taz.de -- Dokumentarfilm über Musiker aus Chile: Der Klang der Solidarität

In „El Viaje“ folgt Rodrigo Gonzalez, Bassist der Ärzte, der Spur der Musik, die sein Vater immer spielte: Protestsongs aus Chile.

Bild: Rodrigo Gonzalez und der Musiker Eduardo Yañez in der Gedenkstätte für die Opfer der Diktatur im Estadio Nacional in Santiago de Chile.

Mit sechs Jahren kam Rodrigo González 1974 aus Chile nach Hamburg. Wie so viele andere hatten seine Eltern, linke Anhänger des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 das Land verlassen müssen. Sein Vater war ein Musiker der Generation der „Nueva Canción Chilena“, die einst durch Victor Jara – 1973 ermordet – und Violeta Parra berühmt wurde. Der Vater sorgt dafür, dass die chilenischen Protestsongs und der Kampf um Freiheit und Menschenrechte präsent bleiben im Hause Gonzalez.

Heute ist „Rod“ schon seit über 20 Jahren Bassist der Band Die Ärzte und erfolgreicher Produzent und Solomusiker. „El Viaje“ folgt einer Filmidee, die er gemeinsam mit seinem ebenfalls als Sohn von Exilchilenen in Deutschland aufgewachsenen Freund entwickelt hat, dem Regisseur Nahual Lopez: Die Idee führt sie nach Chile.

Rodrigo taucht ein in die musikalische Welt, die bis heute vom kulturellen wie politischen Erbe der 70er Jahre geprägt ist, ohne aber in der Zeit stehen geblieben zu sein. Nach und nach bekommen wir Musiker vorgestellt wie „Macha“, Chef der Cumbia-Ska-Band Chico Trujillo, heutige Singer-Songwriter*innen wie Camila Moreno, Chinoy oder Alonso Núñez.

Wir begleiten Rod zu seinen Treffen mit dem inzwischen 75-jährigen Mitbegründer von Quilapayún, mit Inti-Illimani seinerzeit die bekannteste Politformation, deren Hymne „El Pueblo Unido“ jahrzehntelang die Chile-Solidarität musikalisch überwölbte.

Anders als die Presseankündigungen ist der Film angenehm frei von „Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln“-Gedöns. Rod ist fasziniert von den Musikern, die er trifft, er ist selbst Musiker genug, um sofort eine Ebene zu finden.

Aber ihre Musik ist nicht seine. Es ist die seiner Eltern, seines Vaters, der Chilenen. „Hab ich nun auf dieser Reise etwas für mein Leben gelernt? Vielleicht ja, vielleicht auch nicht“, sagt Rodrigo in den Schlussminuten. Das ist schnörkellos. Passt.

11 Aug 2016

AUTOREN

Bernd Pickert

TAGS

Chile

Die Ärzte

ARTIKEL ZUM THEMA

Die Ärzte mit Sozialticket: Mehr als nur guter Musikgeschmack

Dass die Eintrittspreise immer nur nach oben gehen, muss nicht sein. Die Ärzte bieten für ihre Berliner Konzerte nächstes Jahr verbilligte Sozialtickets an.

Sänger der Manic Street Preachers: 100 MPs und eine Huldigung

James Dean Bradfield, Sänger der Popband Manic Street Preachers, veröffentlicht eine gelungene Hommage an den chilenischen Sänger Victor Jara.

David Toop über lebendige Musik: „Da lief Bach, ich wurde sauer“

Der britische Musiker und Autor David Toop über die Wiederkehr der Improvisation und den Kampf um Spontaneität – sowohl in Texten als auch in der Musik.

Argentinischer Musik- und Tanzfilm: Der Mond über der Ebene

Schmerz ist der Motor der hochemotionalen Bewegungen in „Argentina“. Der neue Film von Regisseur Saura reiht sich in sein „Erinnerungskino“ ein.

Proxied content from gemini://taz.de/%215329748 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215329748
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.