taz.de -- Kolumne Lügenleser: Die Gebote der Schluchtenscheißer
Wenn man glaubt, mehr rechts außen geht wirklich nicht mehr – dann kommt ein FPÖ-Minister eines österreichischen Bundeslandes daher.
Bild: So trocken das Land, so angestaubt die Minister: Szene aus Niederösterreich
Hallelujah! Es ist mal wieder soweit. Vor wahrscheinlich über 3000 Jahren stieg der Prophet Mose vom Berg Sinai herab, um dem Volk der Israeliten die Zehn Gebote zu präsentieren. Der ein oder andere Zeitgenosse mag sich erinnern, Alexander Gauland etwa wurde damals gerade eingeschult.
Die äußeren Umstände im damaligen Sachsen waren natürlich etwas anders, denn während im Mittelmeerraum um Troja gekämpft wurde und Tut-Anch-Amun in unvorstellbarem Prunk beerdigt wird, ist das „heilige Deutschland“ größtenteils damit beschäftigt, herauszufinden was Ackerbau ist.
Und ausgerechnet jetzt, mehrere tausend Jahre später und zu Zeiten grandioser Erfindungen wie dem hausgemachten Klimawandel, libyschen Foltergefängnissen für Flüchtlinge und europäischen Waffenlieferungen an Despoten, kommt ein Prophet aus dem bisher relativ unbekannten Ländchen Österreich daher und bringt uns erneut [1][Zehn Gebote]. Hallelujah & Kruzitürken! Dass wir das noch erleben dürfen.
Überraschenderweise handelt es sich nicht um den obersten Führer der rechtsnationalen Schluchtenscheisser, Heinz Christian-Strache himself, der frisch von seinen Neonazi-Wehrsportübungen aus den niederösterischischen Wäldern die Gebotstafeln zu seinen Jüngern bringt, sondern um einen seiner treuen Fußsoldaten.
Rituelle Fußwaschungen
Ein bis dato eher unbedeutunger Jünger der FPÖ erscheint stattdessen auf der Bildfläche: Landesrat Gottfried Waldhäusl, welcher die Dreifaltigkeit aus Hinterwäldlertum, Heimattümelei und einem nicht existenten Gott bereits im Namen trägt. Und wo uns damals so profane Gesetze wie „Du sollst Vater und Mutter ehren“ vor die Nase und neben das goldenen Kalb gesetzt wurden, verpflichtet der gebürtige Landwirt Waldhäusl beispielsweise sämtliche Asylbewerber dazu „Dankbarkeit gegenüber Österreich zu leben“.
Wie diese Dankbarkeit aussehen soll ist bisher nicht überliefert, Zwangsarbeit auf Waldhäusls Bauernhof oder die Eheschließung mit einem seiner drei Kinder liegen allerdings im Bereich des logisch Ableitbaren. Zumindest rituelle Fußwaschungen wären angebracht.
Die anderen Gebote sind offiziell noch nicht veröffentlicht. Ganz Europa ist gespannt darauf, was sich die dank der angeblichen „Besetzung“ im Zweiten Weltkrieg nie wirklich entnazifizierten „Fetznschädl“ aus dem putzigen Nachbarland so ausgedacht haben. Dank ausgezeichneter Kontakte zum Wurmfortsatz Deutschlands, ist es mir allerdings gelungen, einen ersten Einblick zu erhalten.
So heißt es in den in Steirisches Wurzelfleisch gemeißelten Geboten unter anderem „Du sollst deine Tochter im Keller halten und eine zweite Familie mit ihr zeugen“ und „Du sollst deine Sonnenkönige vollkommen betrunken bei einem Autounfall sterben lassen“. Diskutiert wird aktuell noch, ob das Gebot „Du sollst Rechtsextremisten mit Regierungsgeldern finanzieren“ einfach unter den Tisch gekehrt wird. Hallelujah!
Die [2][TAZ] möchte sich übrigens – in der jüngeren Tradition österreichischer Medien – ausdrücklich von diesem Beitrag distanzieren, denn: Satire darf alles, außer die Wahrheit aussprechen, lieber ORF.
14 May 2019
LINKS
[1] https://kurier.at/politik/inland/waldhaeusl-verpflichtet-asylwerber-zu-dankbarkeit/400492195
[2] https://www.taz.de/Kolumne-Flimmern-und-Rauschen/!5593494/
AUTOREN
Juri Sternburg
Österreich
FPÖ
Rechtspopulismus
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