutungen. So viel zur christlichen Nächstenliebe.

26 Feb 2024

[1] /Abtreibung-in-den-USA/!5924918

[2] /Protest-gegen-Abtreibungsgesetze-in-Polen/!5941104

[3] /Abtreibungsgegner_innen-vor-Kliniken/!5984592

[4] /Belaestigungen-durch-Abtreibungsgegner/!5984578

[5] /Kirche-beim-Marsch-fuer-das-Leben/!5958080

[6] /Politisierung-der-Wechseljahre/!5910975

AUTOREN

Clara Löffler

TAGS

Schwerpunkt Abtreibung

Dokumentarfilm

Recherche

Serien-Guide

Abtreibungsgegner

ARTIKEL ZUM THEMA

Antiabtreibungsparade am Jungfernstieg: Mit Blasmusik gegen Selbstbestimmung

Katholische Rechtsextreme demonstrieren in Hamburg gegen Schwangerschaftsabbruch. Und bekommen es mit jungen Frauen zu tun.

Kirche und Union: Das Kreuz mit dem Markus

Markus Söder mag sich immer noch nicht beruhigen über die kirchliche Kritik am Asylkurs der Union. Er sollte mal ein wenig in der Bibel lesen.

Abtreibungsdebatte in Deutschland: Wenn Lebensschützer Leben gefährden

Abtreibungsgegner bewerben ein Medikament, das Schwangerschaftsabbrüche rückgängig machen soll. Die Methode kommt aus den USA – und ist gefährlich.

Belästigung vor Schwangerschaftsberatung: „Das soll ein Ende finden“

Frauen mieden Beratungsstellen wegen Protesten an Eingängen, sagt Gudrun Christ von Pro Familia. Die Handhabe in den Kommunen sei bislang schwierig

Christliche Ideologie im Internet: Rückschritt ist wieder hipp

Die Geschichte von „The Real Life Guys“ Johannes und Philipp Mickenbecker zeigt, wie Christen ihre Ideologie unter jungen Menschen verbreiten.

Schwangerschaftsberatungsstellen: „Schlicht frauenfeindlich“

Der Entwurf des Landeshaushalts 2024/25 sieht massive Kürzungen bei den Schwangerschaftsberatungsstellen vor. Der Paritätische kündigt Protest an.

Proxied content from gemini://taz.de/%215991751 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215991751
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.