taz.de -- Syrien und Irak: Tote bei türkischen Luftangriffen

Die Türkei hat aus der Luft Stellungen von Kurdenmilizen in Irak und Syrien bombardiert. Mindestens vier Menschen sollen getötet worden sein.

Bild: Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar und Generäle sprechen über den Angriff in Derik

Istanbuldpa | Die Türkei hat nach eigenen Angaben in einer neuen Luftoffensive Stellungen von Kurdenmilizen in [1][Nordsyrien] und im Nordirak bombardiert. Es seien unter anderem Schutzräume und Munitionslager getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara am Mittwoch mit. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens vier Menschen in Nordostsyrien getötet.

Der Militäreinsatz richtete sich nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien, die beide von der Türkei als Terrororganisationen eingestuft werden. Ankara begründete die Luftschläge in den Nachbarländern mit Selbstverteidigung. In Europa und den USA steht nur die PKK auf der Terrorliste. Die Kurdenmilizen in Syrien sind dagegen Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Die vier Menschen seien in der Nacht infolge eines Drohnenangriffs auf ein Kraftwerk in der nordostsyrischen Stadt Derik getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Es gebe zudem zahlreiche Verletzte. In der Nähe des Kraftwerks gebe es Stellungen der von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Durch den Angriff sei der Strom in den umliegenden Dörfern ausgefallen.

[2][Die Türkei hat bereits mehrmals Militäreinsätze gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien geführt.] Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte in der Vergangenheit bei ähnlichen Einsätzen bezweifelt, dass diese mit dem Völkerrecht vereinbar sind.

Das Hauptquartier der PKK liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Ankara geht auch immer wieder militärisch gegen deren Stellungen in der Südosttürkei vor. Die PKK wiederum verübt Anschläge. Der seit 1984 andauernde Konflikt kostete bislang Zehntausenden Menschen das Leben. Ein Waffenstillstand war im Sommer 2015 gescheitert.

2 Feb 2022

[1] /Kurdisch-verwaltete-Region-in-Syrien/!5827362

[2] /Spannungen-zwischen-USA-und-Tuerkei/!5747213

TAGS

Türkei

Schwerpunkt Syrische Demokratische Kräfte (SDF)

Schwerpunkt Syrien

Irak

PKK

YPG

ARTIKEL ZUM THEMA

Mögliche türkische Offensive in Syrien: Erdoğan gegen alle

Der türkische Präsident bereitet offenbar eine neue Offensive gegen die kurdische YPG in Syrien vor. Davor warnen Russland und die USA.

Gefechte in Nordirak und in Nordsyrien: Türkei greift PKK-Stellungen an

Die Angriffe in Nordsyrien und -irak sind eine Luft- und Bodenoffensive. Man gehe „gegen Terroristen“ vor, sagt Türkeis Verteidigungsminister Akar.

Nach Angriff auf Haftanstalt in Syrien: Dschihadis belagern Gefängnis

In Syrien hat die „IS“-Miliz ein Gefängnis angegriffen, um Mitstreiter zu befreien. Mehr als 150 Menschen sind getötet worden. Die Kämpfe dauern an.

Kurdisch verwaltete Region in Syrien: Das Experiment

Vieles läuft im kurdisch verwalteten Nordosten Syriens besser als im restlichen Land. Nur: International gibt es kaum Unterstützung.

Evakuierung aus Syrien: Mutmaßliche IS-Frauen zurückgeholt

Die Bundesregierung hat acht deutsche mutmaßliche IS-Anhängerinnen sowie deren 23 Kinder eingeflogen. Die meisten der Frauen sitzen nun in Haft.

Proxied content from gemini://taz.de/%215832863 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215832863
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.