taz.de -- Pressefreiheit in Myanmar: 20 Jahre Haft fürs Fotografieren

Weil er Fotos über die Folgen des Zyklons „Mocha“ machte, muss der Fotojournalist Sai Zaw Thaike nun ins Gefängnis. Die genauen Vorwürfe sind unklar.

Bild: Im Mai 2023 wurde Fotojournalist Sai Zaw Thaike in Myanmar verhaftet

Bangkokap | Ein Militärgericht in Myanmar hat einen Journalisten wegen seiner Berichterstattung über die [1][Folgen eines Zyklons] nach Angaben seiner Nachrichtenagentur zu 20 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Die Strafe gegen den Fotojournalisten Sai Zaw Thaike scheint die härteste für einen Journalisten seit der [2][Machtübernahme des Militärs 2021] zu sein. Über das Urteil berichtete am Mittwoch die unabhängige Nachrichtenagentur Myanmar Now.

Das Urteil zeige die Unterdrückung der Pressefreiheit unter der Militärregierung, sagte Chefredakteur Swe Win laut Myanmar Now. Es veranschauliche „den hohen Preis, den [3][unabhängige Journalisten in Myanmar] für ihre berufliche Arbeit zahlen müssen“.

Myanmar Now berichtete, der Fotojournalist sei am 23. Mai in Sittwe im myanmarischen Staat Rakhine verhaftet worden. Er habe Bilder von den Schäden gemacht, die durch Zyklon „Mocha“ entstanden waren.

Bei dem Sturm wurden in Rakhine mindestens 148 Menschen getötet. Die Nachrichtenagentur meldete, Sai Zaw Thaike sei unter anderem wegen Verbreitung von Falschnachrichten angeklagt worden. Für welche Vorwürfe die Haftstrafe gelte, sei unklar.

Kein Anwalt, keine Besuche

Sai Zaw Thaike sei bei seiner ersten Gerichtsanhörung seit seiner Festnahme schuldig gesprochen worden, berichtete Myanmar Now. Das Verfahren habe im Gefängnis Insein in der Stadt Yangon stattgefunden. Dem Journalisten sei kein Besuch von Familienangehörigen erlaubt worden. Zudem sei ihm nicht gestattet worden, sich einen Anwalt zu nehmen.

Der Bericht von Myanmar Now konnte nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die Militärregierung hat mindestens 13 Medienorganisationen ihre Lizenz entzogen und mindestens 156 Journalisten verhaftet, von denen 50 noch im Gewahrsam sind, wie eine Beobachtergruppe namens Information über inhaftierte Journalisten berichtete.

7 Sep 2023

[1] /Folgen-des-Zyklons-Mocha-in-Myanmar/!5941153

[2] /Jahrestag-Militaerputsch-in-Myanmar/!5911988

[3] /Pressefreiheit-in-Myanmar/!5777296

TAGS

Schwerpunkt Pressefreiheit

Schwerpunkt Myanmar

Militärdiktatur

Presse

Zyklon

ARTIKEL ZUM THEMA

Angriff auf Vertriebene in Myanmar: Flüchtlinge mutmaßlich beschossen

Rebellen machen Myanmars Militär für 29 Tote bei einem Angriff auf Vertriebene verantwortlich. Mindestens 11 Minderjährige sind dabei gestorben.

Segler mit Fluchterfahrung: Flüchtling im Regattafieber

Kyaw Soe ist Videojournalist aus Myanmar – nach dem Putsch 2021 musste er sich verstecken. Sein Steuermann erzählt, wie er zum Segeln gekommen ist.

Journalismus auf der Flucht: Schlaflose Nächte im Exil

Hunderte Jour­na­lis­t:in­nen sind nach dem Putsch aus Myanmar geflohen. Mithilfe von Bürgerreportern berichten sie weiter über ihre Heimat.

Journalisten in Myanmar: Neue Freiheit in Gefahr

Seit dem Putsch in Myanmar geht das Militär auch hart gegen Journalisten vor. Etliche wurden festgenommen, Medien sollen auf Linie gebracht werden.

Proxied content from gemini://taz.de/%215958793 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215958793
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.