taz.de -- Kommentar Israelischer Angriff: Warnung an Syrien, Iran und Russland

Israel hat wohl eine syrische Rüstungsfabrik angegriffen. Dabei geht es auch um unterschiedliche Vorstellungen von Syriens Zukunft.

Bild: Wenn israelische Kampfjets über israelischem Territorium bleiben, muss die Regierung auch nichts dementieren (Archivbild aus dem Jahr 2008)

Sechs Jahre lang hielt sich Israel aus dem Bürgerkrieg in Syrien heraus. Soweit lief alles nach Jerusalems Vorstellungen. Die libanesischen Hisbollah-Kämpfer hatten genug damit zu tun, den syrischen Truppen den Rücken zu stärken. Auf eine zweite Front legten sie es nicht an. Selten blieb es schon so lange so ruhig an der israelisch-libanesischen Grenze.

Beim Frieden, so das [2][Signal vom Donnerstag], das die israelische Luftwaffe mit dem Angriff auf die syrische Rüstungsfabrik gab, will die Regierung in Jerusalem hingegen nicht tatenlos zusehen.

Das Bündnis der russischen und iranischen Truppen war für die Israelis nur akzeptabel, solange es um den Kampf gegen die islamistischen Rebellen ging. Eine langfristige Präsenz des Iran in Syrien, möglicherweise sogar mit der Errichtung von Abschussbasen für Raketen, die in Sekunden noch den letzten Winkel Israels erreichen könnten, stehen außer Frage.

Die Regierung in Teheran zieht die Fäden der schiitischen Hisbollah im Libanon. Ein weiteres Truppenaufgebot iranischer Kämpfer oder ihrer Handlanger in Syrien würde jede Konfrontation an der libanesisch-israelischen Grenze automatisch auf die Golanhöhen übergreifen lassen.

Der Angriff von Israels Luftwaffe auf die syrische Rüstungsfabrik sollte nicht nur Syrien und der Hisbollah eine Warnung sein, sondern auch den Russen. Um Moskau nicht vor den Kopf zu stoßen, flogen die israelischen Piloten ihren Angriff via Libanon und schossen die Raketen aus dem libanesischen Luftraum ab. Trotzdem wird deutlich, dass Moskau und Jerusalem ganz unterschiedliche Vorstellungen von Syriens Zukunft haben.

Russlands Präsident Wladimir Putin dürfte es in erster Linie darum gehen, seine iranischen Kampfgenossen auch künftig zur Seite zu haben, um die Lage in Syrien zu stabilisieren. Eine iranische Präsenz in Syrien verspricht aus israelischer Sicht jedoch weder Sicherheit noch Stabilität. Sie ist genau im Gegenteil der Garant für eine Eskalation in der Region.

7 Sep 2017

[2] https://www.taz.de/Israelische-Kampfjets-in-Syrien/!5445940/

AUTOREN

Susanne Knaul

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