taz.de -- Majestätsbeleidigung in Thailand: Geschmierte Königstreue

Die regierenden Putschisten inszenieren sich als Bewahrer der Monarchie. Dabei soll millionenschwere Korruption im Spiel gewesen sein.

Bild: Sieben gewaltige Statuen von früheren Königen stehen im Rajabhakti Park in der Küstenstadt Hua Hin.

Bangkoktaz | Eigentlich wollte sich Thailands Militärjunta mit dem Rajabhakti Park in der Küstenstadt Hua Hin ein Denkmal setzen. Im Zentrum des weitläufigen Parks, der erst im September mit großem Pomp eröffnet worden ist, stehen sieben gewaltige Statuen von früheren Königen. Thailands Generäle inszenieren sich seit jeher als Bewahrer der Monarchie. Der Park sollte diesen Anspruch unterstreichen.

Stattdessen ist er zur bislang größten Belastungsprobe für das Regime geworden. In den vergangenen Tagen haben Sicherheitskräfte mehrere Gruppen von Aktivisten festgenommen, die zu dem Park reisen wollten. Ein massiver Korruptionsskandal hängt über dem rund 28 Millionen Dollar teuren Projekt. Für die Junta ist das besonders heikel: Denn die Generäle haben ihren Staatsstreich im Mai des vergangenen Jahres auch damit begründet, dass gewählte Politiker zu korrupt seien, um das Land weiter anzuführen.

Anfang November machten bislang unbekannte Armeevertreter die Medien darauf aufmerksam, dass es bei der Finanzierung des Parks zu fragwürdigen Geschäften gekommen sei. Die Rede war von überteuerten Einkaufspreisen und hohen Provisionen an Mittelsmänner.

Die Junta reagierte wütend und wies die Vorwürfe brüsk zurück. Wenige Tage später erklärte die Armee hastig, eine interne Untersuchung habe ergeben, dass es beim Bau des Parks keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Die tollpatschige Aktion löste einen landesweiten Aufschrei aus. Nun soll es eine weitere Untersuchung geben. Diese soll jedoch erneut die Armee durchführen.

Am vergangenen Wochenende nahmen Sicherheitskräfte rund drei Dutzend Studenten fest, die im Park auf die Korruptionsvorwürfe aufmerksam machen wollten. Soldaten trennten den Zugwaggon ab, in dem die Aktivisten reisten, und nahmen sie später in Gewahrsam. Einen Tag später wurden sie wieder freigelassen.

Versammlungen verboten

Thailands Machthaber Prayuth Chan-ocha erklärte, die Studenten seien lediglich gestoppt worden, um sie vor Gegendemonstranten zu schützen. „Wenn sie gestorben oder verletzt worden wären, dann wäre wieder die Regierung beschuldigt worden”, sagte Prayuth.

Auf Fernsehaufnahmen waren tatsächlich Gegendemonstranten an dem Waggon zu sehen, in dem die Studenten festsaßen, und die sie anschrien und beleidigten. Eigentlich sind seit dem Putsch Versammlungen von mehr als fünf Personen und politische Kundgebungen verboten. Pro-Regime-Kundgebungen lassen die Behörden jedoch stets gewähren.

So auch vor zwei Wochen, als etwa 200 monarchistische Demonstranten, angeführt von einem nationalistischen Mönch, vor der US-Botschaft in Bangkok protestierten. Die Demonstranten forderten den Rauswurf des neuen amerikanischen Botschafters Glyn T. Davies.

Davies hat kurz zuvor während einer Podiumsdiskussion die drakonischen Haftstrafen kritisiert, die Gerichte und Militärgerichte seit dem Putsch gegen Angeklagte verhängen, die das Königshaus beleidigt haben sollen. Kritik am Königshaus ist in Thailand streng verboten und wird als Schwerverbrechen gegen den Staat behandelt. Erst kürzlich haben Militärrichter zwei Angeklagte zu 50 und zu 60 Jahren Haft verurteilt. Die Strafen wurden halbiert, da die Verurteilten ihre angeblichen Verbrechen gestanden haben.

Nun ermitteln die Behörden nach einer Anzeige auch gegen den US-Botschafter selbst. Die Ermittlungen sollen klären, ob Davies mit der Kritik am Gesetz gegen Majestätsbeleidigung gegen dieses Gesetz verstoßen hat.

10 Dec 2015

AUTOREN

Sascha Zastiral

TAGS

Thailand

Monarchie

Junta

Majestätsbeleidigung

ARTIKEL ZUM THEMA

Thailands marodes Feudalsystem: Südostasiens Absurdistan

Mit dem Putsch vom Mai 2014 hat die Armee das Land in düsterste Zeiten katapultiert. Die Methoden der alten Eliten werden immer bizarrer.

Thailands Herrscherhund: Der Tod des royalen Wauwau

Der Hund des Königs ist tot. Doch ein Verfahren läuft weiter: Ein Mann soll sich abfällig über das Tier geäußert haben. Ihm drohen 37 Jahre Haft.

Regierungskrise in Thailand: Demokratie à la „Thai-Style”

Der vom Militär eingesetzte Reformrat hat den neuen Verfassungsentwurf abgelehnt. Für großen Unmut sorgte eine in letzter Minute hinzugefügte Klausel.

Debatte Militärputsch in Thailand: Land des gefrorenen Lächelns

Der Putsch hat ein Ende der Krise in noch weitere Ferne gerückt. Die Generäle bieten keine Lösungen, sondern verfolgen nur eigene Interessen.

Proxied content from gemini://taz.de/%215256681 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215256681
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.