taz.de -- Maaßen und Sarrazin im Wahlkampf: Große Koalition, nur schlimmer
Thilo Sarrazin leistet Wahlkampfhilfe für Hans-Georg Maaßen. Die Rede vom „Linksrutsch“, der angeblich im Land drohe, wirkt dadurch umso absurder.
Bild: Regelrechter Rechtsruck-Bingo: CDU-Kandidat Maaßen erhält Unterstützung von Thilo Sarrazin
Da schließt sich der Kreis: Thilo Sarrazin (Ex-SPD), der den Rechtsrutsch in Deutschland maßgeblich per Rassismus-Bestseller eingeleitet hatte, leistet [1][Wahlkampfhilfe] für den CDU-Kandidaten und Rechtsextremismusverharmloser Nummer eins, [2][Hans-Georg Maaßen]. Zu dem Bild passt, dass die [3][Suhler AfD], aber auch der bekannte [4][Neonazi Tommy Frenck] in Maaßens Wahlkreis Südthüringen ihre Anhänger*innen dazu aufrufen, für die CDU zu stimmen.
Einen regelrechten Rechtsruck[5][-Bingo] hat man endgültig, wenn der Ex-Verfassungsschutz-Chef Maaßen in der neurechten Zeitung Junge Freiheit lanciert, dass er eine geheimdienstliche Beobachtung der AfD für nicht richtig halte. All das im Dammbruch-Bundesland Thüringen, wo Rechtextremist Björn Höcke systematisch versucht, die Demokratie zu destabilisieren.
Es macht fassungslos, dass in diesem Wahlkampf allen Ernstes ein „Linksrutsch“ ein Thema ist, das von CDU und Axel Springer diskutiert wird. Wohlgemerkt nach einer Legislaturperiode, in der die [6][extrem rechten Anschläge] von Halle, Hanau, der Mord an Walter Lübcke und das Attentat auf den Altenaer Bürgermeister stattfanden; in der die rechtsterroristische „Gruppe S.“ aufflog und ein 20-jähriger Kassierer eine Woche vor der Wahl von einem Maskenverweigerer mutmaßlich [7][aus der AfD-Social-Media-Bubble] in Idar-Oberstein erschossen wurde.
Die Liste lässt sich beliebig verlängern: Bundeswehr-Soldat*innen planten den rechten Umsturz, reihenweise rassistische Polizei-Chat-Gruppen flogen auf, Politiker*innen erhielten Morddrohungen vom „NSU 2.0“.
Und die seit 2015 damit einhergehende und [8][eskalierende rechte Alltagsgewalt] ist da noch nicht mal erwähnt. Ebenso wenig, dass sich in dieser Legislaturperiode eine rechtspopulistische Partei immer weiter in Richtung einer faschistischen wandelt und in Umfragen trotzdem zweistellig abschneidet. Maaßen arbeitet bewusst und strategisch daran, die Grenzen zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu verwischen, und der Rassist Sarrazin macht mit. Große Koalition. Nur noch schlimmer.
24 Sep 2021
LINKS
[1] https://www.thueringer-allgemeine.de/politik/maassen-sarrazin-bundestagswahl-wahlkampf-thueringen-id233409513.html
[2] /Umgang-mit-der-AfD-im-Wahlkampf/!5802611
[3] /Direktmandat-in-Suedthueringen/!5803006
[4] https://www.belltower.news/cdu-wahlkampfhilfe-h-g-maassen-und-der-nazi-frenck-121183/
[5] https://twitter.com/akm0803/status/1440956018989613056
[6] /Schwerpunkt-Rechter-Terror/!t5007732
[7] https://www.rnd.de/politik/idar-oberstein-war-er-der-mutmassliche-moerder-twitterprofil-von-afd-fan-mit-kriegsfantasien-YM6YIZMWVNGKZHLTAFFLEBKCAM.html#Echobox=1632243972
[8] /Die-Wahl-fuer-Betroffene-rechter-Gewalt/!5801254
AUTOREN
Gareth Joswig
Schwerpunkt Bundestagswahl 2025
Schwerpunkt AfD
Hans-Georg Maaßen
Thilo Sarrazin
Wahlkampf
ARTIKEL ZUM THEMA
Rechte bei Bundestagswahl: AfD schrumpft auf Kernklientel
Die AfD zieht mit rund 10 Prozent zum zweiten Mal in den Bundestag ein. Trotz durchwachsenen Wahlkampfs bleibt die AfD mit leichten Verlusten stabil.
AfD-Politik in Hamburg-Eimsbüttel: Lenzviertel im Visier der Rechten
AfD nannte Sperrmüll und Ausländeranteil im Zusammenhang. Bürger wollte „sauber machen“ und postet Flammenwerfer. Sozialarbeiterszene protestiert.
Tödlicher Angriff in Idar-Oberstein: Zeugen sollen Tat gesehen haben
An der Tankstelle in Idar-Oberstein soll es Augenzeugen gegeben haben. Die AfD hat eine Mitschuld an der Radikalisierung von „Querdenkern“ zurückgewiesen.
CDU in Berlin: „Zeigen, dass wir da sind“
Kevin Kratzsch will der CDU ein frisches Image verpassen. Seine Chancen auf ein Direktmandat in einem grün geprägten Berliner Wahlkreis sind mies.
Umgang mit der AfD im Wahlkampf: Zwei Pole in der CDU
Marco Wanderwitz und Hans-Georg Maaßen sind beide CDU-Mitglied und kandidieren für den Bundestag. Was sie trennt: ihr Umgang mit der AfD.