taz.de -- Flüchtlingslager in Calais: Aus Protest den Mund zugenäht

Flüchtlinge wehren sich weiter gegen die Teilräumung des Lagers am Ärmelkanal. Mehrere Iraner ließen sich mit Nadel und Faden den Mund zunähen.

Bild: Stummer Protest: Flüchtling mit zugenähtem Mund in Calais.

Calaisafp | Aus Protest gegen die Teilräumung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais haben sich erneut mehrere Iraner den Mund zunähen lassen.

Die teilweise maskierten Flüchtlinge ließen sich den Mund am Donnerstag in dem als „Dschungel“ bekannten Lager vor Pressefotografen und TV-Kameraleuten mit Nadel und Faden zunähen. Dabei wurde ein Schild mit der Aufschrift „Will you listen now?“ (Hört Ihr jetzt zu?) hochgehalten.

Bereits am Mittwoch hatten sich mehrere iranische Flüchtlinge in Calais den Mund zunähen lassen, um so gegen die Räumung des südlichen Lagerabschnitts zu protestieren. Die französischen Behörden lassen diesen Teil des Lagers gerade räumen und reißen die von den Flüchtlingen errichteten Hütten ab. Am Montag kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen protestierenden Flüchtlingen, Aktivisten und der Polizei.

Die Behörden bieten den Flüchtlingen zwar Plätze in Aufnahmezentren in anderen französischen Regionen an; die meisten Flüchtlinge lehnen das aber ab. Sie hoffen, von Calais aus auf Fähren oder durch den Eurotunnel heimlich nach Großbritannien zu gelangen.

In Abkommen mit dem Nachbarn hat Frankreich sich verpflichtet, die Flüchtlinge von einer Überfahrt über den Ärmelkanal abzuhalten. Im Gegenzug beteiligt sich Großbritannien an den dafür anfallenden Kosten - weitere 20 Millionen Euro sind nach Angaben der französischen Regierung zugesagt.

Bereits im Sommer hatte London die Finanzmittel für Paris erhöht, nachdem immer wieder hunderte Flüchtlinge versucht hatten, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

3 Mar 2016

TAGS

Calais

Schwerpunkt Flucht

Flüchtlinge

Räumung

Protest

ARTIKEL ZUM THEMA

Autobahnblockade in Frankreich: Protest gegen „Dschungel“ von Calais

Lkw-Fahrer, Landwirte und Geschäftsleute demonstrieren in Frankreich für die Räumung des Flüchtlingslagers in Calais.

Flüchtlingslager in Calais: Gewaltausbruch im „Dschungel“

Während der Essensausgabe kommt es in dem Camp zu Auseinandersetzungen. Einige Personen erleiden Messer- und Schussverletzungen.

Flüchtlingslager in Calais: Polizei und Bauarbeiter räumen weiter

Bauarbeiter reißen mit Hilfe der Polizei den dritten Tag in Folge Hütten im „Dschungel“ ab. Mehrere Unterkünfte sind in der Nacht niedergebrannt.

Flüchtlingslager in Calais: Widerstand gegen Räumung

Bei der umstrittenen Teilräumung des Flüchtlingslagers kommt es in Calais zu Auseinandersetzungen. Die Polizei setzt Tränengas ein.

Flüchtlingslager in Calais: Der „Dschungel“ wird geräumt

Mit Bulldozern haben Arbeiter im südlichen Teil des Lagers rund 20 Hütten abgerissen. Ein Großaufgebot der Polizei begleitete den Einsatz.

Proxied content from gemini://taz.de/%215283899 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215283899
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.