taz.de -- Steuerpolitik in Haiti: Tagelöhner müssen für Reiche zahlen

Staatspräsident Moïse hat die Abgeordnetendiäten drastisch erhöht. Zahlen soll das die völlig verarmte Bevölkerung Haitis. Nun wird gestreikt.

Bild: Demo gegen die neue Steuer in Port-au-Prince

Berlintaz | Ausgebrannte Schrottautos, riesige Abfallhaufen auf Straßenkreuzungen und lodernde Reifen-Barrikaden haben in den letzten Tagen die Straßen von Port-au-Prince immer wieder in einen gefährlichen Slalomparcour verwandelt. Der öffentliche Nahverkehr der haitianischen Hauptstadt ist aufgrund eines weitgehend befolgten zweitägigen Busfahrerstreiks fast vollkommen lahmgelegt.

Der Protest richtet sich gegen das neue Steuergesetz der haitianischen Regierung von Staatspräsident Jovenel Moïse. Vor allem regt die arme Bevölkerung auf, dass der 49 Jahre alte Agrounternehmer jetzt über ein erhöhtes Budget von 2,2 Milliarden verfügt. Und die Abgeordneten sich gleichzeitig eine 74-prozentige Erhöhung ihrer Spesen, Abgeordnetendiäten, Mitarbeitergehälter und Reisekosten gegönnt haben.

Bezahlt werden sollen die Auslagen von den etwa elf Millionen Bürgern des Landes, von denen bis zu 80 Prozent am Rande oder unter dem Armutslevel von 1,50 Euro pro Tag leben müssen.

Besonders eine Verwaltungsgebühr für alle Bürger regt die Demonstranten auf. Umgerechnet rund 132 Euro Verwaltungssteuer im Jahr soll jeder bezahlen, der „staatliche Dienstleistungen“ in Anspruch nehmen will. Fahrer von Tap-Tap-Bussen, meist Tagelöhner, mit denen der nicht vorhandene öffentliche Nah- und Fernverkehr aufrechterhalten wird, müssen damit für ihre Fahrerlizenz mehr als ein Sechstel ihres durchschnittlichen Jahreseinkommens von 820 Euro für die Verwaltung berappen.

3 Oct 2017

AUTOREN

Hans-Ulrich Dillmann

TAGS

Haiti

Jovenel Moïse

ARTIKEL ZUM THEMA

Proteste gegen Regierung von Haiti: Armut und Korruption

Demonstranten fordern den Rücktritt von Staatschef Jovenel Moïse. Zuvor war bekannt geworden, dass Regierungsmitglieder Hilfsgelder veruntreut haben.

UN-Mission in Haiti: Skandale und Korruption

13 Jahre nach ihrer Entsendung verlässt die letzte Einheit der Blauhelme am Sonntag Haiti. Stabilität haben die Soldaten dem Land nicht gebracht.

Kanada empfängt Flüchtlinge aus den USA: Zelte an der Grenze

Zahlreiche Haitianer ziehen wegen Trumps Politik gen Norden. Kanada bereitet sich mit Notunterkünften auf steigende Flüchtlingszahlen vor.

Inspektor im Delirium: „Er ist eine Art Höllenmaschine“

Gary Victor und sein Übersetzer Peter Trier lesen aus dem Roman „Suff und Sühne“, der die Korruption Haitis und der UN-Mission MINUSTAH aufgreift

Proxied content from gemini://taz.de/%215451263 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215451263
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.