taz.de -- Sammelabschiebung nach Afghanistan: Abgeschobene in Kabul gelandet

Mehrere abgelehnte Asylbewerber sind von Düsseldorf aus abgeschoben worden. MenschenrechtsaktivistInnen haben am Flughafen protestiert.

Bild: Protest im Flughafen Düsseldorf gegen die Sammelabschiebung

Kabuldpa | Ein [1][Abschiebeflug aus Deutschland] mit abgelehnten Asylbewerbern ist am Mittwoch in Afghanistan gelandet. Die in Düsseldorf gestartete Maschine landete morgens auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt Kabul.

Mohammad Asif Abbasi, ein Sprechers des afghanischen Flüchtlingsministeriums, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass insgesamt elf abgelehnte Asylbewerber den Flug angetreten hätten, aber zunächst nur acht aus dem Flugzeug gebracht worden seien. Weitere Angaben über den Verbleib der drei weiteren Asylbewerber machte er nicht. Unter den Abgeschobenen auf dem Flug waren seinen Angaben zufolge drei Straftäter.

Auf dem Düsseldorfer Flughafen protestierten am frühen Abend Menschenrechtsaktivisten gegen die Abschiebung. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 180 Demonstranten an der Aktion. Zwischenfälle habe es keine gegeben, sagte ein Sprecher. Die Demonstranten hatten sich in der Abflughalle des Airports versammelt. Auf Transparenten und Schildern hieß es: „Abschiebungen stoppen“ und „Keine Abschiebungen in den Tod“.

Es ist die erste Sammelabschiebung nach Afghanistan seit dem Anschlag vom 31. Mai in Kabul, bei dem die deutsche Botschaft schwer beschädigt worden war. Hilfsorganisationen lehnen die Abschiebungen ab, weil die Situation in Afghanistan lebensgefährlich sei.

Pro Asyl hält den Abschiebeflug für ein Wahlkampfmanöver. „Man will ein Signal der Härte setzen, um kurz vor der Bundestagswahl im flüchtlingsfeindlichen Milieu nach Stimmen zu fischen“, hatte der Geschäftsführer der Organisation, Günter Burkhardt, der dpa in Berlin gesagt. Bisher hat Deutschland in etwa einem halben Dutzend Sammelflügen mehr als 100 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben.

13 Sep 2017

[1] /Sammelabschiebungen-aus-Duesseldorf/!5446533

TAGS

Schwerpunkt Flucht

Schwerpunkt Afghanistan

Abschiebung

Pro Asyl

ARTIKEL ZUM THEMA

Drohende Abschiebung nach Serbien: „Aus meinem Elternhaus gejagt“

Die 33-jährige Maja flüchtete vor häuslicher Gewalt nach Berlin. Heute berät der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses über ihre Zukunft.

Kommentar Asylpolitik in Deutschland: Wahlversprechen: Abschiebung

Die Parteien versuchen, aus gestrigen Debatten ein Antiflüchtlingsmenü für AfD-affine Wähler zu kochen. Von Integration ist kaum noch was zu hören.

„Bild“ feiert Sammelabschiebung: Hetze klickt sich gut

Am Dienstag fand eine Sammelabschiebung von acht Personen nach Afghanistan statt. Für die „Bild“-Zeitung ein „Flieger voller Sex-Täter“.

Sammelabschiebungen aus Düsseldorf: Scharfe Kritik von Hilfsorganisationen

Kurz vor der Wahl will die Landesregierung in Düsseldorf noch Sammelabschiebungen durchführen. Besonders die Rückführungen nach Afghanistan werden kritisiert.

Kommentar Sicherheitslage Afghanistan: Keine Deutschen unter den Opfern

Nach dem Anschlag in Kabul wurde zwar ein Abschiebeflug ausgesetzt. Doch die Bundesregierung hat ihre Skrupellosigkeit zu oft deutlich gezeigt.

Hamburger Dokfilmwoche: Der Zauber des analogen Kinos

Bei der 14. Hamburger Dokfilmwoche laufen die Produktionen „Deportation Class“ und „66 Kinos“: Darin geht es um Flüchtlinge und ambitionierte Lichtspielhäuser.

Sammelabschiebung nach Afghanistan: Rückflug ins Ungewisse

Deutschland hat erneut 15 Afghanen in ihre Heimat abgeschoben. Laut UNO gibt es seit Jahresbeginn etwa 50.000 Binnenflüchtlinge in Afganistan.

Rückführung in Krisenländer: Abschiebung mit zweierlei Maß

Die Regierung schiebt nach Afghanistan ab. Gleichzeitig warnt sie Kenia vor Rückführungen nach Somalia. Die Opposition spricht von „Bigotterie“.

Proxied content from gemini://taz.de/%215447163 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215447163
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.