taz.de -- Angst vor Flucht aus Ägypten: Bald noch ein Flüchtlingsabkommen?

Nach Frontex-Angaben entwickelt sich Ägypten zu einem wichtigen Standpunkt für Schlepper. Martin Schulz (SPD) schlägt deshalb ein Abkommen mit dem Land vor.

Bild: Der Hafen von Rosetta, Ägypten. Die Küste des Landes wird für Schlepper immer attraktiver

Münchenepd/afp/dpa | EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) hat ein europäisches Flüchtlingsabkommen mit Ägypten vorgeschlagen, das sich an der Vereinbarung mit der Türkei orientieren soll. Damit solle dem Umstand Rechnung getragen werden, dass immer mehr Flüchtlinge von Nordafrika aus die Flucht über das Mittelmeer wagen, sagte Schulz der Süddeutschen Zeitung. „Diesen Weg müssen wir einschlagen“, forderte er.

Ägypten entwickelt sich nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zu einem immer wichtigeren Startpunkt für Schlepperboote nach Europa. Die Odyssee von dort sei besonders gefährlich und dauere oft länger als zehn Tage. Beim Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der ägyptischen Mittelmeerküste waren erst am Mittwoch [1][mindestens 51 Menschen gestorben.]

Der Schutz der Flüchtlinge und die Bekämpfung des Schlepperwesens müssten im Vordergrund stehen, sagte Schulz. Am EU-Türkei-Abkommen zeige sich, dass eine solche Zusammenarbeit möglich sei, ohne eigene Prinzipien aufzugeben.

Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass alle illegal in Griechenland eingereisten Schutzsuchenden in die Türkei abgeschoben werden. Für jeden zurückgeschickten syrischen Flüchtling darf seit dem 4. April ein anderer Syrer aus der Türkei legal und direkt in die EU einreisen.

In der EU und in der Bundesregierung wächst die Sorge, dass künftig aus Ägypten weit mehr Flüchtlinge kommen könnten – vor allem, wenn die wirtschaftliche Lage der 92 Millionen Einwohner sich weiter verschlechtert. Ägypten hat sich nach Libyen zum zweitwichtigsten Ausgangsland für Migranten entwickelt, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Jeder zehnte beginnt seine Reise hier, berichtete die SZ unter Berufung auf die Bundesregierung.

23 Sep 2016

[1] https://taz.de/Schiffsunglueck-vor-Aegypten/!5342753/

TAGS

Mittelmeer

Ägypten

Fluchtrouten

Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan

ARTIKEL ZUM THEMA

An der bulgarisch-türkischen Grenze: Start für neue EU-Grenzschutzagentur

Die neue EU-Grenzschutzagentur hat ihre Arbeit aufgenommen. EU-Innenkommissar Avramopoulos sprach in Bulgarien von einem „historischen Tag“.

Flüchtlingslager in Griechenland: Der Traum von Europa ist vorbei

Im Lager Amygdaleza sind Menschen untergebracht, die angeblich freiwillig in ihre Heimat zurückwollen. Als Anreiz gibt's 500 Euro pro Kopf.

Kommentar Wiener Flüchtlingsgipfel: Vor allem Grenzen sichern

Es ging in Wien nicht darum, die Migration in geordnete Bahnen zu lenken. Die europäische Flüchtlingspolitik war schon mal weiter.

Wiener Flüchtlingsgipfel: Flüchtlingsabwehr lautet die Devise

Beim Flüchtlingsgipfel sind alle zufrieden mit der Schließung der Balkan-Route. Griechenland soll geholfen werden.

Flüchtlingsgipfel in Wien: Merkel verspricht weitere Hilfe

Gastgeber Österreich war entscheidend an der weitgehenden Schließung der Balkanroute beteiligt. Ein Gipfel der angrenzenden Staaten versuchte eine Bilanz.

Flüchtlingsboot verunglückt: Mindestens 42 Menschen ertrunken

Vor der Küste von Alexandria ist ein Boot mit mehreren Hundert Flüchtlingen gesunken. Vier Menschen sind in der Folge inzwischen festgenommen worden.

Bundeswehreinsatz im Mittelmeer: 650 Soldaten auf Nato-Mission

Den Seeraum überwachen, Schiffe nach mutmaßlichen Terroristen durchsuchen – das soll die Nato-Operation „Sea Guardian“. Aber es gibt noch eine weitere Funktion.

Flüchtlingshilfe durch Linkenpolitiker: Schleuser und stolz darauf

Der Linke Diether Dehm hat einen minderjährigen Flüchtling nach Deutschland transportiert. Er hatte ihn im Kofferraum seines Autos versteckt.

Geflüchtete auf dem Mittelmeer: Flüchtlingshelfer festgenommen

Wieder konnten 2.300 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet werden. Die libysche Küstenwache nahm unterdessen zwei deutsche Flüchtlingshelfer fest.

Flucht durch Libyen: Ohne Lösegeld geht nichts

Milizen halten afrikanische Migranten an der Küste als Geiseln fest. Für die Reise nach Europa müssen sie sich freikaufen.

Kommentar Flüchtlinge aus Afrika: Wir brauchen neue Spielregeln

Deutschland will Fluchtursachen in Afrika bekämpfen. Doch wer Diktaturen stärkt, die selbst die Fluchtursache sind, kommt nicht weit.

Proxied content from gemini://taz.de/%215342774 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215342774
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.