taz.de -- Patriot-Antiraketensysteme für Polen: Absurdes Manöver

Polens PiS-Chef musste den deutschen Patriots am Ende zustimmen. Seine Idee, das Raketenabwehrsystem in der Ukraine zu stationieren, war Blödsinn.

Bild: PiS-Vorsitzender Jaroslaw Kaczyński versucht mit Antideutschtum bei den WählerInnen zu punkten

Den US-Amerikanern war das polnische Hickhack rund um die Aufstellung von zwei Patriot-Antiraketensystemen an der Nato-Ostgrenze ganz offensichtlich zu blöd geworden. Nach dem Einschlag eines mutmaßlich ukrainischen Querschlägers in Polen hatte die Führung das Angebot der Deutschen, dem Nachbarn [3][zwei Patriot-Systeme] samt Soldaten zur Bedienung auszuleihen, erst „mit Genugtuung“ angenommen, dann abgelehnt und jetzt „mit Enttäuschung“ doch angenommen.

Hinter den Kulissen werden die Amerikaner ein Machtwort gesprochen haben. Die Sicherheitsinteressen der Nato sind letztlich doch wichtiger als der Wahlkampf der nationalpopulistischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Noch am Wochenende hatte [4][PiS-Parteichef Jarosław Kaczyński] einen „schweren Ansehensverlust Deutschlands“ als Wahlkampfziel verkündet.

Zuvor meinte er allen Ernstes, dass die Deutschen eine von den Russen auf Polen abgeschossene Rakete sowieso nicht abfangen würden. Kaczyński legte noch einen drauf und behauptete, dass Deutschland heute mit friedlichen Mitteln die Ziele anstrebe, die es einst mit Waffengewalt in Polen erreichen wollte. Den Amerikanern kann man zugutehalten, dass sie viel Geduld mit den Minderwertigkeitskomplexen Kaczyńskis und den wiederholt germanophoben Kampagnen in Polen haben.

Aber es gibt rote Linien. Die absurde Idee, amerikanische Patriot-Systeme und deutsche Nato-Soldaten sollten in die Ukraine transferiert werden, um von dort aus Polens Ostgrenze gegen Russland zu verteidigen, war so eine rote Linie. Völlig klar, dass das eine Eskalation des [5][russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine] und möglicherweise dann auch die Nato zur Folge haben würde. Das wussten und wissen natürlich auch die Polen.

So ging es bei diesem Vorschlag nur darum, die Deutschen als Heuchler vorzuführen, die der Ukraine gar nicht helfen wollten. Damit aber untergraben die Polen die Glaubwürdigkeit der Nato und gleichzeitig der USA als des wichtigsten Nato-Mitglieds. Das konnte Washington keinesfalls zulassen.

8 Dec 2022

[3] /Flugabwehrsysteme-fuer-Polen/!5897270

[4] https://www.spiegel.de/ausland/polen-jaroslaw-kaczynski-prangert-deutsche-dominanz-in-europa-an-a-001841ff-f6b6-432f-bc88-5e7648aac4f7

[5] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150

AUTOREN

Gabriele Lesser

TAGS

Schwerpunkt Krieg in der Ukraine

Jarosław Kaczyński

Patriot-Raketenabwehr

Polen

ARTIKEL ZUM THEMA

US-Waffenlieferungen an die Ukraine: Heiß begehrte Patrioten

Lange schon fordert die Ukraine die Lieferung von Patriot-Raketen. Nun sollen die USA bereit sein, eine Staffel zu liefern. Was kann sie ausrichten?

Flugabwehrsysteme für Polen: Polens Problem mit den Patriots

Die Regierung in Warschau zeigt sich unentschlossen nach dem Angebot aus Berlin, Flugabwehrsysteme zu liefern. Die PiS pflegt ihr Antideutschtum.

Fischsterben in der Oder: Das Komplettversagen der PiS

Das System der polnischen Regierungspartei PiS stinkt zum Himmel. Durch die Oder-Katastrophe zeigt sich, wie unwichtig da die eigene Bevölkerung ist.

Nato-Raketenabwehr: Deutsche Patriots in die Türkei

Der Nato-Raketenschirm soll Europa gegen Raketen im Mittleren Osten schützen. Die Bundesregierung will ihre Patriots deshalb abschieben.

Proxied content from gemini://taz.de/%215896850 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215896850
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.