taz.de -- Bedeutung der Corona-Warn-App: Bitte Klarheit schaffen
Die Corona-Warn-App kann jetzt auch zur Kontaktverfolgung dienen. Leider scheint die Regierung die eigene App nicht ernst zu nehmen.
Bild: Begegnung mit Risiko:die Anzeige der Corona-Warn-App sollte ernster genommen werden
Es ist ein bisschen untergegangen, zwischen all den G-Fragen rund um das neue Infektionsschutzgesetz. Aber der Bundestag hat darin [3][ein Detail mit beschlossen], das durchaus revolutionär ist: Zur Kontaktverfolgung etwa bei Restaurants oder Veranstaltungen können die Bundesländer künftig ausdrücklich auf die Corona-Warn-App setzen. Bisher war Standard, dass persönliche Daten von mutmaßlichen Kontaktpersonen erfasst werden, die im Infektionsfall an die Gesundheitsämter gehen. Setzen die Länder stärker auf die Corona-Warn-App, die ohne persönliche Daten auskommt, ist hier eine deutliche Entlastung der völlig untergehenden Gesundheitsämter möglich.
Doch was gut klingt, hat leider einen Haken. Denn: Die Bundesregierung scheint ihre eigene App nicht ernst zu nehmen. So [4][häufen sich Berichte], in denen Nutzer:innen via App eine rote Warnung erhielten, zur Abklärung einen PCR-Test machen wollten – und abgewiesen wurden. Rote Warnung heißt: Die Betroffenen befanden sich länger nahe einer infizierten Person und könnten sich angesteckt haben. Doch Ärzt:innen, Teststellen und der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst scheinen häufig abzuwinken, wenn die gewarnte Person doppelt geimpft ist. Dabei sollte sich herumgesprochen haben, dass Geimpfte zwar deutlich seltener schwer erkranken – sich aber anstecken und auch andere anstecken können.
Manchen Betroffenen wurde empfohlen, sich stattdessen selbst zu testen – ein problematischer Rat. Schließlich stellt sich zunehmend heraus, dass Schnelltests wohl weniger zuverlässig sind als angekommen – vor allem vor Symptombeginn, wo eine infizierte Person bereits ansteckend ist. Dieser Effekt kommt wohl bei Geimpften noch stärker zum Tragen, [5][schreibt der Charité-Virologe Christian Drosten auf Twitter]. Wenn die Bundesregierung also ihre eigens beauftragte App ernst nehmen will, muss das Gesundheitsministerium Klarheit schaffen und dafür sorgen: Eine rote Warnung in der App gibt den Anspruch auf einen PCR-Test, auch mit Impfung. Und es den Betroffenen nicht unnötig schwer machen, das Richtige zu tun.
22 Nov 2021
LINKS
[3] https://dserver.bundestag.de/btd/20/000/2000078.pdf
[4] https://netzpolitik.org/2021/corona-warn-app-wenn-die-app-ploetzlich-rot-zeigt/
[5] https://twitter.com/c_drosten/status/1461975726933032965
AUTOREN
Svenja Bergt
Schwerpunkt Coronavirus
Infektion
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