taz.de -- Dutzende Tote in Nigeria: Kampfjet greift Flüchtlingscamp an
Bei einem versehentlichen Angriff eines Kampfflugzeugs auf ein Flüchtlingslager sind in Nigeria Dutzende Menschen getötet worden.
Bild: Soldaten gegen Boko Haram in Nigeria – auch der Luftangriff sollte der Terrorgruppe gelten
Maiduguri(AP) | Ein nigerianisches Kampfflugzeug hat versehentlich ein Flüchtlingslager bombardiert und dabei Dutzende Menschen getötet. Unter den Toten und Verletzten seien auch örtliche Mitarbeiter des Roten Kreuzes und der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, erklärte Generalmajor Lucky Irabor am Dienstag in einer Pressemitteilung.
Das Rote Kreuz sprach von sechs getöteten Mitarbeitern und mindestens 13 Verletzten. Sie gehörten zu den Helfern, die im Lager Rann bei Kala Balge nahe der Stadt Maiduguri im nordöstlichen Bundesstaat Borno rund 25.000 Binnenflüchtlinge versorgen, wie die Organisation [1][auf Twitter erklärte].
Dem Militär zufolge wurden bei dem Angriff „Dutzende Tote“ befürchtet. Wie viele Menschen insgesamt getötet oder verletzt wurden, war den Angaben zufolge zunächst unklar. Der Luftangriff hatte demnach ursprünglich einer Versammlung von Mitgliedern der islamistischen Terrororganisation Boko Haram gelten sollen. Die Streitkräfte hätten Hubschrauber geschickt, um die Verletzten zu bergen.
Die sunnitischen Fundamentalisten der Boko Haram haben seit 2009 bei Angriffen und Anschlägen im Nordosten Nigerias und angrenzenden Gebieten mindestens 14.000 Menschen getötet. Rund 2,7 Millionen Menschen sind UN-Angaben zufolge vor der Gewalt geflohen.
17 Jan 2017
LINKS
[1] https://twitter.com/ICRC_Africa/status/821408284263534593
Nigeria
Boko Haram
Flüchtlinge
ARTIKEL ZUM THEMA
Entwicklungshilfe für Nigeria: „Wer hat das Geld bekommen?“
Nigeria erhält reichlich humanitäre Hilfe für die Opfer des Boko-Haram-Kriegs. Eine lokale NGO verfolgt nun, ob das Geld auch ankommt.
Nach dem Massaker in Nigeria: Die Trauer der Schiiten
Die nigerianische Armee tötete vor gut einem Jahr viele Angehörige der schiitischen Minderheit. Sie hatte Angst vor einer islamistischen Rebellion.
Asyl für Frauen: Besonders schutzlos
Flüchtlingsfrauen waren oft in ihrer Heimat besonders bedroht. Auch in deutschen Unterkünften sind sie in Gefahr. In Schleswig-Holstein fordern nun Experten ein Schutz-Konzept.
Islamisten in Nigeria: Boko Haram schon wieder besiegt
Erneut verkündet Präsident Buhari den Sieg über die Miliz: Ihr Hauptquartier im Sambisa-Wald ist gefallen. Aber viele Kämpfer sind längst woanders.
Flüchtlingspolitik im Tschad: Mittendrin am Rand
Im Tschad finden mehr Menschen Zuflucht, als dass sie emigrieren. Trotz der zentralen Lage, stand das Land deshalb bisher oft weniger im Fokus der EU.
Flüchtlingspolitik in Algerien: Strafen für alles
Algerien ist Vorbild in der Migrationskontrolle: Ausreisen werden bestraft, das Land nimmt Abgeschobene zurück. Dennoch gilt die Führung als schwieriger Partner.