taz.de -- Berliner Vätertag am 3. Sonntag im Juni: Der wahre Vatertag

Der klassische Vatertag stinkt so manchem Vater. Einige Berliner Väter haben sich kurzerhand einen neuen geschaffen.

Bild: Am Berliner Vätertag gibt es Abwechslung vom ewigen Windeln, Kochen, Bügeln und Abwaschen

Berlintaz | Unter der Schirmherrschaft von Monika Herrmann, der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, findet an diesem Sonntag ein alternativer Vatertag, der [1][“Berliner Vätertag”] statt. Initiiert vom Jugendamt und organisiert vom Verein „Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie e.V.” sind Väter in Begleitung ihrer Kinder und weiterer Familienmitglieder eingeladen im Civili-Park zu picknicken, zu feiern und zu spielen.

In Deutschland ist es Tradition, dass Väter (und auch manche Söhne) am [2][Vater-, oder auch „Herrentag”] bollerwagenweise Alkohol durch die Landschaft karren, während sie sich betrinken. Diese etwas einfältig wirkende Tradition ist Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls in Berlin und Umgebung aufgekommen und steht international allein auf weiter Flur.

In vielen Ländern, beispielsweise in der Türkei und in Österreich, wird der Vatertag analog zum Muttertag gefeiert. Man kauft seinem Vater Blumen oder kleine Geschenke und sagt ihm, wie lieb man ihn hat. In anderen Ländern wie den USA ist der Vatertag ein Aktionstag, an dem sich aus regional unterschiedlichen Motiven heraus die Väter ihren Kindern besonders widmen.

Unter Vätern, die mit dem klassischen Rollenverhalten eines Vaters nichts anfangen können und die sich als fürsorglich und verantwortungsvoll begreifen, regt sich schon länger Widerstand gegen den herkömmlichen Himmelfahrts-Vatertag. Es lag nahe, einen anderen Vatertag einzuführen. Der dritte Sonntag im Juni schien geeignet, er wird auch „internationaler Vatertag” genannt, weil er weltweit in den meisten Ländern für diesen Zweck verwendet wird.

Michael Stiefel vom [3][Familieninfotreff e.V.] und Mit-Organisator des Berliner Vätertages sagt: „Das deutsche Familienrecht und -bild ist veraltet. Das Modell der Versorgerfamilie, in der der Vater das Geld verdient und die Mutter sich um die Kinder kümmert, verliert zunehmend an Gültigkeit. Viele Eltern arbeiten zu gleichen Teilen und wollen sich auch gleichberechtigt und zu gleichen Teilen um die Kinder kümmern. Weniger Paare bleiben ewig zusammen und immer mehr Mütter und Väter teilen sich nach der Trennung Versorgung und Betreuung hälftig.“

Leider mahlen die Mühlen des Staates aber langsam und legen einer solchen Aufteilung der Verantwortungen Steine in den Weg. Deshalb wünschen sich einige der Vätergruppen, die schon seit mehreren Jahren den internationalen Vatertag als eigentlichen Vatertag feiern, das „paritätische Wechselmodell”, also die Betreuung der Kinder durch Vater und Mutter zu gleichen Teilen als Standardregelung nach Trennungen, so wie es bereits in einigen europäischen Ländern üblich ist.

19 Jun 2015

[1] http://www.berlinervaetertag.de/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Vatertag

[3] http://www.familieninfotreff.de

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Ulf Schleth

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