taz.de -- Cyberangriff auf die Klimakonferenz: Anonymous hackt den Gipfel

Am Mittwoch war es noch eine Ankündigung, inzwischen ist es wohl passiert. Anonymous hat sich in die Homepage der COP 21 gehackt.

Bild: Ein Demonstrant mit Guy-Fawkes-Maske steht bei den Klimaprotesten der Pariser Polizei gegenüber

Berlintaz | Das Hackerkollektiv Anonymous hat die Website der Klimakonferenz-Organisatoren angegriffen und dabei geheime Daten von 1.415 Delegierten des UN-Klimagipfels in Paris ausgespäht und veröffentlicht. [1][Wie der Guardian berichtet], reagiert Anonymous damit auf die Verhaftung einiger AktivistInnen bei den Ausschreitungen in der Pariser Innenstadt am Sonntagnachmittag. [2][Dabei lieferten sich DemonstrantInnen Auseinandersetzungen mit der Polizei]. Es kam zu über 200 Verhaftungen, [3][zwei Personen wurden am Dienstag in einem Schnellverfahren verurteilt].

Bei den von der Homepage der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) entwendeten Daten handele es sich um Namen, Nutzerdaten, E-Mails und Telefonnummern von Offiziellen sowie geheime Fragen und Antworten. Die betroffenen Delegierten sollen aus Großbritannien, der Schweiz, Peru, Frankreich und den USA stammen.

„Für die UNFCCC ist das peinlich“, zitiert der Guardian Oliver Farnan, einen Sicherheitswissenschaftler der Universität Oxford. Die verwundbare Stelle sei lange bekannt gewesen, sagte Farnan weiter. Zudem basierte die Passwort-Verschlüsselung auf einem alten und schwachen Algorhitmus.

Die Attacke war bereits erwartet worden. Bereits am Mittwoch äußerten sich Mitglieder aus dem Organisationsteam der Konferenz [4][gegenüber taz]: „Wir haben von unserem IT-Sicherheitsleuten die Warnung bekommen, dass Anonymous einen Angriff vorbereitet. Im Internet sind schon mehrere mögliche Angriffspunkte auf unserer Homepage veröffentlicht worden.“ Daraufhin habe die französische Behörde für IT-Sicherheit ANSSI die elektronische Sicherung der Konferenz übernommen. Anscheinend ohne Erfolg.

Wer hinter Anonymous steht, ist unklar. Hinter dem vermeintlichen Hackerkollektiv verstecken sich Akteure mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, die lediglich die gleiche Tarnidentität verwenden. In den vergangenen Wochen hat Anonymous mehrfach auf sich aufmerksam gemacht. Zunächst hat das Kollektiv [5][mehrere hundert Namen von Mitgliedern des rassistischen Ku-Klux Klan veröffentlicht]. Nach den anschlägen in Paris Mitte November kündigten die Hacker dann [6][Aktionen gegen den „Islamischen Staat“] an.

3 Dec 2015

[1] http://www.theguardian.com/environment/2015/dec/03/paris-climate-summit-hackers-leak-login-details-of-more-than-1000-officials?CMP=twt_a-environment_b-gdneco

[2] http://taz.de/Proteste-zur-Klimakonferenz/!5252448/

[3] http://taz.de/Nach-den-Klima-Protesten-in-Paris/!5257735/

[4] http://taz.de/Spionage-beim-Klimagipfel/!5257779/

[5] http://taz.de/Operation-KKK/!5249067/

[6] http://taz.de/Kampagne-gegen-IS-Inhalte-im-Netz/!5250386/

AUTOREN

Ronny Müller

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