taz.de -- Kolumne Kreaturen: Das kurze Pony kommt zurück

Igelfarben, neue Elefantenmodelle und noch flachere Flundern: die Tiertrends 2016 von der Consumer Animalic Show in Las Vegas.

Bild: Die Sondermodelle 2016 sind da!

Längst ist sie als wichtigstes Branchentreffen der Evolution ein Fixpunkt in den Kalendern der Biologen: Die Consumer Animalic Show (CAS), die am Mittwoch zu Ende gegangen ist, lockte auch dieses Jahr wieder 8.000 Fachbesucher und Journalisten aus aller Welt nach Las Vegas. Sie durften ausprobieren und bestaunen, was ab dem Frühjahr weltweit in Wäldern, Wüsten und Meeren zu finden sein wird. Die taz fasst die wichtigsten Erkenntnisse der CAS zusammen und nennt die Tiertrends 2016.

Unter Wasser: Jedes Jahr werden die Flundern noch flacher und zugleich – es ist EM- und Olympia-Jahr! – größer. Durch den Einbau von smarten Oberflächen mutieren sie zum Alleskönner am Meeresgrund. Die Killerwale haben derweil das [1][lange geforderte] Rebranding vollzogen und heißen aus Imagegründen ab März „Seepandabären“.

Elefanten: Der graue Gigant gehört auch in diesem Jahr zu den Powertieren im Garten- und Geländeeinsatz. Optisch unterscheidet sich die neue Version kaum vom Vorgänger, unter der Haut hat sich aber einiges getan. Die Zahl der Kleinteile konnte dank effizienterem Knochenmanagement auf rund 300 reduziert werden, dafür wurde in den Rüssel investiert, dessen neueste Generation 45.000 statt bisher 40.000 Muskeln beinhaltet. Mit einem Verbrauch von bis zu 150 Liter Wasser an Spitzentagen entspricht der Rüsselriese allerdings nicht gerade dem Trend zur Nachhaltigkeit.

Nashörner: Da lassen sich die Rhinozerosse natürlich nicht lumpen und haben ihrem Spitzenmodell, dem Breitmaulnashorn, eine Generalüberholung verpasst. Ein kräftigeres Heck und ein verlängertes Horn sollen die wohlhabende Zielgruppe „männlich 50+“ ansprechen. Dazu kommt ein Plus an PS und Leistungskraft, das aber eigentlich nur auf dem Papier der Hochglanzbroschüren beeindruckt – denn sinnvoll einzusetzen vermögen es die wenigsten Endkunden. Und wie sich die veränderten Proportionen im Windkanal behaupten, bleibt abzuwarten. Fazit: Ein „schweres Jahr“ für die Rhinos.

Konvergenz: Erneut ganz weit oben auf der Agenda stand das Internet of Animals, das eine Connectivity über Artgrenzen ermöglichen soll. Noch immer das größte Problem sind die unzähligen Schnittstellen der Fauna. Hier wurde allerdings in Las Vegas von der Normenkontrollkommission ein ermutigender Bericht vorgestellt.

Equidae: Zuletzt waren kurze Ponys in den 90ern en vogue – zu Zeiten von Loveparade und bunten Haaren. Diese Saison kommt der Trend zurück: Das argentinische Miniaturpony Falabella liegt in einer noch kompakteren Variante vor, es ist jetzt gerade mal schafsgroß. Das leichte Hechtprofil des Kopfes unterstützt diese Anmutung. Ebenfalls angesagt: der tiefe Pferdeschwanz.

Farben und Oberflächen: Ruby-Eyed Cinnicot, Champagne Snowflake, Algerian Dark Grey – schon immer klangen [2][Zuchtigel-Farben] wie eine Mischung aus Teesorten und Instagram-Filtern. 2016 neu im Programm: Peruvian Ginger und Sorbet Bricolage. In der Vogelwelt ist hingegen Blau-Orange das neue Schwarz, der Eisvogel der Trendsetter der Saison. Zeitlos gut: Animal Prints.

15 Jan 2016

[1] http://images-cdn.9gag.com/photo/a8WYmdp_700b_v3.jpg

[2] http://www.hedgehogcentral.com/colorguide.shtml

AUTOREN

Michael Brake

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