taz.de -- Kriminelle Landwirte am Mittelmeer: Tote Fische in Lagune

Am spanischen Mittelmeer kippt die Lagune Mar Menor. Schuld sind nach Ansicht der Regierung Dünger und Süßwasser aus illegaler Landwirtschaft.

Bild: Protest im Jahr 2019: Dass die Lagune in schlechtem Zustand ist, ist lange bekannt

Madridtaz | Die spanische Umweltministerin Teresa Ribera nimmt kein Blatt vor den Mund. „Wir müssen damit beginnen, das Gesetz durchzusetzen und diejenigen zu sanktionieren, die illegale Praktiken begehen“, erklärte die Ministerin für den ökologischen Übergang – so ihr offizieller Titel – am Montag vor dem Parlament.

Die sozialistische Politikerin macht damit ganz direkt [1][die intensive Landwirtschaft] und vor allem die illegalen Anbauflächen für das Umkippen der größten Mittelmeerlagune Spaniens, dem Mar Menor in der südostspanischen Region Murcia, verantwortlich.

Seit Wochen machen – wie bereits 2019 – Bilder von toten Fischen an den Stränden die Runde im Fernsehen und der Presse. Insgesamt wurden mehr als acht Tonnen Fische und Krustentiere angeschwemmt. Für Ribera gibt es nur einen Weg, um solche Katastrophen künftig zu verhindern. Das Problem „an der Wurzel“ anzupacken.

Ribera nimmt damit ganz direkt den Chef der Regionalregierung Fernando López Miras in die Verantwortung. Denn der Konservative, der mit Unterstützung der rechtsextremen VOX regiert, unternimmt nichts gegen die Betreiber der illegalen Anbauflächen. Mehr als zehn Prozent der 70.000 Hektar, die für intensive Landwirtschaft bewässert werden, haben – so Zahlen der Umweltschutzorganisation WWF – keine entsprechende Lizenz.

Regionalregierung will Landwirte gewähren lassen

Durch die Bewässerung gelangen viel zu große Mengen an Süßwasser und [2][Dünger in die Lagune]. Der Salzgehalt nimmt ab, das Wachstum der Algen im Mar Menor nimmt zu, der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt. Die 170 Quadratkilometer große Lagune, die eine mittlere Tiefe von nur vier Metern hat, kippt. Die Lage hat sich in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt. Mittlerweile gelangen doppelt so viel Düngemittel und doppelt so viel Süßwasser in die Lagune wie noch 2016.

Statt gegen die Landwirte aktiv zu werden, verlangt López Miras von Umweltministerin Ribera mehr Investitionen. Er will die schmale Verbindung des Mar Menor zum Mittelmeer vertiefen lassen, damit das sauerstoffarme Wasser ausgetauscht wird. Umweltschützer und auch Ribera sind dagegen. Denn damit würde das Problem auf die nahe Küste ausgeweitet.

1 Sep 2021

[1] /Spaniens-Bauern-gehen-auf-die-Strasse/!5661505

[2] /Umweltbelastung-durch-Duenger/!5635932

AUTOREN

Reiner Wandler

TAGS

Landwirtschaft

Spanien

ARTIKEL ZUM THEMA

Spanischer Meerbusen wird Rechtsperson: Mehr Rechte für das Mar Menor

Die Bewässerung der Landwirtschaftsflächen in der Region Murcia stellt ein Problem für Meer und Mensch dar. Die Regierungsparteien blocken.

Spaniens Bauern gehen auf die Straße: Protest gegen billiges Olivenöl

„Am Limit der Rentabilität“: Nach Deutschland protestieren auch in Spanien die Landwirte gegen sinkende Erträge für Olivenöl oder Fleisch.

Umweltbelastung durch Dünger: Verseuchen Bauern das Wasser?

Der taz-Faktencheck zeigt: Der durchschnittliche Landwirt düngt zu viel und belastet das Grundwasser. Das ist eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt.

Biogemüse aus Spanien: Oft nicht wirklich bio

Spanien ist Deutschlands größter Lieferant von Biotomaten. Dort werden sie zuweilen mit Kunstdüngern angebaut, die der Ökolandbau nicht erlaubt.

Proxied content from gemini://taz.de/%215792853 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215792853
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.