taz.de -- Entwicklung von Corona-Impfstoff: Das Impf-Monopoly

Das globale Rennen um einen Corona-Impfstoff mag für Effizienz sorgen. Trotzdem stinkt es zum Himmel, dass Pharmakonzerne damit Gewinne machen.

Bild: Spritze mit Curevacs Corona-Impfstoff in der ersten Phase der klinischen Studie

Corona wird für die Pharmaindustrie ein Riesengeschäft: Sollten 7,7 Milliarden Menschen mit wahrscheinlich 2 [3][Impfdosen] immunisiert werden und eine Dosis zwischen 2 und 9 Euro kosten (die Zahlen kursieren), dann macht das bis zu 140 Milliarden Euro Umsatz. Fett.

Ist das verwerflich? Wenn damit die Pandemie beendet wird und die Ökonomien nicht nochmal ins Bodenlose stürzen? Bisher liegt der globale wirtschaftliche Schaden laut IWF bei unglaublichen 10.200 Milliarden Euro. Dahinter stehen Hunderte Millionen zerstörter Existenzen.

Weltweit haben sich Gesellschaften darauf geeinigt, dass [4][Gesundheit eine Ware] ist, mit der sich Geld verdienen lässt. So wird das nun auch mit Impfstoffen gegen die Pandemie sein. Erst den Kapitalismus abschaffen und anschließend Corona beenden, das wird so nicht klappen.

Die Staaten der Welt kaufen derzeit Milliarden Impfdosen vorab, deren Wirksamkeit nicht erwiesen ist – sollten sie nicht geeignet sein, werden die Pharmakonzerne trotzdem Geld für die Chargen bekommen. Und das ist sinnvoll. Denn der Markt versagt in der Coronakrise komplett. Kein Unternehmen würde so schnell entwickeln, testen und noch vor einer Zulassung produzieren, wenn nicht die öffentliche Hand die Kosten übernehmen würde.

Eigentlich ist das ein cleveres System: Der Konkurrenzdruck sorgt für Geschwindigkeit, derzeit werden weltweit elf Wirkstoffe in großem Stil erprobt. Die öffentlichen Gelder sorgen dafür, dass auch genug bei dem Impf-Monopoly mitmachen und sich gegenseitig antreiben.

Und trotzdem stinkt das Spiel zum Himmel. Denn es stellt sich eine simple Frage: Warum um alles in der Welt sollen [5][Pharmakonzerne] mit den Impfungen am Ende Gewinn machen dürfen, wenn fast das komplette Risiko für Entwicklung und Produktion öffentlich finanziert wird? Die geförderten Konzerne werden auch so auf Jahre von den Forschungen, Patenten und Fabriken profitieren, die sie gerade geschenkt bekommen. Impfungen zum Selbstkostenpreis, keinen Cent mehr, so müsste es heißen.

Passieren wird das allerdings nicht. Denn es gibt keine Weltregierung. Die Staaten koordinieren sich nicht, sie konkurrieren. Sie wetteifern um einen möglichst schnellen Zugang zu Impfstoffen, weil im Jahr 2021 nicht plötzlich genug für alle da sein wird. Es wird Engpässe geben, und da funktioniert der Markt dann wieder: Mit knappen Gütern lassen sich hohe Preise erzielen. Darauf verzichtet kein Konzern der Welt. Dicke Gewinne sind der Preis des Endes der Pandemie.

30 Sep 2020

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AUTOREN

Ingo Arzt

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