taz.de -- Studie über Flüchtlinge und Kinderarmut: Aus dem Krieg in die Armut
Der Anteil der Kinder in Deutschland, die in Armut leben, stagniert. Geflüchtete Kinder sind besonders häufig von Armut betroffen, deshalb dürfte die Quote nun steigen.
Bild: Werden wahrscheinlich arm bleiben: Kinder spielen in einer Flüchtlingsunterkunft in Hessen.
Berlindpa | Fast jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen. Nach einer [1][Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI)] in Düsseldorf liegt der Anteil bei 19 Prozent. Im Verlauf der vergangenen Jahre stagnierte die Kinderarmut. Im Vergleich zum Höchststand Mitte der 2000er Jahre ist sie gesunken, könnte aber durch den Flüchtlingszuzug wieder ansteigen, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie.
Dabei gibt es nach Angaben des WSI der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung große regionale Unterschiede. Während in Bremen 33,1 Prozent, in Sachsen-Anhalt 28,7 Prozent und im Regierungsbezirk Düsseldorf 25,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen in armen Haushalten leben, sind es in den Regierungsbezirken Oberbayern, Oberpfalz und Tübingen lediglich 9,1 bis 10,5 Prozent.
Vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung könnte die Kinderarmut in den kommenden Jahren spürbar steigen, erwartet WSI-Sozialexperte Eric Seils. Entscheidender Faktor, um Kinderarmut zu verhindern, seien Berufstätigkeit und existenzsichernde Einkommen der Eltern. Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge seien deshalb nicht zielführend.
Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle derzeit bei einem Nettoeinkommen von weniger als 1926 Euro im Monat. Im Jahr 2014, dem letzten, für das aktuell Mikrozensus-Daten vorliegen, lebten demnach rund 2,47 Millionen Kinder in Armut.
11 Jan 2016
LINKS
[1] http://www.boeckler.de/wsi_62998.htm
Kinderarmut
Schwerpunkt Flucht
Flüchtlinge
Hans-Böckler-Stiftung
ARTIKEL ZUM THEMA
Studie zu Alleinerziehenden: Immer mehr Kinder leben in Armut
Kinder von Alleinerziehenden leben fünfmal häufiger in Armut als Kinder aus einem Paarhaushalt, so eine Studie. Die Familienpolitik bekämpfe Armut zu unwirksam.
Kommentar Niedriglöhne für Flüchtlinge: Heikle Konkurrenz
Flüchtlinge vom Mindestlohn auszunehmen, macht sie zur Dumping-Konkurrenz für Beschäftigte. So werden Schwache gegeneinander aufgehetzt.
Junge Flüchtlinge sollen in Zelte: Durchs Raster gefallen
Weil sie beim Amt nicht mehr als jugendlich gelten, aber auch keine AsylbewerberInnen sind, wurden mehrere Flüchtlinge obdachlos.
Sicherheitsbranche und Flüchtlinge: Ohne Plan zum Wachschutz
Wegen der Flüchtlinge boomt die Sicherheitsbranche: 10.000 Stellen sind in den letzten Monaten entstanden. Das bringt neue Probleme.
Armut in Deutschland: Kein Herz für Kinder
Die Politik nimmt Armut nicht ernst, kritisiert die Nationale Armutskonferenz. Vor allem Kinder und Alleinerziehende seien Leidtragende.
Kinderarmut in Deutschland: Das Elend der Kleinsten
Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren wächst laut Bertelsmann-Stiftung unterhalb der Armutsgrenze auf. 1,15 Millionen leben in Familien ohne staatliche Unterstützung.
25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: „Kindeswohl muss Vorrang haben“
Vor 25 Jahren wurde die UN-Konvention beschlossen. Die Grüne Franziska Brantner über die fehlende Verankerung im Grundgesetz und wieso sie das ändern will.
Lebensverhältnisse in Deutschland: Jeder Sechste lebt in Armut
Deutschland ist ein sehr reiches Land. Trotzdem sind rund 13 Millionen Menschen von Armut bedroht. Einige Bevölkerungsgruppen sind besonders betroffen.