taz.de -- Dreamer-Programm in den USA: Niederlage für Trump

In der Einwanderungspolitik hat der US-Präsident eine Niederlage erlitten. Der Supreme Court stärkte den Schutz junger Einwanderer.

Bild: Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi begrüßt das Urteil

Washingtonrtr | US-Präsident Donald Trump hat bei seinen Plänen zur Verschärfung der Einwanderungspolitik vor dem obersten Gericht eine Niederlage erlitten. Der Supreme Court stoppte am Donnerstag mit fünf zu vier Stimmen den Versuch seiner Regierung, ein Programm zum Schutz von Kindern illegal Eingewanderter zu kippen.

Der konservative Vorsitzende Richter John Roberts schrieb in der Begründung, die Entscheidung betreffe nicht das DACA-Programm an sich, sondern nur die Vorgehensweise der Regierung dagegen. Diese wird im Urteilstext als „willkürlich und launisch“ (engl. „arbitrary and capricious“) bezeichnet. Trump reagierte auf Twitter mit scharfer Kritik an dem Gericht. Es ist die zweite Niederlage seiner Regierung vor dem Supreme Court dieser Woche.

Das DACA-Programm war von Trumps Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufen worden. Es schützt etwa 649.000 Menschen – landläufig „Dreamer“ genannt – vor einer Ausweisung, die als Kinder illegal in die USA gebracht wurden. Inzwischen beträgt ihr Durchschnittsalter 26 Jahre. Trump hatte die Regelung 2017 kassiert mit der Begründung, Obama habe seine Befugnisse überschritten. Gegen den Schritt klagten mehrere Bundesstaaten, DACA-Teilnehmer und Bürgerrechtsgruppen.

Das Urteil vom Donnerstag schließt zwar nicht aus, dass die Regierung erneut ansetzen könnte, um das Programm zu beenden. Allerdings dürfte sie dies nicht mehr vor der Präsidentschafts- und Kongresswahl Anfang November umsetzen können.

Zwei Niederlagen in einer Woche für Trump

Während betroffene „Dreamer“, die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Wirtschaftsvertreter das Urteil begrüßten, kritisierte Trump es scharf. Er hatte bereits am Montag [3][eine viel beachtete Niederlage vor dem Gericht zu den Rechten von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen erlitten]. „Diese fürchterlichen und politisch aufgeladenen Entscheidungen des Supreme Court sind Schüsse mit einer Schrotflinte ins Gesicht der Menschen, die stolz sind, sich selbst als Republikaner und Konservative zu bezeichnen“, schrieb [4][Trump am Donnerstag auf Twitter]. „Bekommen Sie den Eindruck, dass der Supreme Court mich nicht mag?“

19 Jun 2020

[3] /Urteil-des-Supreme-Court/!5692901

[4] https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1273633632742191106

TAGS

Schwerpunkt USA unter Trump

Dreamer-Programm

Supreme Court

ARTIKEL ZUM THEMA

Trump und das „Dreamer“-Programm: Und noch eine Niederlage

Donald Trumps Anläufe zur Abschaffung des Abschiebe-Schutz-Programms sind gescheitert. Ein US-Richter verpflichtet die Regierung zur Wiedereinführung.

Oberstes US-Gericht zu Abtreibungen: Ohrfeige für „Lebensschützer“

Der Oberste Gerichtshof der USA kassiert ein Anti-Abtreibungsgesetz in Louisiana. Das Weiße Haus ist sauer, die Demokraten begrüßen das Urteil.

NS-Symbol in Wahlkampf-Posting: Facebook löscht Trump-Werbung

Facebook hat Anzeigen des US-Präsidenten von der Plattform genommen. Posts hätten Regeln gegen die Verbreitung von „organisiertem Hass“ widersprochen.

Urteil des Supreme Court: Oberstes US-Gericht für LGBTQ

Der Civil Rights Act von 1964 gilt auch für sexuelle Orientierung und Transgender, lautet das Urteil in einer wegweisenden Entscheidung.

Mauerbau an der US-Grenze zu Mexiko: Showdown um Shutdown

Mitten im Streit um den Mauerplan des US-Präsidenten tritt am Donnerstag der neue Kongress zusammen. Was will Trump den Demokraten anbieten?

„Dreamerin“ über mögliches „Daca“-Ende: „Ein Verfallsdatum für unsere Träume“

Kinder, die einst mit ihren Familien in die USA kamen, erhalten eine Gnadenfrist. Ihr Protest ist inzwischen keine Einpunktbewegung mehr.

Proxied content from gemini://taz.de/%215696386 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215696386
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.