taz.de -- Mögliche ukrainische Geländegewinne: Nur nicht müde werden
Um mangelnde Unterstützung der Ukrainer*innen muss sich die Regierung in Kiew bisher keine Sorgen machen. Wohl aber um die der westlichen Staaten.
Bild: Ukrainischer Soldat im Donbass: Die baldige Einnahme der Region entspringt wohl eher Wunschdenken
In Zeiten bewaffneter Konflikte gibt es häufig nur wenig belastbare Fakten. Da macht auch der [3][russisch-ukrainische Krieg] keine Ausnahme. Kaum eine Nachricht von den Fronten, die nicht mit dem Zusatz versehen wäre, eine unabhängige Überprüfung sei leider nicht möglich.
Jetzt machen vor allem in ukrainischen Medien Meldungen die Runde, die ukrainische Armee habe im Süden und im Osten drei Dörfer zurückerobert. Sollte sich das bewahrheiten – dafür spricht einiges, da die Information teilweise auch von russischer Seite bestätigt wird –, bedeutete das zwar noch keine Wende in diesem Krieg. Es wäre aber ein Indiz dafür, dass die ukrainische Gegenoffensive „Erfolge“ zu verzeichnen hat.
Dass es bei den russischen Truppen nicht „rund läuft“ legt der Umstand nahe, dass die Vorbereitungen [4][für ein Referendum in Cherson nach dem Vorbild der Krim erst einmal auf Eis gelegt sind]. Auch die vom Kreml ausgegebene Deadline, den Donbass bis zum 15. September komplett einzunehmen, entspringt wohl eher Wunschdenken und ist wohl ein Placebo für die eigene Bevölkerung, denn eine realistische Einschätzung der Lage. Wie sehr der Druck im Kessel auch in Russland selbst wächst, ist unübersehbar. Denn kein Tag vergeht, ohne dass vermeintliche „Verräter*innen“ abgestraft werden.
Um mangelnde Unterstützung der Ukrainer*innen muss sich die Regierung in Kiew bislang keine Sorgen machen, wohl aber um die der westlichen Staaten. Angesichts der Energiekrise, die viele Menschen in berechtigte Existenzängste stürzt, scheint die Kriegsmüdigkeit einer aggressiven Rhetorik „Wir zuerst!“ zu weichen, die sich auch Politiker*innen zu eigen machen. [5][In Tschechien gehen Zehntausende gegen die Ukrainepolitik der Regierung auf die Straße], der italienische Rechtspopulist Matteo Salvini stellt die EU-Sanktionen gegen Moskau in Frage.
Letztendlich könnte das darauf hinauslaufen, dass auch Waffenlieferungen an die Ukraine reduziert werden oder ganz ausbleiben. Und dann könnte sich das Blatt in diesem Krieg doch noch wenden.
5 Sep 2022
LINKS
[3] /Sechs-Monate-Krieg-in-der-Ukraine/!5875934
[4] /Nachrichten-im-Ukrainekrieg/!5879013
[5] /Protest-gegen-Tschechiens-Regierung/!5876284
AUTOREN
Barbara Oertel
Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
Schwere Waffen
Solidarität
Ukraine
Westen
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