taz.de -- Abgeordnetenhaus diskutiert Solargesetz: Mehr Glitzern auf den Dächern
Im Parlament unterstützen bis auf die AfD alle Fraktionen eine größere Nutzung von Dächern für Solaranlagen. Die Details aber sind umstritten.
Bild: Auf Berliner Neubauten sollen Solaranlagen per Gesetz Pflicht werden
Berlintaz | Eine oppositionelle CDU-Fraktion, die eine Solarpflicht mitträgt, sich aber um sozial Schwache sorgt; zwei rote Koalitionspartner, die einen grünen Gesetzentwurf mittragen, aber dazu eine ganze Menge anzumerken habe: Das Solargesetz hat im Parlament in seiner ersten Lesung für interessante Reaktionen gesorgt.
Dass es zu einer Pflicht kommen wird, bei Neubau und bei umfassenden Sanierungen des Dachs dort eine Solaranlage aufzubauen, scheint nach diesem Donnerstag klar. Details aber sind noch offen: Die Linksfraktion beispielsweise will mit der Pflicht schon im Sommer 2022 statt wie von der Senatsverwaltung für Umwelt vorgesehen am 1. Januar 2023 beginnen, um ein Jahr mehr Sommersonne mitnehmen zu können.
Fast lyrisch hat der grüne Energieexperte Stefan Taschner als erster Redner den Strom aus Sonnenkraft beworben. „Mit dem Solargesetz sorgen wir für mehr Glitzer auf Berlins Dächern.“ Großen Möglichkeiten stehe eine bislang viel zu geringe Nutzung gegenüber: „Leider ist deutlich festzustellen, dass derzeit auf kaum einem Neubau ein Solardach zu finden ist.“ Der FDP-Abgeordnete Henner Schmidt, der im Grundsatz mehr Solarnutzung begrüßt, wird ihm später widersprechen und feststellen, „dass die meisten Bauherren von sich aus eine Solaranlage einbauen“.
CDU unterstützt Solarpflicht für Neubau
Betroffen sind Gebäude mit einer Nutzfläche ab 50 Quadratmetern. Anders als in entsprechendem Bundesrecht unterscheidet der Berliner Gesetzentwurf nicht zwischen Wohngebäuden und Gewerbebauten. Der Grüne Taschner drängt: „Ein ernst gemeinter Klimaschutz lässt weiteres Zögern nicht zu.“ Bislang bremse die CDU auf Bundesebene auf Energiewende aus.
Deren Abgeordnetenhausfraktion gibt sich anders. „Ich teile vieles von dem, was Sie gesagt haben“, sagt ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Christian Gräff Richtung Grüne. „Wir sind der tiefen Überzeugung, dass wir in einer Stadt wie Berlin nur mit der Installation von Solarmodulen und Photovoltaik auf öffentlichen, aber auch privaten Dächern die Energiewende erreichen können.“ Was die CDU hingegen ablehnt, ist eine Solarpflicht auch für Altbauten bei einer umfassenden Dachsanierung. „Sie bestrafen damit die, die in den nächsten Jahren ihre Dächer neu machen wollen. Das ist unsozial“, sagt Gräff.
Michael Efler (Linke) wiederum drängt nicht nur auf einen früheren Beginn der Solarpflicht, sondern auch auf strengere Vorgaben zur Mindestgröße der Anlagen. Mieterhöhungen sollen seiner Meinung nach nicht zu befürchten sein. Eine Solaranlage lässt sich nach Eflers Worten nur in geringem Maße auf die Miete umlegen, höchstens um ein paar Cent könnte die steigen.
Auch die SPD kündigt noch Änderungen an. Unter anderem fordert sie, die Solaranlagen mit dem Ladenetz für Elektroautos verbinden. Allein die AfD lehnt den Gesetzentwurf komplett ab: Eine Pflicht zum Solardach verstoße gegen grundgesetzliche Eigentumsfreiheit.
11 Mar 2021
AUTOREN
Stefan Alberti
Solarenergie
Energiewende
Abgeordnetenhaus
ARTIKEL ZUM THEMA
Streit um Solaranlagen auf Baudenkmälern: Klimawandel im Denkmalschutz
Solaranlagen auf Baudenkmälern? Das gibt oft Ärger, wie auch in diesem Fall in Hannover. Die Energiekrise verschärft den Konflikt.
Solarzellen auf Neubaudächern: Baupflicht wäre Aktionismus
Photovoltaik ist wirtschaftlich attraktiv, dafür braucht es keinen Zwang. Lieber sollte man die bestehenden Hemmnisse beseitigen.
Streit um Solardachpflicht: Noch weniger Klimaschutz
Um die Klimaziele erreichen zu können, müsste die Bundesregierung für mehr Solaranlagen auf Hausdächern sorgen. Das verhindert die CDU.
Solaranlagen aus Deutschland: Auffahrt im solaren Tal
Das einst in Ostdeutschland aufstrebende „Solar Valley“ stürzte 2011 jäh ab. Nun hat ein Schweizer Konzern zwei neue Werke eröffnet.
Solarpflicht für Neubauten kommt: Mehr Solarzellen aufs Dach
Ein Gesetz für eine Solar- oder Photovoltaikpflicht ist auf den Weg gebracht. Bleibt die Frage, ob das für den Stromhunger der Zukunft ausreicht?
Solargesetz Berlin ist fertig: Mehr Sonne aufs Dach
Das Berliner Solargesetz liegt vor: Es wird künftig ErbauerInnen und EigentümerInnen zur Errichtung von Photovoltaikanlagen verpflichten.
Photovoltaik auf allen Neubauten: Forderung nach Solarpflicht
Bald soll das Erneuerbare-Energien-Gesetz reformiert werden. Unionsexperten bringen sich in Stellung – mit progessiven Vorschlägen.