taz.de -- Winter in Berlin: Zwölf Zentimeter

Etwas Neuschnee hat Berlin viele Rutschpartien beschert - in Parks und auf der Straße. S-Bahn, Züge und BVG kamen häufig zu spät.

Bild: Anders als die S-Bahn freue sich Eisbär Knut über die Kälte

Zwölf Zentimeter Neuschnee haben trotz aller Vorwarnungen gereicht, um Berlin am Donnerstag teilweise lahmzulegen. Kinder freuten sich zwar über die ersten Schlittenfahrten, ganze S-Bahn-Linien aber fuhren nur sehr eingeschränkt, Busse waren vereinzelt auch gegen Mittag noch im Schritttempo unterwegs, und Autofahrer brauchten für die acht Kilometer zwischen Pankow und Reinickendorf zwei Stunden. Mit Blick auf das neue Straßenreinigungsgesetz mit erweiterten Räumpflichten sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Umwelt: "Wenn an einem Tag so viel Schnee kommt, kann auch das beste Gesetz der Welt nicht sofort für freie Straßen und Wege sorgen."

Exakt zwölf Zentimeter Neuschnee in Dahlem bis 13 Uhr hatte die Messung des Meteorologischen Instituts der Freien Universität ergeben. Zu diesem Zeitpunkt lag noch immer auf vielen Gehwegen Schnee. Dabei besagt das neue Straßenreinigungsgesetz unter Paragraf 3 "Winterdienst": Gehwege sind unverzüglich nach Beendigung des Schneefalls, bei länger anhaltendem Schneefall in angemessenen Zeitabständen von Schnee zu beräumen. Was das konkret bedeutet, steht nicht im Gesetz. Die Sprecherin der Umweltverwaltung nannte 15 Zentimeter Neuschnee als Richtwert dafür, dass erneut zu räumen ist.

Ein genauer Überblick, inwiefern sich Eigentümer an die verschärften Regeln halten, war am Donnerstag nicht zu bekommen. Viele Einzelbeobachtungen legen aber nahe, dass Eigentümer nicht schneller zum Schneeschieber griffen als letzten Winter. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mahnte Hausbesitzer, die verschärfte Gesetzeslage ernst zu nehmen, was er auch "relativ schnell" überprüfen lassen will: "Das wird dann echt teuer, wenn jemand zu Schaden kommt. Da muss jeder Hausbesitzer wissen, dass er in der Verantwortung steht und sich nicht hinter einem Schneeräuminstitut verstecken kann." Im letzten Winter hatten sich diverse Räumdienste übernommen und konnten ihre Aufträge nicht umfassend abarbeiten.

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) wehrte sich gegen Kritik, nicht umfassend zu kehren. Seit 3 Uhr nachts seien 470 Räumfahrzeuge und 1.300 Mitarbeiter im Einsatz gewesen, um halb sechs hätte man 4.000 Kilometer Straßen durchgeräumt, sagte BSR-Sprecherin Sabine Thümler - "aber in dieser Zeit hat es ja weitergeschneit". Man habe immer neue Runden gedreht, aber wegen der für Schneefall außergewöhnlich tiefen Temperaturen habe das Auftaumittel nicht so gut wie sonst gewirkt. Für die Mitarbeiter bedeutete das Sonderschichten: Am Donnerstagabend sollte statt um 22 Uhr erst um Mitternacht Schluss sein.

Die BVG räumte Verspätungen bei Bussen ein, verwies aber darauf, dass die Fahrzeuge nur so schnell fahren könnten, wie es die Straßenverhältnisse und zugeparkte Busspuren zulassen. "Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Zahlreiche Auto- und Radfahrer stiegen auf die U-Bahn um. "Da haben wir sehr viel mehr Fahrgäste als sonst gehabt", so Reetz, dadurch allerdings auch längere Ein- und Ausstiegszeiten.

Auch an den Schlittenhängen dauerte es länger als sonst - allerdings nicht durch Wartezeiten, sondern weil kalter Neuschnee noch nicht den optimalen Untergrund für Rekordabfahrten bot.

2 Dec 2010

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Stefan Alberti

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