taz.de -- Polizeigewalt in Hamburg: Faustschlag gegen Jugendlichen
Nach der Veröffentlichung eines Videos sorgt ein Hamburger Polizeieinsatz für Diskussionen. Ein Beamter prügelt darin auf einen Jugendlichen ein.
Bild: Umstritten: Polizeieinsatz im Hamburger Stadtpark
Hamburgtaz | Ein Faustschlag auf einen am Boden liegenden 15-Jährigen führt erneut zu einer [1][Debatte um Polizeigewalt in Hamburg.] Ein Video des Vorfalls, zu dem es am vergangenen Samstagabend im Stadtpark gekommen war, zeigt: Ein Polizist schlägt mit der Faust so stark ins Gesicht des Jugendlichen, dass dessen Kopf auf den Asphalt prallt.
[2][Der Junge lag mit dem Bauch auf dem Boden, der Polizist kniete über ihm.] Auf die Veröffentlichung des Videos in den sozialen Medien reagiert die Hamburger Polizei mit einer Prüfung durch das Dezernat Interne Ermittlungen.
Die Prügelszene ereignete sich im Rahmen des massiven Einschreitens der Polizei gegen jugendliche Feiernde am Samstag gegen 19 Uhr. In den Abendstunden hatte die Polizei damit begonnen, den Park zu räumen – es habe nämlich zu viele Verstöße gegen die Coronabeschränkungen gegeben.
Nach Angaben der Polizei habe der Jugendliche einen ausgesprochenen Platzverweis ignoriert und Beamt:innen beleidigt. Als sie ihn deshalb festhalten wollten, habe er sich gewehrt. „Er wurde daraufhin mit einer gezielten Eingriffstechnik kontrolliert zu Boden geführt“, sagt Florian Abbenseth, Sprecher der Polizei.
Auch dagegen habe er sich zu wehren versucht. „In dieser Situation erfolgte offenbar der auf dem Video zu sehende Faustschlag, woraufhin der Jugendliche sich zunächst beruhigte und seinen Widerstand jedenfalls kurzzeitig einstellte“, sagt Abbenseth.
Linkspartei hält Einsatz für unverhältnismäßig
Auch danach habe er sich noch gewehrt und wurde schließlich aufs Revier gebracht. Eine medizinische Versorgung habe er abgelehnt. Ob der Faustschlag des Polizisten erforderlich und verhältnismäßig war, betont Abbenseth, kann anhand des Videos nicht beurteilt werden: „Es zeigt lediglich einen Ausschnitt und bildet nicht das Einschreiten in seiner Gesamtheit ab.“
Die Linkspartei widerspricht dieser Ansicht und fordert die Suspendierung des Beamten. „Unabhängig von der Vorgeschichte ist der Polizeieinsatz gegenüber dem Minderjährigen ohne Zweifel unverhältnismäßig“, sagt Deniz Celik, innenpolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion.
Vermehrt tauchten in den vergangenen Monaten Videoausschnitte von gewaltsamen Einsätzen auf, die Anlass zur Kritik gaben. [3][Zuletzt erschoss die Polizei einen Mann mit sieben Schüssen in Barmbek], der zuvor einen Beamten mit einem Messer angegriffen haben soll. Videos des Vorfalls führten zu Diskussionen, ob das Erschießen notwendig und angemessen war. Im August 2020 [4][würgten Polizist:innen einen Jugendlichen], weil er mit einem Elektroroller den Gehweg benutzt hatte.
1 Jul 2021
LINKS
[1] /Polizeieinsatz-in-Hamburg/!5702725
[2] https://twitter.com/PolizeiHamburg/status/1410190024319160328
[3] /Tod-nach-Polizeischuessen-in-Hamburg/!5773096
[4] /Polizeieinsatz-in-Hamburg/!5702725
AUTOREN
André Zuschlag
Polizei Hamburg
Hamburg
Polizeigewalt
Schwerpunkt Coronavirus
Stadtpark
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