taz.de -- Streit um Termin für Klimaentscheid: Grüne geben Widerstand auf

Der Entscheid wird nicht am Tag der Wiederholungswahl stattfinden. Auch die Grünen wollen am Dienstag dem zustimmen. Schuld trage die Innensenatorin.

Bild: Der Protest hat nichts genutzt: Der Klimaentscheid findet erst nach der Wiederholungswahl statt

Berlintaz | Die Berliner Grünen stimmen zähnenknirschend einem von der Wiederholungswahl getrennten Abstimmungstermin für den Klima-Volksentscheid zu. Wie am Montag bekannt wurde, werden auch ihre Senator*innen am Dienstag im Senat die entsprechende Vorlage zum Abstimmungstermin des Volksentscheids mittragen. Vergangene Woche hatten die Grünen [1][noch eine Vertagung der Entscheidung durchgesetzt] – obwohl zu diesem Zeitpunkt schon vieles darauf hindeutete, dass ein Entscheid ebenfalls am 12. Februar 2023 kaum noch organisierbar sein würde.

Die [2][Initiative Klimaneustart] Berlin hatte Mitte November insgesamt 260.000 Unterschriften für einen Volksentscheid eingereicht; davon waren – absehbar – mehr als 170.000 gültig. Damit muss es innerhalb von vier Monaten zu einem Volksentscheid über den vorgelegten Gesetzentwurf der Initiative kommen, der das Land verpflichten würde, bis 2030 klimaneutral zu werden. Bisher plant der Senat, dieses Ziel bis 2045 zu erreichen. Die rot-grün-rote Koalition hält eine Zielvorgabe von 2030 nicht für umsetzbar.

Eigentlich müssen Volksentscheide laut Gesetz zusammen mit einer Wahl abgehalten werden, sofern diese zeitnah stattfindet, um die Beteiligung am Entscheid zu erhöhen. Doch laut der SPD-geführten Innenverwaltung sei die dafür nötige Organisation der Abstimmung bis Mitte Februar nicht möglich, ohne die korrekte [3][Durchführung der Wahlwiederholung zu gefährden]. Initiative und auch die Grünen warfen daraufhin Innensenatorin Iris Spranger (SPD) vor, nicht ausreichend Vorkehrungen für einen Volksentscheid getroffen zu haben.

Am Montag erneuerte der grüne Parteichef Philmon Ghirmai diese Vorwürfe: „Die Innenverwaltung hat in den vergangenen Wochen die Hände in den Schoß gelegt und mit der Verweigerungshaltung ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen, Fakten geschaffen.“ Bis zum Schluss haben sie keine organisatorischen Vorbereitungen für die Zusammenlegung des Volksentscheids mit der Wiederholungswahl getroffen. „Ein gemeinsamer Termin wäre in jedem Fall möglich und demokratietheoretisch auch geboten gewesen. Die von ihr vorgetragenen Hinderungsgründe dies zu tun, überzeugen uns nicht.“

12 Dec 2022

[1] /Senat-diskutiert-ueber-Volksentscheid/!5896829

[2] /Streit-um-Termin-fuer-Klimaentscheid/!5902269

[3] /Wiederholung-der-Wahlen-in-Berlin/!5888201

AUTOREN

Bert Schulz

TAGS

Grüne Berlin

Volksentscheid

Direkte Demokratie

ARTIKEL ZUM THEMA

Klimapolitik im Berliner Wahlkampf: Lob für Jaraschs „Ja“

Die Initiative Klimaneustart begrüßt die Ankündigung der grünen Spitzenkandidatin, für den Klima-Entscheid zu stimmen. Die Linke hat einen Vorbehalt.

Was kommt 2023 in Berlin? (4): Abstimmen über die Zukunft

Berlin soll bereits 2030 klimaneutral sein, fordert eine Initiative. Beim Volksentscheid am 26. März dürfen alle Ber­li­ne­r*in­nen darüber abstimmen.

Wahlkampfauftakt der Berliner Linke: Linke läuft sich warm

Die Berliner Linke freut sich über Rückenwind in der Vergesellschaftungsfrage. Spitzenkandidat Lederer greift Grüne für verschleppte Verkehrswende an.

Volksentscheid Berlin 2030 klimaneutral: Klimaneustart reicht Klage ein

Initiative will gemeinsamen Abstimmungstermin mit der Wiederholungswahl am 12. Februar erstreiten. Erfolgsaussichten ungewiss.

Senat diskutiert über Volksentscheid: Einigung – aber noch kein Termin

SPD und Linkspartei im Senat halten Abstimmung des Klima-Volksentscheids parallel zur Wahl nicht für möglich. Grüne erwirken Aufschub für Initiative.

Proxied content from gemini://taz.de/%215902496 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215902496
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.