taz.de -- Nur wenige Väter nehmen Elternzeit: Männer ohne Eier
Nur ein Bruchteil der Väter nimmt mehr als zwei Monate Elternzeit. Viele auch das nur, wenn die Mutter es gleichzeitig tut. Eine Ermahnung.
Bild: Ein Kinderspiel!
Liebe Väter,
seit Jahren schon habt Ihr die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen. Nein, anders: Ihr habt nicht nur die Möglichkeit, Euch eine Auszeit vom Arbeitsleben, einen wenigstens befristeten Absprung von der Karriereleiter zu gönnen, Ihr bekommt sogar noch Geld dafür. Und dennoch nutzt [1][nicht einmal jeder zweite von Euch diese Chance]. Schlimmer noch: nur jeder zehnte nimmt mehr als die zwei „Vätermonate“, die extra für Euch geschaffen wurden, damit Ihr kapiert, worum es geht. Und um das Fass zum Überlaufen zu bringen: von denjenigen, die die Vätermonate nehmen, macht das ein Großteil nur, wenn gleichzeitig die Mutter auch nicht arbeitet.
Das sind die ernüchternden Ergebnisse [2][einer gerade veröffentlichten Studie.] Und jetzt mal ehrlich: ist Euch das nicht einfach nur noch peinlich?
Schon klar. Ihr habt es wirklich nicht leicht. Ihr müsst ja das Geld verdienen. Und Eure Chefs gucken schon schief, wenn Ihr das Wort Elternzeit nur denkt. Wenn Ihr es aussprecht: Karriere im Eimer, was mindestens so beschissen ist wie die Windeln der lieben Kleinen. Und außerdem lassen Euch die Mütter nicht ran. Also ans Baby. So hört man Euch jammern bei Spielplatzgesprächen unter Männern.
Klar. In einer besseren Welt, da würdet Ihr selbstverständlich mehr Elternzeit nehmen. Vielleicht sogar schon beim zweiten Kind, weil Ihr beim Ersten gemerkt habt, dass das alles so toll nicht war.
Aber die Verhältnisse sind ja nicht so. Und deshalb …
… Moment, kurze Unterbrechung, „Papa! Abputzen!“, ruft es vom Klo … so, weiter geht's … wo war ich? … ach ja …
Weil die Verhältnisse nicht so sind, geht Ihr eben weiter arbeiten und überlasst den Pipikram den Frauen. Echt jetzt?
Sagt mal: Was seid Ihr eigentlich für Softies? Habt Ihr denn gar keine Eier? Keinen Mumm, Eurem Chef mal klar und deutlich zu sagen, was Euch wirklich wichtig ist? Euren Partnerinnen zu zeigen, dass Ihr nicht nur hier und da mal Dutzidutzi machen wollt, weil Ihr alles sein wollt, nur nicht der abwesende Vater, wie Ihr ihn aus Eurer Kindheit kennt? Eurem Spiegelbild ins Gesicht zu blicken und ihm ein für alle Mal klarzumachen, dass Typen, die sich nicht trauen, als Vater ihren Mann zu stehen, vielleicht bei der nächsten Machoparty noch den großen Macker spielen können, sich tatsächlich aber selbst amputieren? Um eine der großartigsten Aufgaben, der sich ein Mann stellen kann?
Nein, es sind nicht die Verhältnisse, die Euch davon abhalten, die Kindererziehung als Selbstverständlichkeit mitzuübernehmen. Es liegt einzig und allein an Euch.
Und wenn Ihr Euch dieser Aufgabe nicht gewachsen seht, hier ein Tipp unter Männern: Nehmt [3][Kondome]!
14 Dec 2022
LINKS
[1] /Studie-zu-Elternzeit/!5902747
[2] https://www.bib.bund.de/Publikation/2022/pdf/15-Jahre-Elterngeld-Erfolge-aber-noch-Handlungsbedarf.pdf?__blob=publicationFile&v=2
[3] /Kondomkauf-mit-meiner-Frau/!5888826
AUTOREN
Gereon Asmuth
Elterngeld
Elternzeit
Väter
Kinder
GNS
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