taz.de -- Kommentar Grüne und Garzweiler: Peinliche Treue

Die Grünen in NRW schweigen zur Kritik am Umgang mit den DemonstrantInnen von Garzweiler. Das macht sie unglaubwürdig.

Bild: Polizeikessel in Garzweiler am 15.8.2015

Ein [1][Polizeieinsatz] mit [2][klar dokumentierter Gewalt] gegen [3][friedliche Anti-Braunkohle-Demonstranten]. [4][Deutliche Hinweise] auf [5][gemeinsames Vorgehen von Polizei und einem privaten Sicherheitsdienst]. Förmliche Beschwerden gegen die [6][Einschränkung der Pressefreiheit].

Ein Bericht des zuständigen Ministeriums, der offensichtliche Widersprüche enthält und praktisch alle Vorwürfe bestreitet. Und ein Innenminister, der die Sitzung verlässt, bevor über den Polizeieinsatz und den Bericht gesprochen wird. Es gab Zeiten, da hätten die Grünen so etwas als Skandal bezeichnet.

Doch das ist Geschichte. In Nordrhein-Westfalen jedenfalls gibt es von Landtagsfraktion und Parteivorsitz der Grünen seit der Blockade des RWE-Tagebaus Garzweiler mit anschließender Massenfestnahme vor gut zwei Wochen kein kritisches Wort zu hören.

Keine Pressemitteilung, kein Positionspapier, nichts. Auf Nachfrage ringt sich die Parteivorsitzende die sensationelle Aussage ab, die Grünen „begrüßen“ eine „ausführliche Auswertung des Demonstrationsgeschehens“. Auf eine Bewertung will die Partei bis dahin verzichten.

Der Hintergrund dieser Zurückhaltung ist klar: Die Grünen sind in Nordrhein-Westfalen Teil der Landesregierung, die Verantwortung für den Polizeieinsatz in Garzweiler trägt. Kritik am SPD-Innenminister Ralf Jäger, der vor Parlament und Presse zu den Vorwürfen schweigt, widerspricht wohl der Koalitionsräson.

Doch mit dieser Nibelungentreue macht die Partei einen schweren Fehler. Dass die Grüne Jugend die Proteste gegen den Tagebau unterstützt, während die Mutterpartei zur Kritik am Umgang mit den Demonstranten schweigt, schafft ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Das wird den Grünen auf die Füße fallen. Spätestens wenn sie wieder in der Opposition sind und Polizeiübergriffe wie in Garzweiler zu Recht kritisieren werden.

1 Sep 2015

[1] http://www.taz.de/!5222919/

[2] http://www.taz.de/Gewalt-bei-Garzweiler-Protesten/!5222151/

[3] http://www.taz.de/!5224541/

[4] http://www.taz.de/!5224546/

[5] http://www.taz.de/!5222919/

[6] http://www.taz.de/!5220585/

AUTOREN

Malte Kreutzfeldt

TAGS

Polizei

Braunkohle

RWE

Garzweiler

Bündnis 90/Die Grünen

Grüne Jugend

ARTIKEL ZUM THEMA

Klimacamp gegen Braunkohle: Lautstarker Protest gegen Tagebau

800 Menschen demonstrieren gegen den Braunkohleabbau in NRW. Noch bis zum 29. August dauert das Protestcamp in Lützerath.

Proteste in Garzweiler: NRW macht Druck auf WDR

Abgeordnete von CDU und SPD kritisieren die Berichterstattung über die Braunkohle-Proteste. Der WDR hätte Straftaten gerechtfertigt.

Schwächelnde RWE-Aktie: Osnabrück verzichtet auf 200 Millionen Euro

Mehrere Millionen Aktien des kriselnden Energiekonzerns RWE besitzt der Landkreis Osnabrück. Jetzt stolpert deren Wert von einem Tief zum nächsten.

Proteste in Garzweiler: Polizei und Grüne schweigen

Es gibt Zweifel an Polizeiangaben zu den Garzweiler-Protesten. Bilder belegen die Zusammenarbeit zwischen RWE und Polizei.

Gewalt bei Garzweiler-Protesten: RWE lehnte Deeskalation ab

Polizei und RWE weisen sämtliche Vorwürfe zum Garzweiler-Einsatz zurück. Obwohl Videos und Augenzeugen diese belegen.

Polizeieinsatz in Garzweiler: Kritik an Kooperation mit RWE

Der Stromkonzern hat nicht nur die Polizisten massiv unterstützt. Er soll auch einen Vorschlag zur Deeskalation abgelehnt haben.

RWE-Tagebau Garzweiler blockiert: Widerstand in der Mondlandschaft

Hunderte DemonstrantInnen bringen die Bagger beim Tagebau Garzweiler zum Stillstand. RWE antwortet mit einer Massenanzeige.

Nach der Besetzung in Garzweiler: RWE liebt die Polizei

Mehrere hundert AktivistInnen werden nach der Blockade des Tagebaus festgenommen. Die Polizei nutzt dabei die Logistik der RWE.

Weniger Abbau in Garzweiler: Rot-Grün verärgert Braunkohle-Lobby

Nun steht auch die SPD nicht mehr uneingeschränkte zur Braunkohle. Das empört Gewerkschaft und FDP gleichermaßen.

Proxied content from gemini://taz.de/%215224203 (external content)

Gemini request details:

Original URL
gemini://taz.de/%215224203
Status code
Success
Meta
text/gemini;lang=de
Proxied by
kineto

Be advised that no attempt was made to verify the remote SSL certificate.