taz.de -- Hessens neuer Regierungschef: Auf Mitte-Kurs

Hessens neuer Ministerpräsident überrascht mit neuen Tönen. Fraglich ist, ob sich die CDU so gegen Grüne und SPD bei der nächsten Wahl behaupten kann.

Bild: Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) am 7. Juni im hessischen Landtag

Ziemlich erstaunliche Akzente [1][hat der neue hessische CDU-Ministerpräsident Boris Rhein] am Dienstag [2][in seiner ersten Regierungserklärung] im Landtag gesetzt. Die Sozial- und Familienpolitik ist ihm danach „Herzensthema“, der Klimaschutz „zentrales Zukunftsthema“, den Rechtsextremismus nennt er eine der „ganz großen Bedrohung unserer Zeit“. Gleich zu Beginn seiner Rede setzte er ein Signal gegen „Kriegsgewinnler“, die die Versorgungs- und Machtverwerfungen durch den Ukrainekrieg ausnutzten.

Und an die Bundesregierung erging die Aufforderung, einen neuen Rahmen für eine schnellere Aufnahme von Flüchtlingen zu schaffen. Vielfalt sei schließlich eine Stärke unserer Gesellschaft, so der frühere Innenminister aus einer Partei, die einst die Zahl der Abschiebungen als Indikator konsequenter Politik ausgab.

Wer erwartet hatte, Rhein werde als Vertreter der wirtschaftsnahen CDU-Mittelstandsvereinigung und früherer Law-and-Order-Innenminister sein Heil in einer stärkeren Profilierung der eigenen Partei suchen, sieht sich getäuscht. Der neue Hoffnungsträger der hessischen CDU muss liefern – und ihm bleibt wenig Zeit. Sein Ziel sei es, die vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit von Schwarz-Grün in Hessen in den nächsten 15 Monaten bis zur nächsten Landtagswahl fortzusetzen – „und darüber hinaus“, meldete Rhein im Landtag seinen Machtanspruch an.

Sowohl die hessische SPD als auch der grüne Regierungspartner haben da allerdings andere Pläne. Bei der nächsten Wahl rechne er mit einem Dreikampf um Platz eins, gab sich zuletzt der grüne Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner kämpferisch. Mit Spitzenkandidaturen des Grünen Tarek Al-Wazir und der Vorsitzenden der Hessen-SPD, Bundesinnenministerin Nancy Faeser, könnte es Boris Rhein mit aussichtsreichen MitbewerberInnen zu tun bekommen.

Die Übergabe der Regierungsverantwortung in Hessen [3][von dem erfahrenen Routinier Volker Bouffier] an Boris Rhein sollte der CDU bei der nächsten Landtagswahl Platz eins sichern, so war der Plan. Dass das mit einem weichgespülten, mittigen Profil gelingen kann, muss der neue Hoffnungsträger der Landes-CDU erst noch beweisen.

8 Jun 2022

[1] /Nachfolge-von-Bouffier-in-Hessen/!5858433

[2] https://www.youtube.com/watch?v=OpBoZsaYRww

[3] /Staffeluebergabe-in-Hessen/!5855054

AUTOREN

Christoph Schmidt-Lunau

TAGS

Volker Bouffier

Grüne Hessen

Boris Rhein

ARTIKEL ZUM THEMA

Joschka Fischer bei Aschermittwoch: Grüner Machtanspruch mit Wums

Die hessischen Grünen wollen die nächste Landesregierung anführen und in Frankfurt die OB stellen. Auch Joschka Fischer legt sich dafür ins Zeug.

Staffelübergabe in Hessen: Schwarzer Sheriff ade

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier bewies, dass selbst Hardliner wandlungsfähig sind. Sein Nachfolger Boris Rhein steht ihm da in nichts nach.

Nachfolge von Bouffier in Hessen: Rhein ist neuer Ministerpräsident

Nach dem Rücktritt des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier trat Boris Rhein zur Wahl als Nachfolger an. Er setze sich im ersten Wahlgang durch.

Geschlechtergerechtigkeit in der CDU: Die Quote auf der Tagesordnung

Die Christdemokraten haben ein Frauenproblem – selbst Parteichef Merz hat das inzwischen gemerkt. Nun gibt es einen neuen Anlauf für eine Frauenquote.

Proxied content from gemini://taz.de/%215859923 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215859923
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.